Tungau Wetterau

Eine Geschichte auf 180 Seiten

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Ein Originalzeitungsausschnitt aus dem Oberhessischen Anzeiger belegt, dass der heimische Turngau Wetterau-Vogelsberg am 4. März 1894 in Butzbach aus der Taufe gehoben wurde. Grund genug, das nunmehr 125-jährige Bestehen mit einem Festkommers gebührend zu feiern und an Höhen und Tiefen einer bewegenden Sportgeschichte zu erinnern.

Ein Originalzeitungsausschnitt aus dem Oberhessischen Anzeiger belegt, dass der heimische Turngau Wetterau-Vogelsberg am 4. März 1894 in Butzbach aus der Taufe gehoben wurde. Grund genug, das nunmehr 125-jährige Bestehen mit einem Festkommers gebührend zu feiern und an Höhen und Tiefen einer bewegenden Sportgeschichte zu erinnern.

Vertreter von insgesamt 26 Gau-Vereinen waren neben den Ehrengästen der Einladung des Turngau-Vorstands in die Mehrzweckhalle nach Berstadt gefolgt. Nach dem feierlichen Einmarsch mit den historischen Fahnen des Turngaus und des Hessischen Turnverbandes, in die in den Verbandsfarben rot und weiß dekorierte Halle, leitete der Turngau-Vorsitzende Ulrich Riemer die akademische Feier ein. In den vergangenen 125 Jahren gab es laut Riemer nicht nur Zeiten des Sonnenscheins, sondern auch welche mit Schatten. Dazu gehöre die Zeit des Zweiten Weltkrieges und die Haltung der Turner zum Nationalsozialismus, sagte Riemer. "Der turnerische Gedanke wurde in dieser Zeit auf eine harte Probe gestellt. Die turnerische Gesinnung unterlag dem politischen Druck und wurde ein Teil der Propaganda der Nationalsozialisten. Darauf sind wir nicht stolz, doch auch Tiefpunkte gehören genauso zu unserer Geschichte, wie Höhepunkte", erzählte Riemer.

Nachzulesen sind die umfassenden historischen Eckdaten in einem 180 Seiten dicken Festbuch, das der Turngau Wetterau-Vogelsberg anlässlich seines Jubiläums auflegte. Riemer dankte den Vorstandsmitgliedern Katja Reutzel und Rosel Schleicher, die in Zusammenarbeit mit dem historisch bewanderten Stammheimer Rolf Lutz mit viel Akribie und Zeitaufwand ein beeindruckendes Werk zusammenstellten. Die Hessische Turnbewegung nahm im Wetterauer Turngau in Butzbach durch den hessischen Turnvater Friedrich Ludwig Weidig seinen Anfang. "Konsequenterweise erfolgte auch die Gründung des Hessischen Turnverbandes dann in unserem Turngau, nämlich in Butzbach", sagte Riemer über die Anfänge des Turngaus. Die Festrede oblag seiner Stellvertreterin Katja Reutzel (Kefenrod). Hinter ihr wurden Bilder auf einer Leinwand präsentiert, um die Geschichte des Turngaus visuell darzustellen. "Turnen ist eine Lebenseinstellung", betonte Reutzel. "Wer einmal ein Deutsches Turnfest oder ein Landesturnfest miterlebt hat und Teil der großen Turnerfamilie war, der weiß, was ich meine", ergänzte die stellvertretende Turngau-Vorsitzende. Beim Turnen stünde im Gegensatz zum Sport nicht der Leistungs-, Konkurrenz- und Rekordgedanke im Mittelpunkt. Reutzel: "Die Grundlage für unsere Leidenschaft, uns zu bewegen und Sport zu betreiben, wird im Kinderturnen geschaffen." Nicht von ungefähr genießen die traditionellen Gau-Kinderturnfeste im über 30 000 Mitglieder starken Sportverband einen hohen Stellenwert.

Landrat Jan Weckler, gleichzeitig Schirmherr der Jubiläumsveranstaltung, erinnerte sich in seinem Grußwort daran, dass er früher als Kind selbst an den Gau-Kinderturnfesten teilnahm. Auf die aktuelle Zeit bezogen lobte Weckler die engagierte Vorstandsarbeit des Turngaus.

Die gesellschaftliche Aufgabe sei es, sich für sporttreibende Vereine stark zu machen. Denn, so der Landrat: "Sport ist im Verein am Schönsten." Weitere Grußworte sprachen Wölfersheims Bürgermeister Eike See, Sportkreis-Chef Jörg Wulf, Ulrich Müller vom Präsidium des Hessischen Turnverbandes und Helmut Reith für die hessischen Turngau-Vorsitzenden. Die Moderation der Feier übernahm Kathrin Storck (TV Berstadt).

Für den feierlichen Rahmen des Kommersabends sorgten Musikstücke durch eine Gruppe des TV Berstadt unter Leitung von Florian Bayer. Die Disziplin in den Anfängen der Turnerzeit demonstrierte die Gymnastikgruppe der SG Stammheim, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, in Turnerpracht vergangener Zeiten.

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