Kai Gerhardt
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Kai Gerhardt

Ein eindeutiges Votum

  • Ralf Waldschmidt
    vonRalf Waldschmidt
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(ra). Den ursprünglich für den 12./13. September vorgesehenen Saisonstart wird es auch im Handball-Bezirk Gießen nicht geben. 41 der 47 anwesenden Klubverantwortlichen votierten bei der turnusgemäßen Vereinsvertretersitzung am Samstag für den vom Hessischen Handball-Verband (HHV) unter der Woche beschlossenen Startschuss am 17./18. Oktober, dem letzten Herbstferien-Wochenende. Die vom HHV offen gelassene Möglichkeit, zuvor bereits vereinzelt Pflichtspiele zu bestreiten, wurde als in der Praxis wenig sinnvoll erachtet.

Eine von Spielwart Stefan Albus gestartete Online-Umfrage unter den Bezirksvereinen hatte bereits bis Samstagmittag ein entgegen der Verbandsvermutung genau gegenteiliges Ergebnis geliefert. So hatte HHV-Geschäftsführer Günter Dörr Mitte der Woche gegenüber dieser Zeitung noch betont, man gehe von einem hohen Prozentteil an Mannschaften aus, die schon vorher spielen wollen. In der Praxis aber positionierten sich 24 Stunden vor Ende der Bezirksumfrage bereits 24 Klubs klar gegen eine Austragung von Punktspielen vor dem 17. Oktober - sowohl für die Jugend als auch für die Aktiven.

Spielwart Stefan Albus bekräftigte, dass ein terminlich dermaßen gestreuter Spielbetrieb verwaltungstechnisch gar nicht zu bewältigen wäre. Rechtswart Berndt Dugall wies darauf hin, dass Vereine mit höherklassigen Teams, die erst später in die Saison starten, vorher in den unteren Mannschaften ihre stärkeren Spieler zum Einsatz bringen könnten.

Die Bezirksentscheidung basierte somit seriös auf der Rückmeldung von der Basis, nicht auf einer lediglich angestellten Vermutung. Im Grunde stimmte der Bezirk Gießen - im Gegensatz zum HHV-Präsidium - basisdemokratisch mit der Kompetenz des HHV-Arbeitskreises Spieltechnik überein. Ohnehin wurden vereinzelt kritische Stimmen gegenüber dem Verband laut, von dem man sich in den letzten Monaten "im Stich gelassen" fühle, wie etwa Heike Wehrum von der HSG Fernwald ausführte.

Corona beherrscht

"Ich denke, sie werden mehr Fragen haben, als wir Antworten liefern können", wies Bezirkswart Kai Gerhardt, der wegen seiner HHV-Tätigkeit im kommenden Jahr beim Bezirkstag in Butzbach nicht mehr zur Wiederwahl steht, bereits in seinen Eröffnungsworten auf die aktuellen Unwägbarkeiten durch die Corona-Krise hin. Gastgeberin Astrid Horn von Geburtstagskind SV Annerod (75 Jahre) fand handballspezifisch den passenden Vergleich, unter welchen Umständen versucht werde, 2020/21 einen Spielbetrieb auf die Beine zu stellen: "Handball in diesen Tagen zu organisieren und betreiben, ist so schwer wie ein Kempa-Trick."

Die gut zweistündige Sitzung in der Fernwaldhalle in Steinbach wurde erwartungsgemäß von der Corona-Problematik dominiert. Meisterehrungen gab es keine, die Jahresberichte spielten eine untergeordnete Rolle, Haushaltsthemen ebenso. Bezirkswart Gerhardt versicherte, erstens die Meldegelder nicht zu erhöhen und zweitens diese wegen der Unsicherheiten gestaffelt und nicht sofort komplett von den Vereinen einzufordern.

Dass die Corona-Krise nach harten und klaren Entscheidungen verlangt, hatten die Vereine bereits beim Saisonabbruch 2019/20 am 12. März erfahren müssen. Für die neue Spielzeit wird es einen vermehrten Abstieg geben, um in den Ligen wieder auf die Regelstärke zu kommen. Die Qualifikationsrunden der Jugend mussten ganz gestrichen werden, die Ligeneinteilung erfolgte im Rankingverfahren. Von Bezirksseite wird es keinen offiziellen Minispielbetrieb geben.

"Es wird keine normale Saison", erinnerte Kai Gerhardt an die Vielzahl der zu bewältigenden aktuellen und künftigen Aufgaben. Die Grundlage aller Entscheidungen sei nun einmal der Blick auf die Gesundheit, die über allem stehe. Das Kernelement für einen einigermaßen geregelten Spielbetrieb bilden die Hygiene- und Gesundheitskonzepte - sowohl für den Trainings- als auch den Spielbetrieb - jedes einzelnen Vereines, jeder einzelnen Kommune in Abstimmung mit den örtlichen Behörden. Denn: Kann ein gastgebender Verein wegen eines fehlenden Hygienekonzeptes die angesetzte Partie nicht durchführen, wird diese als verloren gewertet!

"Im Nachwuchsbereich ist es wichtig, die Jungen und Mädchen am Ball zu halten, ihnen endlich wieder Wettbewerb zu ermöglichen, damit wir sie nicht verlieren", sagte Gerhardt. Spielwart Stefan Albus stellte klar, dass es notwendig sei, 50 Prozent der Runde zu absolvieren, damit sie überhaupt gewertet werden könne, wobei mindestens jeder Verein einmal gegeneinander gespielt haben muss. Kommt es zum Abbruch der Saison und die 50-Prozent-Marke ist erreicht, greift die Quotientenregelung. Die offene Debatte über Corona-Regeln und -Maßnahmen führte zu der Übereinkunft, die jeweiligen Hygienekonzepte der Vereine und Kommunen sowohl an die Gastvereine zu versenden als auch auf einer Plattform der Online-Seite des Bezirks hochzuladen. Denn: Jede Halle, jedes Konzept, jede Vorgabe ist anders.

Fragen über Fragen

Die Aufgaben, die sich für die tägliche Vereinsarbeit ergeben, scheinen auf den ersten Blick endlos. Bei einem nicht ungewöhnlichen Spielbetrieb von vormittags bis abends in einer Halle werden z. B. Dutzende Helfer benötigt. Nach jedem Spiel muss die Halle 20 Minuten durchgelüftet werden. Können die Umkleiden und Duschen benutzt werden? Ist die Schiedsrichterkabine offen? Dürfen Eltern, die ihre Kinder z. B. von Stadtallendorf nach Florstadt fahren, überhaupt in die Halle? Welche Zuschauerzahl ist wo erlaubt? Ein Großteil der Schiedsrichter im Bezirk zählt zur Risikogruppe. Was ist in den Wintermonaten, wenn nicht geduscht werden kann und nach dem Spiel größere Strecken für die Heimfahrt anstehen?

Fragen über Fragen, die nur individuell beantwortet werden können. Gut, dass der Start nach hinten verschoben wurde, sodass für die Beantwortung dieser noch etwas mehr Zeit bleibt. Dann soll auch die vom HHV angekündigte Checkliste vorliegen.

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