Eine Frage der Zumutbarkeit

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(jm). Die Offenbacher Kickers haben bei der Generalprobe vor dem Restart der Fußball-Regionalliga Südwest einen Sieg verpasst. Nach dem 2:2 (0:1) bei der TSG 1899 Hoffenheim II war Trainer Angelo Barletta dennoch zufrieden. Doch das gerät angesichts der Klage gegen den Restart fast zur Nebensache. OFC-Geschäftsführer Thomas Sobotzik übte scharfe Kritik am Vorgehen der vom Titelaspiranten TSV Steinbach Haiger initiierten einstweiligen Verfügung.

Unter Federführung des aktuellen Tabellenzweiten aus Haiger hatten der FC Astoria Walldorf, kommenden Freitag (19 Uhr) Gastgeber der Kickers, Schott Mainz, Eintracht Stadtallendorf, der FC Gießen und der Bahlinger SC eine einstweilige Verfügung beim Landgericht Mannheim eingereicht. Dabei geht es um die Frage der Zumutbarkeit, die die Klubs vor Gericht geprüft sehen wollen. Im Eilverfahren soll in dieser Woche darüber befunden werden.

"Bei der Begründung der Klage durch den Steinbacher Vorstandssprecher und Hauptsponsor Roland Kring hätte man sich Ehrlichkeit gewünscht und keine Stammtischparolen", sagte Sobotzik. In Wirklichkeit gehe es zumindest dort ausschließlich um Geld. Sobotzik hatte aus der Steinbacher Geschäftsführung erfahren, dass man liebend gerne weiterspielen würde, der Hauptsponsor, der ortsansässige Bremsenhersteller SIBRE, bei Geisterspielen aber kein Geld an den TSV zahle und der deshalb auf staatliche Hilfen angewiesen sei. "Stattdessen jetzt die moralische Keule auszupacken und sowohl dem Verband als auch den meisten Ligakonkurrenten gegenüber fehlende gesellschaftliche Verantwortung vorzuwerfen, erweist dem Fußball insgesamt einen Bärendienst." Das, so Sobotzik, sei ein fatales Zeichen und konterkariere auch die Bemühungen des DFB sowie aller Präsidenten der Landes- und Regionalverbände, die sich im Sinn ihrer sozialen Verantwortung bei der Politik für die Öffnung des Amateurvereinssports, wenigstens für Kinder und Jugendliche, einsetzen.

"Alle 22 Vereine in der Regionalliga wollen Fußball spielen", hatte TSV-Vorstandssprecher und SIBRE-Inhaber Roland Kring am Samstag in einem Statement auf der vereinseigenen Homepage betont: "Aber die aktuellen Umstände durch die Pandemie und auch die Transparenz seitens der Liga, mit der uns die Fortführung des Spielbetriebs präsentiert wurde, sind fragwürdig. Die Spieler des TSV Steinbach Haiger sind hauptberuflich Profis. Das ist eben bei vielen anderen Clubs nicht so. Und auch wir haben ehrenamtliche Helfer, die einem anderen Job nachgehen." Kring betonte: "Wenn das Gericht urteilt, dass gespielt werden kann, werden wir natürlich spielen. Uns geht es nicht um eine Spaltung der Liga, sondern um eine rationale juristische Klärung der Sachlage."

Nicht zum ersten Mal präsentiert sich die Liga in der Frage nach dem Umgang mit der Corona-Pandemie als inhomogenes Gebilde. OFC-Coach Angelo Barletta geht davon aus, "dass wir am Freitag spielen". Zumal für ihn die Erfüllung der Hygienemaßnahmen keine allzugroße Hürde darstellt. Die Kickers hatten auf die Empfehlung der Regionalliga Südwest GbR reagiert und waren zum Test im Bus mit nur 18 Spielern und Torwarttrainer Rene Keffel angereist. Die übrigen Akteure plus Trainer- und Betreuer fuhren in Autos nach Hoffenheim.

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