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Lamont Jones hofft, die Saison mit den Skyliners beenden zu können. FOTO: IMAGO

Dem eigenen Rebound hinterher

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Fast jeden Tag steht Lamont Jones ganz alleine in der Trainingshalle der Frankfurt Skyliners und wirft vor sich hin. 300 bis 400 Würfe nimmt der Topscorer (17,4 Punkte) des hessischen Basketball-Bundesligisten in jeder Einheit. "Ich würde mehr nehmen, aber es ist ziemlich ermüdend seinem eigenen Rebound hinterherzujagen", sagt der US-Amerikaner. Im Zuge der schrittweisen Öffnung in Zeiten der Corona-Pandemie darf der 29-Jährige seit etwas mehr als zwei Wochen wieder mit dem Ball trainieren, aber niemand darf ihm den Ball zupassen, um jegliche Ansteckungsgefahr zu bannen. "Ich genieße es trotzdem. Ich nehme mir einen Stuhl und tue so, als würde ich um Blöcke laufen", sagt Jones.

Der 1,83 Meter große Shooting Guard ist der einzige der sechs US-Amerikaner der Skyliners, der in Frankfurt geblieben ist. "Ich hatte bislang ein gutes Jahr. Wenn ich nach Hause gegangen wäre, hätte ich den Fokus verloren", glaubt er: "Und ich habe mir gesagt: Wenn sie irgendwo anfangen, dann in Deutschland." In der Tat steht keine einzige Basketballliga auf der Welt so nahe vor einer Rückkehr in den Spielbetrieb wie die BBL. In einem Turnierformat mit zehn Klubs soll die laufende Saison zu Ende gespielt werden. "Für mich ist es aufregend, ich will wieder spielen", sagt Jones.

Mitspieler Akeem Vargas war etwas überrascht, als er von den Plänen der BBL gehört hat. "Ich bin sehr gespannt auf das Gesundheitskonzept und ob das so umzusetzen sein wird. Da steht eine ziemliche Mammutleistung bevor. Ich möchte keiner der Köpfe sein, die sich darüber Gedanken machen", sagt der 30-Jährige. Es steht natürlich außer Frage, dass er wieder Lust auf Basketball hätte, aber seine oberste Priorität ist: "Ich will unbedingt gesund bleiben und die Menschen in meinem Umfeld nicht anstecken." Der 1,90 Meter große Guard ist derzeit in Heidelberg bei seiner Familie. Seine Mutter hat eine Lungenkrankheit und ist Hochrisikopatientin, sein Großonkel, der 81 ist, ebenfalls. Es sei viel verlangt von den Leuten ihr Umfeld fünf bis sechs Wochen komplett in Quarantäne zu leben. Auch die Basketballbelastung sei eine völlig andere, als im Wald zu joggen, was er derzeit macht. "Es gibt viele Fragezeichen für mich, wie das alles laufen soll."

In Hotel-Quarantäne

Gunnar Wöbke ist bei den Skyliners derjenige, der sich mit all diesen Fragen beschäftigt und von Anfang an für die Fortsetzung der Saison war. Der geschäftsführende Gesellschafter der Skyliners hat am Montagnachmittag mit den neun anderen Geschäftsführern der Klubs sowie der Ligaspitze München als Austragungsort festgelegt.

Am Mittwoch wollen die Ministerpräsidenten der Länder sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) darüber entscheiden, ob der Spielbetrieb fortgesetzt werden kann. "Ich habe lange mit Sportminister Peter Beuth gesprochen und er hat bei den Treffen der Minister dafür gevotet. Ich weiß auch, dass Ministerpräsident Volker Bouffier es unterstützt", berichtet Wöbke. Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt in Bezug auf die Austragung des Turniers habe sehr gut funktioniert.

Erst nach dem Okay der Politik würden die Klubs ihre Spieler aus den USA wieder einfliegen lassen, die dann 14 Tage in Quarantäne müssten. Zudem haben sich die Klubs darauf geeinigt, dass jedes Team noch einen Spieler verpflichten kann. Wer noch eine freie Lizenz im März übrig hatte, sogar noch einen weiteren. Die Saison soll bis 30. Juni ihr Ende finden. Hintergrund: Die Euroleague plant die Aufnahme ihres Wettbewerbs im Juli, um die restlichen sieben Spieltage zu Ende zu bringen.

Für Skyliners-Cheftrainer Sebastian Gleim klingt die Lösung plausibel. Ein Standort, alle in Quarantäne. "Das ist umsetzbarer als Fußballspiele in allen Stadien Deutschlands", findet der 35-Jährige, der bald die Geburt seiner Tochter erwartet. Der Plan ähnele einer Europameisterschaft, die er sieben Mal als Jugendnationaltrainer miterleben durfte. "Das ist ein ähnliches Gefühl", glaubt Gleim.

Die einzigen Spieler, die im Moment in der Halle trainieren sind die Nachwuchsspieler Len Schoormann, Bruno Vrcic und Maximilian Begue. Sie sind nicht in Kurzarbeit und üben mit einem Trainer - auf Abstand und ohne den Ball zuzupassen. TIMUR TINÇ

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