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Der Bad Nauheimer Eishockey-Schiedsrichter Benjamin Hoppe zieht den Videobeweis bei seiner Tätigkeit regelmäßig zu Rate.

Videoschiedsrichter

Warum der Videoschiedsrichter im Eishockey funktioniert - und im Fußball nicht

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Die Diskussionen um den Videobeweis im Fußball reißen auch nach zwei fast vollständig gespielten Saisons nicht ab. Ganz anders im Eishockey, wo die Schiedsrichter das technische Hilfsmittel seit Jahren wie selbstverständlich nutzen. Warum ist das so? Ein Interview mit DEL-Schiedsrichter Benjamin Hoppe.

Benjamin Hoppe ist seit 2005 Eishockey-Schiedsrichter. Der 29-jährige Bad-Nauheimer, der im Hauptberuf als Sport- und Gesundheitstrainer in einer Rehaklinik arbeitet, pfeift regelmäßig Spiele der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und stand auch schon als Unparteiischer in den Eliteligen Schwedens, Finnlands, der Slowakei und der Schweiz sowie bei der U 18-WM in Russland auf dem Eis. Im Interview anlässlich der Weltmeisterschaft spricht er über seine Erfahrungen mit dem Videobeweis, der in der DEL schon seit dem Jahr 2000 genutzt wird und in der DEL 2 2016 eingeführt wurde.

Herr Hoppe, im Eishockey funktioniert der Videobeweis ziemlich reibungslos, obwohl er in der Regel von Ehrenamtlichen bedient wird und die Vereine die Technik selbst stellen müssen. Im Fußball gibt es immer wieder Diskussionen - trotz gut bezahlter Schiriedsrichter und hochmoderner Ausstattung. Warum?

In der DEL und der DEL 2 dürfen Schiedsrichter den Videobeweis nur zu Rate ziehen, um eine Torentscheidung zu überprüfen. Die Unparteiischen müssen aber vorher auf dem Eis eine Entscheidung anzeigen (Tor oder kein Tor), ehe sie auf dem Bildschirm nachschauen. Findet sich dort nichts, was die ursprüngliche Entscheidung eindeutig widerlegt, bleibt diese bestehen. Folgende Fragen dürfen mithilfe des Videobeweises überprüft werden: Hat der Puck die Torlinie komplett überschritten? Wurde das Tor verschoben, ehe der Puck ins Tor gelangte? War das Drittel schon beendet, als der Puck die Linie überquerte? Wurde der Puck absichtlich mit Hand, Bein oder per Kick-Bewegung (Schlittschuhtor) ins Tor gelenkt? Wurde der Puck von einem Schiedsrichter ins Tor abgelenkt? Berührte der Puck den hohen Stock eines angreifenden Spielers (höher als die Latte), bevor er ins Tor gelangte? Wurde der Torhüter im Torraum von einem angreifenden Spieler körperlich oder visuell behindert? In der DEL 2 stehen dem vierköpfigen Schiedsrichtergespann dafür zwei Übertorkameras und die Totale zur Verfügung, in der DEL gibt es zudem noch eine Hintertorperspektive. Während der DEL-Playoffs können sich die Unparteiischen zusätzlich per Headset mit dem anwesenden Schiedsrichterbeobachter beraten. Die endgültige Entscheidung liegt aber allein bei den Offiziellen auf dem Eis.

Benjamin Hoppe:Das ist eine gute Frage. Eigentlich würde man denken, dass der Fußball dem Eishockey weit voraus sein müsste, allein finanziell. Vielleicht gibt es dort noch einen gewissen Respekt vor der Technik.

Können Sie sich erklären, dass es im Fußball trotz Videobeweis immer wieder Fehlentscheidungen gibt?

Hoppe:Schwierig. Wenn man die Abläufe im berühmten "Kölner Keller" sieht - die technischen Möglichkeiten haben wir im Eishockey nicht. Wir würden uns wünschen, wir hätten all diese verschiedenen Kameraperspektiven. Im Fußball wird mit der besten Technik gearbeitet, da werden Linien gezogen bei Abseits-Entscheidungen. Ich kann nicht verstehen, warum immer wieder Fehlentscheidungen getroffen werden.

Kann der Fußball vom Eishockey lernen?

Hoppe:Ich müsste lügen, wenn ich Nein sage. Im Eishockey schauen wir am Bildschirm nur Dinge an, die ganz klar definiert sind: War der Puck über der Linie oder nicht? Man würde zum Beispiel nie überprüfen, ob wir beim Strafmaß daneben gelegen haben. Dass beim Fußball in die Tatsachenentscheidungen eingegriffen wird, ist für mich der völlig falsche Weg. Wenn ein Schiedsrichter im Keller in Köln überstimmt wird, stellt man seine Kompetenz infrage. So macht man den Sport kaputt.

Im Fußball ist der Videobeweis relativ verhasst, im Eishockey hingegen ziemlich akzeptiert. Wieso?

Hoppe:Wir greifen seit Jahren darauf zu und sind damit sehr erfolgreich. Die Akzeptanz ist bei uns viel höher als im Fußball. Auch das liegt daran, dass wir nur ganz einfache Dinge überprüfen. Die Videobilder werden mir nichts anderes zeigen als den Puck, der die Torlinie überquert. Da kann ich mir nichts aus der Nase ziehen.

Sind Sie froh, dass es den Videobeweis gibt?

Hoppe:Definitiv. Eishockey ist die schnellste Mannschaftssportart der Welt. Es kann so viel passieren: Ein Spieler steht im Torraum, hoher Stock, der Puck wurde mit der Hand ins Tor befördert. Das passiert in Sekundenbruchteilen. Mit dem Videobeweis können wir einfach auf Nummer sicher gehen.

In der DEL 2 wurde der Videobeweis 2016 eingeführt. Akzeptieren Spieler und Trainer seitdem Ihre Entscheidungen eher?

Hoppe:Am Anfang waren sie schon skeptisch: Da hieß es: Es hat doch all die Jahre auch ohne Video funktioniert. Aber das hat sich sehr positiv entwickelt. Wir können uns in Deutschland glücklich schätzen, den Videobeweis auch in der zweiten Liga zu haben.

Kann der Videobeweis die Autorität der Schiedsrichter stärken?

Hoppe:Absolut. Im Eishockey holen wir uns dadurch Bestätigung: Ist die Entscheidung, die wir auf dem Eis getroffen haben, richtig?!

Gab es 2016 bei der Einführung in der DEL 2 anfängliche Probleme?

Hoppe:Das nicht. Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Bei manchen Schiedsrichtern war das nicht gleich in den Köpfen drin und sie haben die Möglichkeiten nicht immer genutzt, die ihnen zur Verfügung standen. Aber Probleme mit der Technik gab es nicht.

Und mit den Ehrenamtlichen?

Hoppe:Da gibt es selbst in der ersten Liga manchmal Schwierigkeiten. Das Gerät funktioniert natürlich nur so gut, wie der Mensch, der es bedient. Aber im Großen und Ganzen muss man sagen, dass sie uns Schiedsrichtern sehr gut zuarbeiten.

Gab es mal eine Situation, in der Sie dachten: Gott sei Dank habe ich den Videobeweis?

Hoppe:Oh ja, sehr oft sogar! Wenn zum Beispiel in einem hitzigen Playoff-Spiel der entscheidende Treffer in der Overtime fällt, dann bin ich echt froh, wenn ich das in aller Ruhe durch den Videobeweis prüfen kann.

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