Eine Klagewelle droht

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Das Thema kocht hoch: Nachdem die Saison für Amateurfußballer beendet wurde, stellt sich die Frage nach den daraus resultierenden Folgen für die Regionalliga Südwest - und somit auch den FC Gießen und Eintracht Stadtallendorf. Gibt es trotz weniger absolvierter Spiele Aufsteiger aus den Oberligen? Könnte es weniger Absteiger geben?

?Was steht jetzt zum jetzigen Zeitpunkt fest?

Einmalig wurde in der Spielordnung der Regionalliga Südwest verankert, dass es sechs Absteiger gibt - unabhängig davon, wie viele Mannschaften aus der 3. Liga herunterkommen. »Langfristig wollen wir auf 18 Teams reduzieren. Hätten wir das in einem Schritt gemacht, hätte es mindestens sieben Absteiger gegeben. Das war uns zu viel«, erklärt Sascha Döther, Geschäftsführer der Regionalliga Südwest. Da es - normalerweise - vier Aufsteiger aus den Oberligen gibt sowie einen aus der Regional-liga in die 3. Liga, wäre die Anzahl der Mannschaften bei sechs Absteigern auf 19 reduziert worden. »Wenn man davon ausgeht, dass eine Mannschaft aus der 3. Liga absteigt, haben wir in der kommenden Saison 20 Klubs«, sagt Döther. Kaiserslautern sowie Mannheim könnten derzeit noch in die Südwest-Staffel absteigen. Fest steht: Egal, wie es kommt, es hat keinerlei Auswirkungen auf die Anzahl der Absteiger.

?Was steht bislang noch nicht fest?

Ob es Aufsteiger aus der Hessenliga und den übrigen Oberligen geben wird. Hessen und Baden-Württemberg haben sich noch nicht geäußert, Rheinland-Pfalz und das Saarland sind vorgeprescht und haben Eintracht Trier als Meister und Aufsteiger (acht absolvierte Spiele) sowie Wormatia Worms als Zweiten (neun Spiele) gemeldet. Entschieden wurde das durch die Quotientenregel. Döther sagt dazu: »Die Träger der Oberligen können für sich entscheiden, ob sie Aufsteiger melden möchten.« In Hessen beträfe das Barockstadt Fulda/Lehnerz (1.) und Hessen Dreieich (2.), in Baden-Württemberg Freiberg (1.) und die Stuttgarter Kickers (2.).

?Würde es weniger Absteiger geben, wenn keine Mannschaft aufsteigt?

Ja. »Wenn es keine Aufsteiger gibt, reduzieren sich die Absteiger«, erklärt Döther. Das sei in der Spielordnung so festgehalten. Heißt: Sollte es am Ende dazu kommen, dass kein Team aus der Oberliga aufsteigt, müssten nur zwei Mannschaften aus der Regionalliga absteigen.

?Ist eine kurzfristige Entscheidung zu erwarten?

Eher nicht. Döther sagt, dass sich die Regionalliga Südwest erst einmal zurückhalten und weitere Entscheidungen abwarten werde. Denn eine vergleichbare Situation herrscht auch in Sachen Aufstieg aus den fünf Regionalligen in die 3. Liga. Während im Südwesten und Westen gespielt wird, haben die anderen drei Staffeln den Betrieb ausgesetzt. Der letzte Spieltag der Regionalliga Südwest findet am 12. Juni statt, der der 3. Liga am 22. Mai. Es könnten Präzedenzfälle geschaffen werden.

?Wer hat sich bis jetzt positioniert?

Die Vereine der Regionalliga Südwest. Ligasprecher Rafael Kowollik, Geschäftsführer des FC Homburg, verfasste ein gemeinsames Statement mit der mehrheitlichen Meinung der Klubs, das an die Träger der Regionalliga und der Oberligen gehen soll. Zusammengefasst heißt es da: Es sei ungerecht, dass nach einer Mammutsaison mit 42 Spielen sechs Teams absteigen müssen, während Oberligisten nach acht bis maximal 13 Partien aufsteigen dürfen. Durch die Annullierung der Spielzeit würde es keine Wertung geben, warum sollte eine Ausnahme beim Regionalliga-Aufstieg gemacht werden? Hätte die Regionalliga die Saison frühzeitig abgebrochen, hätte es gar keine Absteiger geben dürfen. Kowollik appelliert zudem an die Werte (Leistungsgedanke, Fairness, Respekt), moniert einen Systemfehler, weil Oberliga-Träger gleichzeitig Gesellschafter der Regionalliga seien und dadurch einen Interessenkonflikt hätten, und er fügt an, dass sich durch die Einstufung der Regional- liga als Profisport eine neue Bewertungssituation ergeben habe.

?Drohen Klagen einzelner Klubs?

Ja. Kowollik schreibt, dass sich Vereine vereinzelt bereits rechtlichen Beistand suchen. Stadtallendorf und Pirmasens haben das schon öffentlich gemacht. Döther geht davon aus, dass es auch Klagen von Oberligisten geben wird - so haben die Stuttgarter Kickers und Freiberg angekündigt, notfalls juristisch um ihr Aufstiegsrecht zu streiten. Döther sagt: »Das ist mittlerweile normal. Es gefällt uns nicht, aber wir sind es gewohnt. Jeder denkt nur an sich.« MAXIMILIAN BÜLAU

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