So war es vor dem 1. Juli 2016: Der siebte Feldspieler musste per Leibchen identifizierbar sein, und nur er konnte auch wieder gegen den Torhüter ausgewechselt werden. FOTO: IMAGO
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So war es vor dem 1. Juli 2016: Der siebte Feldspieler musste per Leibchen identifizierbar sein, und nur er konnte auch wieder gegen den Torhüter ausgewechselt werden. FOTO: IMAGO

Eine Mehrheit für die Abschaffung

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(dpa). Der Keeper soll nicht mehr aus dem Tor: Schon die Einführung der Sieben-gegen-Sechs-Regel kurz vor Olympia 2016 wurde von großer Skepsis im Welt-Handball begleitet. Vier Jahre danach regt sich nun Widerstand gegen das taktische Mittel, den Torwart durch einen Feldspieler ersetzen zu können. In einer Umfrage des Fachmagazins "Handballwoche" unter 38 internationalen Top-Trainern im Männer- und Frauenbereich votierte die große Mehrheit für die Abschaffung der Regel.

Zu den scharfen Kritikern gehören die Bundestrainer Alfred Gislason (Männer) und Henk Groener (Frauen). "Ich glaube nicht, dass der Handball attraktiver wurde. Im Gegenteil! Die Regel macht das Spiel viel langsamer", sagte Gislason dem Blatt.

Der Isländer muss es wissen, steht er doch seit mehr als 20 Jahren an der Seitenlinie. "Trainer verlieren ihre taktischen Varianten", sagte Gislason, "und wenn sich nichts ändert, wird sich in zehn Jahren niemand mehr daran erinnern, wie Handball eigentlich gespielt wurde, nämlich Sechs gegen Sechs mit vielen Varianten in Abwehr und Angriff."

Durch die Möglichkeit, den Torwart bei Ballbesitz aus dem Spiel zu nehmen und dafür einen Feldspieler zu bringen, werden vor allem abwehrstarke Teams wie Deutschland benachteiligt. Zwei-Minuten-Zeitstrafen bedeuten für die angreifende Mannschaft kaum noch einen Nachteil, weil sie die Unterzahl durch die taktische Maßnahme ausgleichen kann. Zudem haben einige Teams wie der EM-Sechste Portugal das Sieben-gegen-Sechs-Spiel mittlerweile perfektioniert und agieren im Angriff fast das gesamte Spiel über in Überzahl.

Wie Gislason macht sich auch Groener dafür stark, die Uhr im Handball-Regelwerk zurückzudrehen. "Je schneller man diese Regel abschafft, desto besser ist es", erklärte Groener. "Die Räume wurden enger, das Spiel wurde langsamer. Und: Die Treffer ins leere Tor sind sehr unattraktiv für die Fans."

Zu den Unterstützern der Initiative gehören auch die Bundesligatrainer Filip Jicha vom THW Kiel und Maik Machulla vom Vizemeister SG Flensburg/Handewitt. Für eine Beibehaltung der Regel sprachen sich unter anderen Dänemarks Weltmeister-Coach Nikolaj Jacobsen und Kroatiens Coach Lino Cervar aus.

Beim Weltverband IHF stößt der Protest offenbar auf offene Ohren. "Wir werden uns die Argumente sehr intensiv anschauen", sagte der Vorsitzende der IHF-Trainer- und Methoden-Kommission, Dietrich Späte. Nicht nur Groener hofft auf schnelle Einsicht der Regelhüter. Für den Frauen-Bundestrainer steht fest: "Wenn alle Mannschaften Sieben gegen Sechs spielen, werden weniger Zuschauer zum Handball kommen, weil andere Sportarten für sie dann attraktiver sind."

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