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Bei der TG Friedberg sind alle Altersklassen besetzt.

Basketball

Ehrliche Arbeit an der Basis – Vereinsarbeit in der Wetterau

  • Christoph Sommerfeld
    VonChristoph Sommerfeld
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Von wegen Basketball-Wüste Wetterau. Zwischen Rockenberg und Bad Vilbel wird zwar keine Bundesliga gespielt, aber einige Vereine leisten tolle Arbeit und brennen für ihr Hobby.

Keine Frage: Die großen Bühnen befinden sich jenseits der Kreisgrenzen. Nördlich von Rockenberg und südlich von Bad Vilbel leistet man sich auch zu Corona-Zeiten den Bundesliga-Spielbetrieb in Gießen und Frankfurt. Doch das Basketball-Herz der Wetterau schlägt dazwischen. In Friedberg, Mörlen und Butzbach, um drei von einigen wenigen heimischen Standorten zu nennen. Fernab der leistungssportlichen Orientierung werkeln hier jede Woche viele heimliche Helden, um Kindern und Erwachsenen ihr Hobby zu ermöglichen.

Basketball in der Wetterau: TSV Butzbach ist einer der größten Klubs

Ein Gesicht des Wetterauer Basketballs ist Michael Rüspeler. Der Butzbacher war 1974 Mitbegründer der Abteilung in seinem TSV und leitete diese wenig später über drei Jahrzehnte. »Als wir angefangen haben, gab’s außer uns noch den TV Okarben, sonst nichts«, erinnert sich Rüspeler, der 2004 zum Präsident des Hessischen Basketball-Verbands gewählt wurde und seit 2017 noch dazu dem TSV-Gesamtverein vorsteht. Mit 2100 Mitgliedern gehören die Butzbacher zu den größten Klubs der Wetterau, können 140 aktive Basketballer vorweisen. »Davon sind über die Hälfte Jugendliche«, erklärt Rüspeler. Acht bis zehn Coaches kümmern sich um die Sportler. Auch wenn die Butzbacher mit dem Männer- und Frauen-Team in der Landesliga spielen und der TSV quasi als Wetterauer Flaggschiff bezeichnet werden kann, ist man eher breitensportlich orientiert. Mit sieben Nachwuchsteams sind alle Altersklassen besetzt.

Um die Jahrtausendwende herum hatte es sogar mal für die Oberliga gereicht. Mit dem einen oder anderen ehemaligen Bundesliga-Akteur, den Rüspeler aufgrund seiner Gießener Vergangenheit in den Wetterauer Norden lotsen konnte. Auch die beiden US-Kasernen waren zu dieser Zeit nicht hinderlich für den sportlichen Erfolg. Mit dem ehemaligen Schlosskasernengelände fanden die TSV-Basketballer außerdem vor fast 20 Jahren eine neue Heimat in der Stadt.

Wenn es die Pandemie-Lage zulässt und später im Jahr Zuschauer beim Sport erwartet werden können, will Rüspeler für ein Highlight im Jubiläumsjahr sorgen. Anlässlich des 175-jährigen Bestehens des Gesamtvereins könnten sich dann die Rollstuhlbasketballer aus Frankfurt und Wetzlar ein Stelldichein geben.

Basketball in der Wetterau: Pioniergeist beim TV Ober-Mörlen

Mit ebenso viel Herzblut ist Inga Heinemann ein paar Kilometer weiter südlich bei der Sache. Sie bewies vor vier Jahren gleichfalls Pioniergeist und baute die Basketball-Abteilung beim TV Ober-Mörlen auf, in der sie als Haupttrainerin agiert. »Wir haben damals Training für Sechs- bis Zwölfjährige angeboten und hatten etwa 30 Kinder in der Halle. Daraus haben sich in der Folge mehrere Übungsgruppen entwickelt«, lässt Heinemann durchblicken. Dazu gehört auch die Mixed-Mannschaft der Erwachsenen. »Im Fußball sagt man ›Alte Herren‹ dazu«, schiebt Heinemann schmunzelnd nach.

Um auf sich aufmerksam zu machen, arbeitete der TVOM mit der Wintersteinschule zusammen und rief AG-Angebote für Erst- und Zweitklässler sowie für Schüler der dritten und vierten Klassen ins Leben. In der Saison 2019/20 hatte man erstmals eine U10 und eine U12 im Spielbetrieb des Bezirks am Start. Auch in der Runde 2020/21 konnten diese beiden Altersklassen gemeldet werden, wurden wegen anhaltender Pandemie aber wieder zurückgezogen.

»Wir sind klein, aber bei uns sind einige Leute sehr engagiert bei der Sache«, sagt Heinemann und berichtet über hilfsbereite Sponsoren und Eltern, die sich liebevoll um die Ausstattung der Kinder kümmern. Dennoch gibt es Unwägbarkeiten: »Wenn irgendwann wieder ein normaler Trainingsbetrieb möglich ist, müssen wir erstmal sehen, wer wieder kommt.«

Basketball-Vereine in der Wetterau: Keine Konkurrenzsituation

Eine Renaissance erfahren hat der Basketball wiederum ein paar Kilometer weiter in Friedberg. In der aktuellen Saison war nach ein paar Jahren Pause erstmals wieder ein Herren-Team am Start. Im Nachwuchsbereich sind alle Klassen besetzt. Dabei nimmt die TG Friedberg auch Spieler anderer Vereine auf (u.a. TV Ober-Mörlen), die dann mit einer Doppellizenz in der Kreisstadt spielen. Ralf Wahl ist U16-Trainer bei der TG und hält mit seiner Frau Lydia (Abteilungsleiterin) die Fäden in der Hand. »In der Wetterau verstehen die Vereine den Basketball nicht als Konkurrenzsituation, sondern eher als Miteinander«, erklärt er. 2009 hat man im Kinder- und Jugendbereich angefangen, etwas Neues aufzubauen. Mit Benjamin Reinold (ehemals Völker), der Spielertrainer bei den Männern ist und zudem die Minis coacht, holten sich die Friedberger einen ehemaligen Zweitliga-Akteur in die Abteilung.

Im Bereich der unteren Altersklassen, für die keine Meisterschaftsrunden angeboten werden, organisieren Vereine wie Ober-Mörlen und Friedberg eigenverantwortlich Turniere. In Corona-Zeiten, wo eine flexible Spielbetriebsplanung immer mehr in den Fokus rückt, möglicherweise ein Modell mit Zukunft.

Dennoch warten alle Klubs zunächst sehnsüchtig auf eine Verbesserung der Corona-Lage, sodass ein geregelter Sportbetrieb in Hallen wieder vertretbar ist. (cso)

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