EC-Trainer Carnevale tritt auf die Euphoriebremse

(mw) 4:1 in Halle, 9:1 gegen Rostock: Bad Nauheims Trainer Frank Carnevale hatte nach einem von den Ergebnissen her perfektem Auftakt-Wochenende in der Endrunde der Eishockey-Oberliga allen Grund zur Zufriedenheit. Doch er tritt auf die Euphoriebremse.

In der Pressekonferenz nach dem Sonntagspiel im Colonel-Knight-Stadion nutzte Carnevale die Gelegenheit und wies darauf hin, dass mit den vergangenen beiden Partien die Saison erst richtig losgegangenen und man noch nicht in Bestform sei. "Seid geduldig mit uns, wir werden noch besser, wir haben noch eine Menge Arbeit", sagte der Italo-Kanadier mit ernster Miene.

Für Rostocks Trainer-Ikone Wolfgang Wünsche dürfte das wie eine Drohung geklungen haben, denn seine Mannschaft hatte am Sonntag im Kurpark nicht den Hauch einer Chance gehabt. "Ich wünsche mir in unserer Oberliga Nord mal so Mannschaften wie Bad Nauheim, damit die Spieler wissen, wie Eishockey funktioniert", sagte der 74-Jährige, der in seiner Karriere für die Rostocker Klubs Dynamo, Empor, VSG, Chemie und den EC wirkte und bei Letzterem bereits die erste Mannschaft, die Ib, die Junioren und die Jugend trainiert (hat).

Nicht nur die Partie in Bad Nauheim machte den Unterschied zwischen den Nord- und den West-Teams deutlich. 2:45 Tore stehen auf dem Konto von Rostock und Timmendorf. Hoffnung auf Spannung in den beiden Gruppen machen die Ost-Teams, Leipzigs Sieg gegen Duisburg kam dabei ebenso überraschend wie Halles Punktgewinn in Frankfurt. Dieser sorgte dafür, dass für den EC Bad Nauheim die optimale Ausgangsposition mit Platz eins und damit Heimrecht im Playoff-Viertelfinale mit zwei glatten Siegen am kommenden Wochenende in greifbare Nähe rückt.

Dass Frank Carnevale auf dem ersten Platz ins Ziel kommen möchte, steht außer Frage. Dafür hatte er in der vergangenen Woche den Fokus im Training auf die Defensivarbeit gelegt, hatten die Roten Teufel in der Endphase der Zwischenrunde doch ungewöhnlich viele Gegentore hinnehmen müssen. Dass die Fans seine Mannschaft zuletzt erstmals ausgebuht hatten, dafür zeigte Carnevale Verständnis. "Das ist okay. Wir haben tolle Fans. 100 Bad Nauheimer waren in Halle am Freitag, das hat uns enorm geholfen", sagt der Trainer, der immer wieder gebetsmühlenartig darauf hinweist, dass sich sein Team noch steigern werde.

"Wir haben immer noch Ausfälle, dazu hat Brad Miller mit einer Handverletzung gespielt. Wenn wir mal einen vollen Kader haben und alle fit sind, können wir richtig gefährlich sein." Am Sonntag hatte neben "Chicken-Man" Huhn, Rinke und Kujala (spielt am nächsten Wochenende wieder) auch Jannik Striepeke gefehlt, der seine Sperre absaß.

Carnevale appelliert weiter an die Teufel-Anhänger: "Feuert uns an. Vergesst die vergangenen sieben Wochen, jetzt wird es ernst." Das eigene souveräne Sechs-Punkte-Wochenende sowie die Situation in Frankfurt (Machtstreitereien, Trainerwechsel, Punktverlust) macht aus Bad Nauheimer Sicht wieder mehr Hoffnung, dass es für die Roten Teufel sehr weit in dieser Saison gehen könnte.

Personell überzeugten am Wochenende insbesondere die nimmermüden Lange und Strauch sowie Kapitän Chris Stanley, der seine Klasse zeigte und viele Glanzlichter setzte. Unterdessen wurde Thomas Ower zwischen den Pfosten kaum geprüft. Gegen Rostock verzeichnete die Statistik 73:14 Torschüsse für Bad Nauheim.

Unterdessen hat der Süden seine Hauptrunde abgeschlossen und startet am heutigen Dienstag in die Playoff-Qualifikation. Hier kommt es in der Best-of-seven-Serie bis spätestens 12. März zu folgenden vier Paarungen (in Klammern die Ergebnisse der Hauptrunde): EC Peiting – Blue Devils Weiden (6:1, 7:0, 3:1, 6:0), Tölzer Löwen – EHC Freiburg (1:4, 8:1, 2:0, 1:2), Selber Löwen – EV Füssen (6:2, 4:3, 2:6, 4:5), EV Regensburg – EHC Klostersee (3:1, 4:3, 4:6, 3:2). In der vergangenen Saison wurde Peiting ebenfalls Erster, scheiterte aber am Achten Regensburg. Ex-Teufel Kyle Piwowarczyk absolvierte für die Selber Wölfe alle 40 Partien und war viertbester Scorer der Liga (67 Punkte) – gleichauf mit Regensburgs Martin Piecha und hinter Michael Dorr (Klostersee/72) und Petr Fical (Regensburg/71).

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