"Eine Insolvenz ist der allerletzte Schritt"

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(sno). Nachdem bis auf den 2. Vorsitzenden Thilo Harnisch der gesamte Vorstand des Fußball-Regionalligist FC Gießen zurückgetreten ist, ist Turgay Schmidt nun "alleinverantwortlicher Notvorstand" - vom Verein gewünscht und vom Amtsgericht bestellt. Schmidt ist im mittelhessischen Fußball bekannt: Er ist Vorsitzender des FC Grüningen, hat die B-Juniorinnen des FFC Pohlheim in die Bundesliga geführt und hat bereits mehrere Fußballvereine in Hessen juristisch vertreten. Mit seinem Bruder Ramazan ist er in einer Rechtsanwaltskanzlei in der Gießener Goethestraße tätig.

Herr Schmidt, wie können Sie als Einzelperson den FC Gießen führen?

Nachdem der Verein durch die Rücktrittswelle nicht mehr handlungsfähig war, hat sich keine Person gefunden, die sich in den geschäftsführenden Vorstand wählen lässt. Der Verein hat sich an mich und an das Amtsgericht gewandt - und nunmehr bin ich als vom Amtsgericht bestellter alleinverantwortlicher Notvorstand des Vereins tätig.

Wie lange werden Sie diese Position ausüben?

Bis wir zu dem Punkt kommen, an dem man sagen kann: Es gibt Personen, die sich für einen neuen Vorstand auf einer einzuberufenen Mitgliederversammlung zur Wahl stellen. Dieser Zeitpunkt ist derzeit noch nicht absehbar.

Damit sich ein neuer Vorstand wählen lässt, muss eine Basis geschaffen werden. Wie sieht diese aus?

Es muss ja Gründe gegeben haben, warum der gesamte Vorstand zurücktritt. Ich werde sämtliche Dokumente sichten, recherchieren und Gespräche mit den bisher handelnden Personen führen, um dann eine positive Entwicklung im Verein anzustoßen.

Inwiefern spielt die unklare finanzielle Situation im Verein dabei eine Rolle?

Verträge, etwaige Altlasten, das sind zentrale Themen. Das Ziel sollte sein, dass der Verein wirtschaftlich gut aufgestellt ist. Sonst wird sich das Ganze auch auf den sportlichen Bereich auswirken. Für diesen sehe ich derzeit keine Probleme.

Welche Rolle wird die "FCG Offensive GmbH" spielen, die die Vermarktung und Finanzierung der Regionalliga-Mannschaft übernimmt?

Das kann ich noch nicht abschließend sagen. Soweit ich das einschätze, gibt es keine rechtliche Verbindung zwischen Gesellschaft und Verein. Der Schritt, dass eine Ausgliederung bzw. Überführung der Spielrechte stattfindet, wie im Profibereich üblich, ist bislang nicht vollzogen worden.

Muss ein Insolvenzantrag in Betracht gezogen werden?

Dazu fehlen mir noch die Informationen. Eine Insolvenz sollte vermieden werden, das ist der allerletzte Schritt. Ich bin kein Liquidator, der abwickelt, sondern jemand, der analysiert, gestaltet und Strukturen verändern will.

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