In schwieriger Zeit positiv bleiben will Michael Koch. FOTO: FRIEDRICH

Eine Herkulesaufgabe

Am Montag entscheidet die Basketball-Bundesliga, ob die Saison fortgesetzt werden soll oder nicht. Für Michael Koch, Manager der Gießen 46ers, und die anderen Klubs "ist es vorrangig, den Weg zu gehen, der uns am wenigsten belastet".

Als eine Not-OP am offenen Herzen bezeichnete Gunnar Wöbke im Interview mit unserer Sportredaktion vor knapp vier Wochen die Aussetzung des Spielbetriebs der Basketball-Bundesliga. Der Geschäftsführer der Frankfurt Skyliners sprach damit vielen der 18 Profiklubs aus der Seele. Am Montag entscheidet die Liga darüber, wie es für die Basketball-Bundesliga weitergeht. Die Lage ist kritisch, die finanziellen Ressourcen knapp. Beim Mitteldeutsche BC laufen die Spielerveträge in der kommenden Woche aus. Überhaupt sind viele Ausländer in ihre Heimatländer zurückgereist. Auch bei den Gießen 46ers. Anfang März übernahm Michael Koch das Amt des Geschäftsführers und Sportdirektors bei den 46ers von seinem Vorgänger Heiko Schelberg. Wenige Tage, bevor die Saison ausgesetzt wurde.

Herr Koch, die BBL hat sich in ihren Entscheidungen bislang eng an der Fußball-Bundesliga orientiert. Dort scheint es auf eine Saisonweiterführung mit Geisterspielen hinauszulaufen. Eine Option für die 46ers?

Es ist richtig, dass sich die Liga bislang am Fußball orientiert hat, obwohl beide Sportarten weit auseinanderliegen. Dort läuft viel über die Fernseheinnahmen, bei uns eher über lokales Sponsoring und Ticketverkäufe. Der Handball hat die Saison vor Kurzem abgebrochen. Wir und die Spieler haben keine Einnahmen. Da stellen sich auch Kompensationsfragen an die Liga. Für uns Klubs der BBL ist es vorrangig, den Weg zu gehen, der uns am wenigstens belastet.

Welchen Einfluss nehmen dabei die bisherigen Spielerabgänge?

Wenige Mannschaften würde genauso auflaufen, wie vor der Corona-Krise. Über WhatsApp stehe ich mit allen Spielern in Kontakt, zuletzt letzten Samstag. Alle sind gesund so weit, das ist positiv. Aber auch sie haben keine Trainingsmöglichkeiten und können nicht viel unternehmen. Die große Frage ist aber, ob die Reisebeschränkungen aufgehoben würden. Zudem bräuchte es zwei bis drei Wochen Vorlauf mit Training, bevor es weitergehen könnte. Wenn es die Möglichkeit gäbe, würden wir Spieler zurückholen und ihnen neue Verträge geben. Würde das nicht bei allen funktionieren, wäre der Kader mit Spielern wie Alen Pjanic, Bjarne Kraushaar, John Bryant, Brandon Thomas und den Doppellizenzspielern immer noch adäquat.

Die Funktion des Geschäftsführers ist für Sie neu. Schon in ihrer zweiten Woche rutschte der Sport in der größten Krise aller Zeiten. Wie geht man damit persönlich um?

Ein Spiel gegen die Skyliners Frankfurt durfte ich noch miterleben. Dann hat Corona zugeschlagen. Meine eigentliche Berufsbezeichnung ist die als Geschäftsführer und sportlicher Direktor. Den Direktor konnte ich gleich runterfallen lassen. Dinge wie die Mannschaftsplanung für die neue Saison liegen vorerst auf Eis. Jetzt bin ich Krisenmanager. Das ist eine Herkulesaufgabe, aber ich gehe positiv an die Sache ran. Wenn wir uns daraus freischwimmen, habe auch ich die Feuertaufe bestanden. Wir nehmen den Kampf an, wollen positiv bleiben und entsprechend in die Zukunft schauen.

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