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Nur ein »Dreier« bringt EC Bad Nauheim Ruhe

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(mn) Der Unmut wächst. Im Stadion. An den Stammtischen. In den Internetforen. Der EC Bad Nauheim befindet sich aktuell in der größten sportlichen Krise seit dem Wiederaufstieg im April 2013. Ein »Dreier« und insgesamt nur neun Zähler aus den letzten zwölf Spielen - das ist zu wenig.

In der Tabelle der Deutschen Eishockey-Liga 2 wandeln die Roten Teufel als Gerade-noch-so-Zehnter auf einem sehr schmalen Grat. Wie ist das Formtief zu erklären? Welchen Impuls kann Petri Kujala als Trainer der Mannschaft derzeit geben? Wie reagiert Geschäftsführer Andreas Ortwein auf den sportlichen und wirtschaftlichen Trend? Immer lauter werden diese Fragen gestellt, immer emotionaler wird diskutiert. Vor dem heutigen Spiel beim Tabellenschlusslicht Heilbronn (20 Uhr/dort wurde der bislang einzige Auswärts-»Dreier« der Saison gefeiert) steigt der Druck. Nur ein Sieg nach regulären 60 Minuten wird in der Wetterau die Nerven vor dem Heimspiel am Freitag gegen den ESV Kaufbeuren (etwas) beruhigen können.

Die Wochenendbilanz: Bad Nauheim unterliegt Garmisch und Freiburg jeweils nach Penaltyschießen. Rückblickend bleibt festzuhalten: Zwischen null und sechs Zählern lagen Nuancen. Wieder wurden die Spiele der Roten Teufel durch nur einen Treffer Differenz entschieden. Die letzten sechs (!) Niederlagen kassierten die Hessen mit dem knappstmöglichen Resultat. »Hätten wir das Penaltyschießen zweimal gewonnen und vier statt zwei Punkte geholt, würde dies zwar an den zuvor gezeigten Leistungen nichts ändern, aber an deren Einschätzung und Bewertung.

Das ist alles Kopfsache. Ein Sieg würde das Selbstvertrauen für die nächste Partie stärken, und aus der jetzigen Situation können wir uns nur über Punkte befreien«, sagt Kujala. Er ist längst mehr als Psychologe denn als Übungsleiter gefragt, da selbst vermeintliche Standardaufgaben, die Basics des Spiels, beispielsweise das Defensivverhalten beim Alleingang zum zweiten Gegentor in Freiburg, sich aktuell nicht mehr wie selbstverständlich lösen lassen.

Der Status quo: Andreas Ortwein, der Geschäftsführer, sieht sich in seiner Prognose bestätigt. Bad Nauheim kämpfe nun mal – Platz sechs im Vorjahr hin oder her –um Rang zehn und um den direkten Klassenerhalt. »Und genau das erleben wir gerade. Wir haben noch rund 20 Spiele – da ist noch vieles möglich. Klar ist auch: Vier der nächsten fünf Spiele gegen die direkte Konkurrenz haben Playoff-Charakter.« Defensiv habe man sich stabilisieren können, nach vorne werde aber zu viel Aufwand betrieben, um ein Tor zu erzielen. Interessant: Mit dem nahezu identischen Torverhältnis (90:94 im Vergleich zu 89:94) waren im gleichen Zeitraum des Vorjahres, nach 30 Spielen, 13 Punkte mehr gewonnen worden.

Die Rolle des Trainers: Petri Kujala bleibt seinem Naturell treu. »Ich habe 30 Leute um mich herum, die ich aufbauen muss. Da muss ich die Ruhe behalten.« Die zunehmende Kritik prallt an ihm ab. »In einer solchen Situation hat jeder eine andere Idee, wie es besser zu machen ist. Ich werde meiner Identität treu bleiben und mich nicht mit dem Wind drehen und gegen meine eigene Überzeugung handeln, um es anderen Leuten recht zu machen. Das bin nicht ich«, sagt der Finne, der die Rückendeckung des Geschäftsführers genießt. Wie lange noch? »Ich bin jetzt ebenso gefordert wie meine Leistungsträger. Rückendeckung hilft in diesem Geschäft nicht, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Profisport lebt von Erfolgen.«

Konsequenzen: Die Roten Teufel bleiben – parallel zu den sportlich unerfüllten Hoffnungen – in ihrer Zuschauerkalkulation hinter den Erwartungen. Konsequenzen sieht Ortwein eher langfristig: »Wenn Fans auf Entwicklungen so sensibel reagieren, müssen wir uns in der Planung für die kommende Saison natürlich überlegen, wie wir damit umgehen«, sagt der Nieder-Weiseler. Personelle Veränderungen zum Ende der Transferperiode wollte er nicht ausschließen.

Das heutige Spiel: Heilbronn. Das Schlusslicht. Zwölf Punkte trennen die Falken von Bad Nauheim auf Rang zehn. Für die Mannschaft um die Ex-Teufel Kevin Lavallee und Kyle Helms ist die heutige Partie ein Endspiel, wenn der Pre-Playoff-Strohhalm doch noch irgendwie zu greifen sein soll. Am Wochenende konnten die Falken zunächst die Lausitzer Füchse, dann die Dresdner Eislöwen in die Verlängerung zwingen und bestätigten damit den Aufwärtstrend der letzten Wochen. Eine Schlüsselrolle spielt Jonathan Harty. Mit der Verpflichtung des kanadischen Verteidigers ist ein Ruck durch die Defensive gegangen. Der 98-Kilogramm-Mann geht keinem Körperkontakt aus dem Weg, gibt der Abwehr Stabilität und hat mit einem guten Aufbaupass überzeugen können. Ebenfalls neu dabei ist dessen Landsmann Andrew Hare, der Torwart, dessen Verpflichtung angesichts der Gehirnerschütterung von Stammkeeper Stefan Ridderwall notwendig geworden war. Fehlen wird Rylan Schwartz. Der 26-Jährige ist Topscorer und Ideengeber in der Offensive. Am Montag hatte er sich zwei zehnminütige Disziplinarstrafen eingehandelt, und da er diesbezüglich bereits vorbelastet war, muss er heute zuschauen. Die bisherigen beiden Hauptrundenduelle dieser Saison hat Bad Nauheim gewonnen; mit 6:3 in Heilbronn und mit 5:1 zu Hause.

Das Programm: Frankfurt - Dresden, Kassel - Lausitz, Bietigheim - Crimmitschau, Rosenheim - Bayreuth, Kaufbeuren - Riessersee (alle 19.30 Uhr), Ravensburg - Freiburg, Heilbronn - Bad Nauheim (beide 20 Uhr).

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