Dortelweiler Bittner ist spät zur Stelle - 3:2

Nervenkitzel pur auf dem Dortelweiler Sportgelände: Beim Verbandsliga-Kellerduell des gastgebenden SCD gegen die TGS Jügesheim schrieb man die 84. Minute. Dortelweils Spielertrainer Markus Beierle und seine Mitstreiter lagen gegen eine Jügesheimer Truppe, die ab der 46. Minute die klar bessere Mannschaft war, mit 1:2 hinten und mussten mit der elften Saison-Niederlage rechnen. Dann jedoch überschlugen sich die Ereignisse, und der Gastgeber fuhr mit dem 3:2 den fünften Saisonsieg ein.

Gäste-Keeper Carsten Altstadt, der nach einem langen Ball aus der Dortelweiler Abwehr unnötigerweise aus seinem Kasten geeilt war und vor der Strafraumgrenze gegen Dortelweils Neuzugang Koami Dalmeida die Notbremse gezogen hatte, flog in der 84. Minute mit "Rot" vom Platz. Was folgte, war Christian Männels Freistoß. Jügesheims Filippo Serra touchierte das Leder mit der Hand – Elfmeter für die Platzherren. Serra beschwerte sich beim Referee und folgte prompt seinem Torwart mit "Gelb-Rot" hinter die Barrieren. Robin Dobios blieb beim nachfolgenden Strafstoß cool – 2:2. Und weil Gäste-Akteur Marc Winter verletzungsbedingt nicht mehr weiterspielen konnte, befanden sich in der turbulenten Schlussphase auf Seiten der Jügesheimer, die ihr Wechselkontingent bereits ausgeschöpft hatten, binnen zwei Minuten nicht mehr elf, sondern nur noch acht Spieler auf dem Platz. Dortelweil witterte Morgenluft und packte in der ersten von fünf Nachspielminuten tatsächlich noch den 3:2-Siegtreffer, wodurch der Tabellenletzte im Abstiegskampf neue Hoffnung schöpfen kann.

Als Schütze des so wichtigen dritten SCD-Tores durfte sich Außenverteidiger Marcel Bittner feiern lassen, wobei er nach einem Dobios-Freistoß und einer zu kurzen Abwehr des TGS-Mittelfeldspielers Danijel Babic, der für Altstadt zwischen die Pfosten gerückt war, per Abstauber aus sieben Metern in die Vollen traf. Klar, dass Jügesheim in den noch verbleibenden vier Nachspielminuten trotz erheblicher personeller Unterzahl alles nach vorne warf – doch dies brachte aus TGS-Sicht nichts mehr.

Dortelweils Spielausschussvorsitzender Martin Gunkel meinte nach der kurzweiligen Partie: "Mag sein, dass wir gegen starke Jügesheimer nur mit viel Glück gewonnen haben, aber von nichts kommt nichts. Unsere Mannschaft hat nie aufgesteckt und ist dafür mit drei wichtigen Punkten belohnt worden". Halbzeit eins verlief für den SC Dortelweil, der mit Cakiqi, Faulstich, Schad, Bunzel und Ljujic fünf Stammkräfte verletzungsbedingt streichen musste, im Grunde genommen ganz nach Wunsch: Innenverteidiger Christian Männel, gestern Nachmittag bester Spieler der Bad Vilbeler Vorstädter, hatte nach 24 Minuten mit einem tollen 22-Meter-Freistoß exakt in den Winkel die Führung besorgt, und in der Defensive lief’s ausgesprochen rund. Jedenfalls beschränkten sich TGS-Chancen von Format nur auf eine Situation: Smietanas Distanzschuss landete knapp neben René Güblers Gehäuse.

Ab der 46. Minute änderten sich die Verhältnisse grundlegend, denn die Elf von Jügesheims Coach Marco Stanic drückte gewaltig aufs Tempo und kreuzte ein ums andere Mal gefährlich vor Gübler auf. Der Ausgleich ließ denn auch nicht lange auf sich warten: Merklinger und Guiseppe Serra brachten mit schnellem Pass-Spiel Torjäger Filippo Serra in optimale Schuss-Position – 1:1 (49.). Dortelweil wirkte konsterniert, nichts wollte mehr klappen. Ab der 57. Minute musste die Beierle-Truppe einem Rückstand hinterher laufen: Stefan Schweier ließ sich nach Guiseppe Serras Ecke nicht zweimal bitten und vollendete per Direktabnahme aus fünf Metern zum 1:2.

Und hätte Filippo Serra in der 68. Minute nach einem Smietana-Freistoß mittels Kopfball zum 1:3 ins Schwarze getroffen, wäre Jügesheim wohl als Sieger vom Platz gegangen. Doch der Ball landete am rechten Pfosten. Was folgte, waren Dortelweiler Bemühungen, mit der Brechstange die Lücke zu finden. Erfolglos. Erst ein Pfostenschuss von André Stoss (80.) nach Männels punktgenauem 50-Meter-Pass und begünstigt durch Altstadts zögerliches Herauslaufen, ließ so etwas wie SCD-Angriffselan erkennen. Dass man das Blatt noch wenden könnte, glaubte auf Seiten der Gastgeber dennoch kaum einer.

Aber es kam anders. Zehn finale Spielminuten, die den beteiligten Protagonisten wohl noch eine ganze Weile in Erinnerung bleiben werden, reichten aus, um dem Verbandsliga-Schlusslicht im Kampf um den Klassenerhalt neue Perspektiven zu eröffnen.

SC Dortelweil: Gübler – Mouzong, Beierle, Männel, Bittner – Gutberlet (84. Jannik Jung), Göktas, Urban (69. Krasniqi), Stoss (94. Patrick Jung) – Dobios, Dalmeida.

TGS Jügesheim: Altstadt – Cwielong, Egerer, Eißmann, Schweier – Winter, Smietana – Merklinger (83. Babic), Guiseppe Serra (80. Christ), Czerwinksi (67. Bauer) – Filippo Serra.

Tore: 1:0 (24.) Männel, 1:1 (49.) Filippo Serra, 1:2 (57.) Schweier, 2:2 (85.) HE Dobios, 3:2 (91.) Bittner.

Schiedsrichter: Johannes Frohnapfel (Neuhof). – Gelb-Rot: Filippo Serra (85./Schiedsrichterbeleidigung). – Rot: Altstadt (84./Notbremse). – Zuschauer: 200. Uwe Born

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