EC-Kapitän Strauch: "Stimmung hätte kippen können"

Sechs Punkte gegen den Tabellenvorletzten und -letzten. Normal. Ein Pflichtprogramm. Oder doch nicht? In der Vorsaison hatte der EC Bad Nauheim mehr als einmal vergleichbare Möglichkeiten nicht genutzt – und am Ende die Pre-Playoffs verpasst.

Jetzt, zwölf Spieltage vor Abschluss der Meisterschaftsrunde, sind die Roten Teufel auf Tabellenrang fünf d i e positive Überraschung der Saison in der Deutschen Eishockey-Liga 2. Pre-Playoff-Heimrecht (aktuell 15 Punkte Vorsprung auf Platz neun) scheint sicher, die direkte Viertelfinal-Qualifikation (sechs Zähler Vorsprung auf Rang sieben) realistisch – und sogar Heimrecht (Punktgleichheit mit Platz vier) ist plötzlich drin. WZ-Redakteur Michael Nickolaus hat mit Kapitän Patrick Strauch über die Lage auf der Saisonzielgeraden und das Erfolgsrezept gesprochen.

Patrick Strauch, die Roten Teufel haben am Wochenende gegen Heilbronn und in Freiburg ihre Aufgaben doch sehr souverän erfüllt. Im Vorjahr entpuppten sich solche Partien oft als Stolperfallen.

Patrick Strauch: "Das zeigt den Charakter und die Moral der Mannschaft. Die Jungs haben einerseits das nötige Selbstvertrauen, wissen andererseits auch, dass solche Erfolge – auch gegen die vermeintlich leichten Gegner – nur über 100-prozentigen Willen und Einsatz zustande kommen. Wir können es uns nicht erlauben, irgendeine Mannschaft auf die leichte Schulter zu nehmen, und das tun wir auch nicht."

Die Mannschaft überzeugt in dieser Saison durch ihre Konstanz. 25 Punkte im zweiten Saisonviertel, nun 24 Zähler im dritten Abschnitt. Können Sie einen Ausgangspunkt, ein Schlüsselerlebnis definieren?

Strauch: "Ich persönlich messe dem 5:4-Erfolg Anfang Dezember in Heilbronn eine besondere Bedeutung bei. Wir waren schwach aus der Länderspielpause gekommen, hatten viermal verloren, mussten nach Heilbronn fahren und gegen Frankfurt antreten. Eine Niederlage – und die Stimmung im Umfeld hätte kippen können, dann wäre der Schuss vielleicht nach hinten losgegangen. Die Jungs haben sich aber zusammengerissen, und auch anschließend mit einer geschlossenen Teamleistung gegen Frankfurt gewonnen. Das war sehr wichtig und der Auftakt unserer Serie."

Im Sommer wurden zehn Neuzugänge präsentiert. Dazu kommen bis zu fünf Spieler aus Düsseldorf. Inwiefern hat sich das Klima innerhalb der Mannschaft gegenüber dem Vorjahr verändert?

Strauch: "Die Mischung macht’s; dazu kommt der tiefe Kader, der den Konkurrenzkampf belebt. Keiner kann sich seiner Position sicher sein. Zudem hat das Training eine ganz andere Qualität. Mit vier Reihen lässt es sich intensiver arbeiten."

Zwölf Spieltage vor Rundenabschluss sind die Roten Teufel nach Punkten mit dem Tabellenvierten gleichgezogen. Wohin wird denn kabinenintern geschaut?

Strauch: "Von Spiel zu Spiel. Ja, das ist die alte Floskel, aber damit sind wir doch bislang sehr gut gefahren. Warum sollen wir daran etwas ändern und uns ablenken lassen? Wenn wir unser Spiel einfach halten und in Sachen Einsatz und Kampf an unser Limit gehen, haben wir in jedem Spiel eine Chance. Was am Ende dabei herauskommt, wird man sehen."

Petri Kujala ist – gemessen an Profi-Jahren – ein noch junger Trainer. Bad Nauheim ist seine zweite Station, er ist im insgesamt vierten Jahr in der sportlichen Verantwortung. Wie hat er sich verändert?

Strauch: "Rückblickend hatte er es im Vorjahr sicher nicht leicht. Er ist aus Ravensburg gekommen, von einem ambitionierten Klub. Das hatte hier Erwartungen geweckt. Er hatte einen Kader, der in Teilen schon vor seiner Verpflichtung stand. Jetzt hat er die Möglichkeit, seine Ideen umzusetzen. Das ist sicherlich ein großes Plus. Die Mischung passt. Im Kader haben wir viele junge Spieler, die sich entwickeln und noch weiter nach oben kommen wollen."

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