Der Handball-Rat von Filip Mirkulovski (links) war bei den Bundesligaspielern der HSG Wetzlar (rechts Maximilian Holst) schon immer gefragt. FOTO: FRIEDRICH
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Der Handball-Rat von Filip Mirkulovski (links) war bei den Bundesligaspielern der HSG Wetzlar (rechts Maximilian Holst) schon immer gefragt. FOTO: FRIEDRICH

Eine neue Rolle

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Filip Mirkulovski hat als Spielmacher-Nachfolger von Ivano Balic im Rückraum der HSG Wetzlar fünf Jahre lang erfolgreich die Fäden gezogen. Ab 1. Juli schlüpft der Madezonier beim Handball-Bundesligisten in eine neue Rolle, in die des Co-Trainers.

Vier Spieler werden die HSG Wetzlar zum 30. Juni offiziell verlassen. Vier Spieler, denen ein bombastischer Abschied nach dem letzten Heimspiel der Saison verwehrt blieb, die wir aber in den letzten Wochen hier gewürdigt haben. Ein weiterer Aketur ist in unserer Serie noch außen vor geblieben. Einer, der sich zwar weitestgehend vom Spielfeld zurückzieht, den Grün-Weißen aber in anderer Funktion erhalten bleibt. Filip Mirkulovski hat seinen Vertrag in Wetzlar um zwei Jahre verlängert. In der nächsten Saison wird der 36-jährige als Co-Trainer und Backup-Spieler zur Verfügung stehen, im zweiten Jahr dann nur noch im Trainerteam tätig sein.

Momentan ist der Mittelmann mit seiner Familie in seiner Heimat Mazedonien. Zum Start der Vorbereitung am 16. Juli will er pünktlich wieder zurück in Deutschland sein, um seine neue Aufgabe anzugehen.

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Sie sind Mitte Mai nach Mazedonien zurückgekehrt. Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie? Wie erleben Sie die Zeit dort?

In der Corona-Krise sind wir mehr zu Hause, ich trainiere ein bisschen. Alle sind bis jetzt gesund und fit, das ist wichtig. Wir mussten nach unserer Einreise zu Hause zwei Wochen in Quarantäne bleiben. Aber meine Mutter wohnt im gleichen Haus in einem anderen Stockwerk. Sie hat für uns alles gekauft, was wir brauchten.

Wie haben Sie die Zeit in Deutschland erlebt nach dem Lockdown?

Wir bleiben zu Hause, gehen vielleicht eine Stunde mit den Kindern spazieren oder Fahrrad fahren, ein bisschen laufen und das war es schon. Das war eine Zeit lang interessant, aber irgendwann wurde es langweilig. Ich denke, das ist zu viel. Die Corona-Krise dauert schon lange. Ich bin Sportsmann, Handballspieler seit 20 Jahren und war noch nie so lange ohne Spiel und ohne Training. Wir müssen sofort aufs Feld zurück, das ist wichtig für uns. Niemand weiß, wann die Saison beginnt, das ist unfassbar und sehr traurig für mich.

Wünschen Sie sich deswegen umso mehr, in der nächsten Saison noch einmal zum Einsatz zu kommen?

Erst mal steht in meinem Vertrag Co-Coach und Backup-Spieler. Wir müssen gucken, was nächste Saison passiert. Was geht mit dem neuen Spieler auf der Rückraummitte, Magnus Fredriksen, der ein sehr guter ist. Alexander Feld ist ja auch noch da und ich hoffe, ich spiele, aber nicht so viel (lacht). Wir besprechen das mit Kai (Wandschneider Trainer, Anm. d. Red.) und Jasko (Jasmin Camdzic, Co-Trainer) in der Vorbereitung. Aber ich fokussiere mich auf meine Aufgaben als Co-Trainer.

Hätten Sie gerne ein Abschiedsspiel gehabt?

Das ist nicht wichtig für mich. Aber vielleicht gucken wir nächstes Jahr, ob es eine Möglichkeit dafür gibt.

Im März 2015 hat die HSG Wetzlar Ihre Verpflichtung bekannt gegeben. Warum damals ausgerechnet die HSG Wetzlar?

Ich war vorher fünf, sechs, Monate in Hannover, wo ich auch eine schöne Zeit hatte. In Wetzlar hat mein Vorbild von früher, Ivano Balic, gespielt. Deshalb war diese Option für mich sehr interessant, nach Ivano Balic auf dieser Position zu spielen. Das war das wichtigste für mich. Zudem ist Jasko hier, er kann meine Sprache, darum war es auch ganz einfach für mich, herzukommen und mich einzuleben.

Also war die Nachfolge von Ivano Balic keine Last, sondern eher Ansporn und Lust?

Ich habe mit ihm vorher gesprochen und auch mit Dejan Manaskov (02/2015-06/2015), der auch nur gut über den Verein berichtet hat, über die Halle und die Fans. Ich glaube unsere Fans sind unter den Topfünf in der Bundesliga, in der schönsten Arena. Da war die Entscheidung einfach und ich denke, ich habe keinen Fehler gemacht (schmunzelt).

Sie waren jetzt fünf Jahre in Wetzlar, haben 154 Spiele für die HSG absolviert und 223 Tore geworfen. Bleibt irgendetwas ganz besonders in Erinnerung?

Für mich war es eine sehr schöne Zeit bei der HSG. Ich hatte mit Kai einen guten, sehr erfahrenen Trainer und habe sehr gerne mit ihm zusammengearbeitet. Er versteht meine Idee von Handball und ich verstehe seine Idee, so einfach ist das. Vor diesen Fans, in dieser Halle ist für mich jedes Spiel etwas Besonderes, weil du immer 100 Prozent geben musst. Ich bin mit 30 Jahren hergekommen, hatte schon sehr viel Erfahrung, habe viele Championships gespielt. Körperlich war es zu Beginn nicht so einfach für mich, weil die Bundesliga sehr spezifisch und die beste Liga der Welt ist. Da waren die ersten sechs Monate nicht so einfach.

Gab es Highlights?

Ja klar. Wir spielten das Final 4 im Pokal, das war eine große Erfahrung für mich. Der sechste Platz im Jahr zuvor in der Bundesliga war auch ein tolles Ergebnis für Wetzlar. Das ist für die HSG so wie ein Champions-League-Platz. Diese zwei Jahre waren schon perfekt für mich.

Gab es auch Tiefpunkte?

Ich hatte keine schlechte Zeit für mich persönlich, weil ich fast immer gesund war und gespielt habe. Vielleicht das erste Jahr in Wetzlar. Es war nicht das schlimmste, aber ich war mit dem Kopf nicht so beim Handball. Deshalb war das erste Jahr das härteste für mich. Ich war zwei, drei Monate verletzt, das ist das Schlimmste für einen Sportler.

Wer kam denn auf die Idee, in der nächsten Saison als Co-Trainer bei der HSG einzusteigen?

Wir hatten beide die Idee, sie kam aber mehr von der HSG, von Björn (Seipp, Geschäftsführer), Jasko und Kai. Ich bin fünf Jahre Spielmacher bei der HSG, gebe meine Idee von Handball an Kai und Jasko weiter und die beiden verstehen das. Sie kamen zu mir und wir haben zwei, drei Monate über diese Idee gesprochen. Letztendlich habe ich "ja" gesagt und wir haben einen neuen Vertrag abgeschlossen.

Welche Aufgaben haben Sie in Zukunft?

Zwei-, dreimal in der Woche Training mit einer Gruppe, mit dem Rückraum oder Kreisläufern. Dazu noch Videoanalysen, das sind erst mal meine Aufgaben. Jasko werde ich beim Scouting von Spielern vom Balkan unterstützen. Ich kenne alle Vereine hier in Mazedonien, habe viele Kontakte nach Kroatien. Da ist es ganz einfach, junge, gute Spieler zu finden.

Die Fans würden sich bestimmt trotzdem darüber freuen, Sie noch einmal auf dem Spielfeld zu sehen.

Ja, ich mache das einmal (lacht).

Gibt es noch etwas, das Sie den Fans sagen möchten?

In dieser Zeit ist es ganz wichtig gesund zu bleiben. Ich hoffe, in den nächsten zwei Jahren freuen wir uns über viele Siege, haben viele tolle Momente und eine gute Zeit.

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