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Ein Bild, das bereits in der kommenden Saison der Vergangenheit angehören könnte: Die hessischen Amateurfußballer wollen auf einen digitalen Spielerpass umstellen. Angesichts des Lockdowns hatte die Passstelle des Hessischen Fußballverbandes in der gerade abgelaufenen Wechselperiode II aber zuletzt weniger als sonst zu tun. SYMBOLFOTO: IMAGO

»Ein deutlicher Rückgang«

  • vonFrank Schneider
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Die Coronavirus-Pandemie hat den Amateurfußball weiter im Griff, an einen geregelten Spielbetrieb ist angesichts des weiter andauernden Lockdowns derzeit nicht zu denken. Dennoch gibt es in der gerade abgelaufenen Wechselperiode II einige Vereinswechsel - wenn auch weniger als sonst.

In den hessischen Fußball-Ligen rollt wegen Corona seit Wochen kein Ball. Still ruht der See heißt es in vielen Vereinen. Trifft dies auch auf die Arbeit in der Passstelle des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) zu? Stefan Heck liefert im Gespräch die Antworten. Der 42-jährige Dreieicher leitet die Passstelle der HFV-Geschäftsstelle in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise seit Sommer 2014. Die Belange der im Verband organisierten Vereine sind für Heck mehr als nur bürokratische Vorgänge, denn er ist dem Fußball seit Jahren verbunden. Aktiv spielte Stefan Heck für die SKG Sprendlingen und die Spvgg. Neu-Isenburg. Zudem war er Schiedsrichter, Jugendleiter und Mitarbeiter der Geschäftsstelle bei der SKG Sprendlingen. Den Trainerschein hat der A-Lizenzinhaber bereits seit 25 Jahren. Trainerstationen Hecks waren neben der SKG Sprendlingen auch die SG Rosenhöhe Offenbach, die SG Nieder-Roden und ein DFB-Stützpunkt.

Herr Heck, im Hessischen Fußball-Verband ist die Wechselperiode II vor einigen Tagen zu Ende gegangen. Wie deutlich war der Rückgang bei den Vereinswechseln? Oder haben sich trotz Spielpause viele Fußballer andere Vereine gesucht?

Es ist ein deutlicher Rückgang von Vereinswechseln zu verzeichnen. Die Ungewissheit, wann wieder gespielt werden kann, schlägt sich natürlich auch in den Zahlen der Wechselperiode II nieder. Zudem hatten die Vereine im vergangenen Jahr erheblich weniger Einnahmen gehabt und frei verhandelbare Entschädigungen sind für die Vereine daher nur schwer beziehungsweise erst gar nicht leistbar. Das kann man auch im eigenen Verein beobachten, ob es hinsichtlich der Kader viel Bewegung gab und dies mit den Vorjahren vergleichen.

Von August bis Oktober wurde im Bereich des HFV fleißig gespielt. Davor war ein mehrmonatiger Lockdown, auch aktuell lassen die politischen Verordnungen keinen Fußball zu. Was ist eigentlich mit den Spielern, die zwischen August und Oktober aus unterschiedlichsten Gründen keinen Fußball gespielt haben. Können die jetzt ablösefrei wechseln?

Das trifft nur teilweise zu. Einen Wechsel ohne Wartefrist aufgrund der Sechs-Monats-Regel können nur die Spieler vollziehen, die im Jahr 2020 in keinem Pflichtspiel auf dem Platz gestanden haben. Hintergrund ist eine im April erfolgte notwendige Anpassung des Paragraph 121 durch den Vorstand des HFV. Demnach sind Zeiträume, in denen aufgrund der Coronavirus-Pandemie kein Spielbetrieb im Zuständigkeitsbereich des HFV durchgeführt worden ist beziehungsweise wird, bei der Berechnung des Sechs-Monats-Zeitraums nicht zu berücksichtigen. Hierdurch wurden sowohl für die Wechselperiode I im Sommer 2020, als auch für die nun beendete Winterwechselperiode ablösefreie Wechsel von aktiven Spielern auf Basis der Sechs-Monats-Regel verhindert.

Könnten Sie dies an einem Beispiel erklären?

Ein Spieler, der zuletzt am 8. März 2020 und somit kurz vor der ersten Unterbrechung des Spielbetriebs noch in einem Pflichtspiel eingesetzt wurde, war bislang während des laufenden Spielbetriebs gut drei Monate inaktiv im Sinne der Sechs-Monats-Regel. Ausgesetzt hat er wenige Tage im März und dann die Monate August, September und fast den kompletten Oktober. Somit muss der Spieler noch weitere drei Monate bei durchgängigem Spielbetrieb aussetzen, um die nötigen sechs Monate vollumfänglich zu erfüllen.

Ab wann beginnt die Sechs-Monats-Regel wieder zu laufen?

Die Sechs-Monats-Regel tritt wieder in Kraft, sobald die politischen Entscheidungsträger durch behördliche Verfügungen den Mannschaftssport wieder ermöglichen und der HFV - in diesem Fall der Verbandsvorstand - die Wiederaufnahme des Spielbetriebs beschließt. So wurde es auch bereits im vergangenen Sommer gehandhabt.

Gibt es bei den coronabedingten Anpassungen Unterschiede zwischen Amateur- und Vertragsspielern?

Nein, für die Vertragsspieler, die zukünftig als Amateur spielen wollen, gelten dieselben Regeln hinsichtlich der Berechnung der sechs Monate. Grundsätzlich war bei den Vertragsspielern hinsichtlich der Sechs-Monats-Regel schon immer der Tag des Vertragsendes als Fristbeginn zu sehen.

Themawechsel: Die Digitalisierung schreitet voran, auch der digitale Spielerpass setzt sich immer mehr durch. Ist es schon absehbar, ob es irgendwann gar keine traditionellen Spielerpässe in gedruckter Form geben wird?

Vor nunmehr zweieinhalb Jahren haben wir das Projekt »Digitaler Spielerpass« gestartet. Nachdem in der Saison 2019/20 bereits eine Vielzahl der Kreise am Pilotprojekt teilgenommen haben, war ursprünglich geplant, zur aktuellen Spielzeit 2020/21 die Spielerpässe in Papierform abzuschaffen. Hierfür ist allerdings eine Entscheidung des Verbandstags nötig, der im Jahr 2020 coronabedingt nicht stattfinden konnte und nur in außerordentlicher und digitaler Form mit dem einzigen Thema »Umgang mit der Saison 2019/20« durchgeführt wurde. Somit ist es nun das Ziel, zum Spieljahr 2021/22 vollständig auf den digitalen Spielerpass umzustellen. Hoffentlich kann der Verbandstag hierfür rechtzeitig stattfinden. Die überwiegend positiven Erfahrungen aus den vergangenen Jahren zeigen, dass die Vereine diese Umstellung wünschen und wir möchten diesem Wunsch gerne gerecht werden. Die neue Form bietet eine Vielzahl von Vorteilen und vor allem Erleichterungen für die Vereins- und Verbandsvertreter. Wir von der Passstelle werden diese Umstellung weiterhin mit Schulungen und Informationsmaterialien begleiten. FOTO: PV

Stefan Heck Leiter HFV-Passstelle

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