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»Ein Traum hat sich erfüllt«

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Andreas Binder orderte erstmal eine Runde Bier. Zur Beruhigung, wie der Mannschaftsführer sagte. Sieben Stunden lang hatten sich der TV Alzey und der TC Bad Vilbel duelliert; sportlich und dramaturgisch anspruchsvoll den Sieg in der Regionalliga Südwest und die Qualifikation zur Endrunde um die Deutsche Meisterschaft ausgespielt.

Im mutmaßlich entscheidenden Doppel nutzte schließlich Bernd Karbacher an der Seite von Younes El Aynaoui im sogenannten Champions-Tiebreak beim Stande von 9:8 den ersten Matchball für die Brunnenstädter und beendete die Zitterpartie. »Ein Traum hat sich erfüllt. Wir sind unheimlich happy«, sagt Dirk Hinkel, der TC-Vorsitzende. Der amtierende Herren 40-Mannschaftsmeister aus der Wetterau ist nach einem 5:4-Erfolg beim rheinland-pfälzischen Herausforderer am 8./9. September zugleich nämlich Gastgeber der Endrunde um den Titel. Neben dem TC Bad Vilbel haben sich Rot-Weiß Remscheid (mit Karsten Braasch) und der Club an der Alster (mit Udo Riglewski) ebenfalls schon qualifiziert. Im Süd-Osten ermitteln der TC Augsburg und der TSV Feldkirchen den vierten Teilnehmer.

»Ein bisschen Glück gehört dazu. Und das hatten wir heute auf unserer Seite«, sagt Younes El Aynaoui nachdem Bad Vilbel zwei von drei Champions-Tiebreaks gewonnen hatte.

El Aynaoui, gebürtiger Marokkaner und im Jahr 2003 die Nummer 14 der Weltrangliste, war eigens für das prognostizierte Finale um den Gruppen-Titel von den Brunnenstädtern engagiert worden - als Reaktion auf die Verpflichtung von Fabrice Santoro seitens des TV Alzey. Am Vorabend erst war El Aynaoui aus Erfurt kommend zur Mannschaft gestoßen, bereits am Sonntagmorgen zog’s es den 41-Jährigen weiter nach Mannheim, wo die Bundesliga-Herren des sächsischen ETC Rot-Weiß ihr nächstes Spiel unter Coach El Aynaoui zu bestreiten hatten. »Von mir wurden Siege erwartet. Das war ein bisschen ungewohnt, weil ich nur noch selten unter Wettkampfbedinungen spiele. Aber mir hat’s sehr viel Spaß gemacht, und ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr wiederkommen darf«, sagt El Aynaoui, der in der Endrunde nicht zur Verfügung steht, da er nicht die erforderliche Mindestzahl von zwei Einsätzen vorweisen kann. »Das war aber vorher so abgesprochen«, sagt Binder. Die Süd-West-Gruppe mit Bad Vilbel und Alzey gilt als die stärkste der vier Staffeln, und die ein Blick in die Statistik vom Samstag dokumentiert die Ausgeglichenheit der beiden Top-Mannschaften.

In puncto Satzverhältnis (11:10) und Spielverhältnis (96:89) lag jeweils Alzey vorne.

Im Mittelpunkt stand der prestigeträchigen Partie zunächst das Duell zwischen dem Niederländer Paul Haarhuis (Bad Vilbel) und dem Russen Andrej Cherkasov. Haarhuis, dessen Aufschlag auf Grund einer Schulterverletzung mehr einem Einwurf glich, überzeugte zunächst mit Präzision und Länge von der Grundlinie, gab nach einer 3:1-Führung aber vier Spiele in Folge ab und verlor mit 4:6. Im zweiten Durchgang kämpfte sich die ehemalige Nummer eins der Doppel-Weltrangliste nach einem 1:4-Rückstand auf 5:5 heran, verlor dann aber im Tiebreak mit 6:7.

Auf den Nachbarplatz hatte an Position vier Dirk Dier gegen Thassilo Haun überraschend leichtes Spiel (6:3, 6:2), während an Nummer sechs Carlos Tarantino in einem engen Match mit 7:6, 6:4 das bessere Ende für sich hatte und den TC Bad Vilbel nach der ersten Einzelrunde mit 2:1 in Führung bringen konnte.

In Einzelrunde zwei fokussierte sich das Interesse der 500 Zuschauer auf der Anlage am Wartberg - darunter auch rund 120 Fans aus Bad Vilbel - auf das Match El Aynaoui gegen Santoro; besser gesagt das Duell: Wucht und Power gegen Spielwitz und Intelligenz. Bis zum 4:4 brachten beide Spieler ihren Aufschlag durch, schließlich reichte El Aynaoui ein Break zum Satzgewinn. Einem solchen Aufschlagverlust lief der Bad Vilbeler im zweiten Satz hinterher, verlor mit 4:6 gegen den Franzosen, der wie Haarhuis aus Wimbledon (Senioren-Turnier) eingeflogen worden war. Im Champions-Tiebreak konnte El Aynaoui einen Matchball abwehren und nutzte schließlich seine zweite Chance zum 12:10. Oliver Kesper hatte zu diesem Zeitpunkt gegen Marcus Hilpert verloren (im Champions-Tiebreak), so dass dem Spiel von Michael Geserer an Position fünf gegen Robert Eisele wegweisende Bedeutung zukam. Mit 6:4, 6:4 gewann der Bad Vilbeler und brachte sein Team mit 4:2 in Führung - nur ein Sieg trennte den Deutschen Meister von der Endrunde.

Zum Doppel rückte Bernd Karbacher für Tarantino in das Team. Der TCBV setzte hier auf sportliche Ausgewogenheit, hoffte auf den entscheidenden Zähler von Haarhuis/Geserer. Diese gaben den ersten Durchgang allerdings ab (6:7), und da sich zeitgleich eine Niederlage von Kesper/Dier (3:6, 0:6) bereits abzeichnen sollte, kam dem Duell El Aynaoui/Karbacher gegen Santoro/Hass plötzlich besondere Bedeutung bei. Die Brunnenstädter gewannen Durchgang eins mit 7:6, verloren den zweiten Satz aber deutlich mit 1:6. Dem TC Bad Vilbel drohte der Gesamterfolg ganz plötzlich aus den Händen zu gleiten, die Anspannung stieg. Im Champions-Tiebreak lag das Wetterau-Duo mit bereits 3:6 zurück, führte dann mit 8:6, kassierte aber den Ausgleich, ehe der Matchball zum 10:8 die Entscheidung brachte.

Michael Nickolaus

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