Einst schnürte Albert Repp für den FV Bad Vilbel in der Hessenliga die Fußballschuhe. Seit Sommer ist er Trainer bei der SG Nieder-Mockstadt/Stammheim in der Kreisoberliga Büdingen - eine neue Erfahrung, wie er sagt. FOTO: SENZEL
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Einst schnürte Albert Repp für den FV Bad Vilbel in der Hessenliga die Fußballschuhe. Seit Sommer ist er Trainer bei der SG Nieder-Mockstadt/Stammheim in der Kreisoberliga Büdingen - eine neue Erfahrung, wie er sagt. FOTO: SENZEL

Eine neue Erfahrung

  • vonFrank Schneider
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Back to the roots: Albert Repp ist nach einigen höherklassigen Stationen seit Saisonbeginn Trainer des Kreisoberligisten SG Nieder-Mockstadt/Stammheim. Im Interview spricht der Niddauer über die höchste Spielklasse des Fußballkreises Büdingen, die Corona-Regeln und mittelfristige Ziele.

Seit Saisonbeginn ist Albert Repp Trainer des Büdinger Fußball-Kreisoberligisten SG Nieder-Mockstadt/Stammheim. Der frühere Hessenligaspieler des FV Bad Vilbel, bald 57 Jahre alt, trat bei der Florstädter Spielgemeinschaft die Nachfolge des langjährigen Spielertrainers Sascha Bingel (jetzt TSV Dorn-Assenheim an) und ist erstmals in Büdingens höchster Spielklasse tätig. Zuvor trainierte der Nidderauer unter anderem Viktoria Kahl und die SG Bruchköbel, fungierte aber auch schon auf Kreisebene bei Vereinen wie dem SV Kilianstädten, dem SV Breitenborn oder dem SV Altenmittlau als Coach. Ein Engagement beim damaligen Gruppenligisten SC Viktoria Nidda war dagegen vor einigen Jahren nur von kurzer Dauer. Im Gespräch zieht Repp eine erste Zwischen- bilanz seiner neuen Station.

Herr Repp, nach einer mehrmonatigen Pause sind Sie im Sommer als Trainer bei der SG Nieder-Mockstadt/Stammheim eingestiegen. Wie war Ihr erster Eindruck?

Ich bin sehr überrascht über das Engagement in beiden Vereinen. Gerade was in der Corona-Zeit in Bezug auf Hygienevorschriften bei der SG auf die Beine gestellt worden ist, hat mich beeindruckt. Der Vorstand um Matthias Rychly ist mit viel Herzblut bei der Sache und lässt mir als Trainer im sportlichen Bereich freie Hand. Das ist übrigens das, was ich wollte und was in einem Verein auch richtig ist.

Wie bewerten Sie das Niveau in der Kreisoberliga Büdingen?

Die Qualität der Mannschaften ist schon einen Tick schlechter als beispielsweise im Kreis Hanau. In den Vereinen im Kreis Büdingen herrscht einfach ein anderes Flair - das meine ich aber absolut nicht negativ. Für mich ist das hier eine neue Erfahrung. Meine Intention, zur SG Nieder-Mockstadt/Stammheim zu wechseln war es ja, etwas Neues kennenzulernen.

Ihr Team tat sich zu Saisonbeginn schwer, arbeitete sich dann bis zum erneuten Lockdown aber bis ins Tabellenmittelfeld vor. Sind Sie unter dem Strich bislang zufrieden?

Wir wussten ja, dass es keine einfache Runde werden wird. Stammspieler haben den Verein verlassen, und es gab kaum Neuzugänge. Es macht aber Spaß mit der Mannschaft zu arbeiten, denn die Trainingsbeteiligung ist hoch und alle Spieler sind bemüht. So langsam fruchten auch gewisse Dinge. Wir wollen beispielsweise mehr Fußball spielen, anstatt die Bälle nur hoch und weit nach vorne zu schlagen. Mit 14 Punkten aus zehn Spielen kann man zufrieden sein. Es hätten auch mehr sein können, denn in einigen Spielen hat einfach das Quäntchen Glück gefehlt. Richtig chancenlos waren wir eigentlich in keinem Spiel.

Welches Ziel haben Sie sich mit Ihrer Mannschaft bis Rundenende gesteckt?

Die Vorgabe vor der Saison hieß einstelliger Tabellenplatz und es gibt auch keinen Grund, das Ziel zu ändern.

Was zeichnet Ihr Team aus und wie sehen Sie mittelfristig die sportliche Perspektive der SG?

Ganz klar die Gemeinschaft. Da ist einer für den anderen da, das ist sehr ehrenwert. Außerdem gefällt mir, dass meine Spieler gut zuhören und auch bereit für neue Sachen sind. Eine mittelfristige Perspektive zu formulieren, ist in der derzeitigen Lage sehr schwer. Generell muss man sehen, wie es im Vereinssport nach Corona weitergehen wird. Natürlich kann man immer mal nach oben schielen. Warum soll man nicht irgendwann mal mit ein, zwei Verstärkungen einen Aufstieg in die nächsthöhere Liga ins Auge fassen. Aber das ist alles Zukunftsmusik.

Können Sie sich denn überhaupt ein längerfristiges Engagement bei der Florstädter Spielgemeinschaft vorstellen?

Da habe ich mir wirklich noch keine Gedanken gemacht. Es geht jetzt erstmal darum, die aktuelle Saison zu Ende zu spielen. Klar ist aber auch, dass ich nicht ewig bei einem Verein sein will, nur um da zu bleiben. Die Perspektive muss schon stimmen, das ist für mich entscheidend.

Sie arbeiteten zuletzt bei Viktoria Kahl und SG Bruchköbel in Verbandsspielklassen. Wie unterscheidet sich die Trainer-arbeit dort im Vergleich zu der bei einem Kreisoberligisten?

In den höheren Ligen setzen sich die Mannschaften meist zu über 70 Prozent aus Qualitätsspielern zusammen, die entweder in der Jugend gut ausgebildet worden sind, oder schon höherklassig gespielt haben. Da gibt es dann natürlich im technischen und taktischen Bereich nicht so viel Aufholbedarf. In den unteren Ligen muss man kleiner anfangen, um irgendwann da hinzukommen, wo man bei einem Gruppen- oder Verbandsligisten angefangen hätte. Aber auch auf der Kreisebene gibt es sehr engagierte Fußballer. Und oftmals tragen in diesen Vereinen die Spieler selbst viel zum Vereinsleben bei.

Die Coronavirus-Pandemie hat auch den Amateurfußball fest im Griff. Rechnen Sie mit einem regulären Saisonende?

Ich würde es mir zumindest sehr wünschen. Doch es dreht sich im Leben nicht alles um den Fußball - derzeit gibt es wichtigere Dinge. Die Gesundheit ist das Entscheidende und es bringt nichts, irgendetwas erzwingen zu wollen.

Wie könnte es alternativ weitergehen?

Das ist eine schwierige Frage. Ich bin der Meinung, dass man die Saison auf jeden Fall zu Ende spielen sollte - wann auch immer das sein wird. Notfalls wird dann eine kommende Saison eben etwas kürzer. Von Abbruchszenarien und Wertungen von Auf- und Abstieg über Quotientenregelungen halte ich wenig. Das ist nicht gut für den Fußball.

Wie halten Sie in diesen Tagen Kontakt zu Ihrem Team? Würde Ihre Mannschaft ab Dezember das Training wiederaufnehmen oder ist die Winterpause bereits eingeläutet?

Man schreibt untereinander, und die Jungs halten sich selbst fit. Viele gehen beispielsweise zu zweit laufen. Wir alle warten auf grünes Licht von oben, denn ohne Training und Spiel fehlt einem schon einiges. Ich würde daher gerne wieder mit dem Team trainieren. Sollte dies jedoch nur in einzeln oder in kleinen Gruppen möglich sein, stellt sich die Frage, inwieweit sich der Aufwand für die Vereine und die Spieler in den Wintermonaten lohnt.

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