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Im siebten Jahr im Trikot der SG Dorn-Assenheim/Weckesheim: Spielertrainer Marc-Oliver Schütz (r.), der am Wochenende mit seiner Mannschaft nicht über ein 1:1 gegen den SKV Beienheim II um Thorben Faber hinausgekommen ist. (Foto: Jaux)

Fahrstuhlmannschaft

Die SG Dorn-Assenheim/ Weckesheim und die Suche nach der sportlichen Heimat

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Die SG Dorn-Assenheim/ Weckesheim ist die Fahrstuhlmannschaft der Wetterau. Ein Interview mit Spielertrainer Marc-Oliver Schütz über einen Verein auf der Suche nach der sportlichen Heimat der Zukunft.

Die SG Dorn-Assenheim/Weckesheim ist wohl die Fahrstuhlmannschaft schlechthin im Wetteraukreis. Auf Aufstiege folgen in schöner Regelmäßigkeit wieder Abstiege. So pendelt der Verein seit Jahren immer zwischen B-Liga und Kreisoberliga. Zur Zeit, nach dem Abstieg aus der Kreisoberliga vergangene Saison, spielen die "Schloggebacher" in der Fußball-Kreisliga A Friedberg und behaupten hier bislang einen Platz unter den ersten Drei. Es riecht also wieder mal nach Aufstieg rund um den "Germanenkrug". Immer mit dabei ist Marc-Oliver Schütz. Als Spielertrainer geht er trotz seiner erst 32 Jahre bereits in seine siebte Saison in den Reichelsheimer Stadtteilen. Seine Treue zum Verein wurde lediglich durch ein zweijähriges Gastspiel beim SV Teutonia Staden unterbrochen. Ob diese Saison wieder ein Aufstieg gefeiert werden kann, welche Bedeutung der Verein im Dorf einnimmt, und wie sich die Kräfteverhältnisse im Fußballkreis Friedberg entwickeln, dazu nimmt Schütz im WZ-Interview Stellung.

Herr Schütz, aktuell belegt Ihre Mannschaft in der A-Liga Friedberg den dritten Tabellenrang. Es scheint, als würden Sie Ihrem Image als Fahrstuhlmannschaft wieder mal gerecht werden und aufsteigen…

Marc-Oliver Schütz: Zur Zeit läuft es bei uns sportlich gut. Unsere Zielvorgabe vor der Runde, unter den ersten fünf Mannschaften mitzuspielen, konnten wir bislang erfüllen. Und sollten wir nach der Vorrunde immer noch wie aktuell unter den ersten drei Mannschaften zu finden sein, können wir gerne unser Saisonziel nach oben korrigieren. Aufsteigen ist aber kein absolutes Muss.

Die Kreisoberliga ist ohne finanzielle Mittel kaum realisierbar

Marc-Oliver Schütz

Worin sehen Sie Gründe, dass es nach dem Abstieg in der vergangenen Saison jetzt sportlich wieder erfolgreich läuft?

Schütz: Wir konnten unseren Kader verstärken, sowohl qualitativ als auch quantitativ. Somit können wir wesentlich besser auf personelle Engpässe reagieren. Die Mannschaft zieht toll mit, eine Trainingsbeteiligung von im Schnitt 25 Spielern kann sich, denke ich, sehen lassen und sind der Grundstein für sportlich erfolgreiche Zeiten. Und auch intern stimmt die Mischung: Wir haben eine wirklich tolle Kameradschaft im Team.

In den nächsten Spielen warten hohe Auswärtshürden bei der direkten Konkurrenz aus "Roggau", Kaichen und Massenheim. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in diese Spiele?

Schütz: Grundsätzlich ist es so, das wir uns gegen Mannschaften, die auch mitspielen, leichter tun. Gegen tiefstehende Mannschaften tun wir uns dagegen schwer, Lösungen zu finden. Somit ist uns keinesfalls bange vor den anstehenden Aufgaben, zumal wir gegen Kaichen und Massenheim ja schon die Hinspiele gewinnen konnten, auch wenn die Ergebnisse (5:1 gegen Massenheim, 4:1 gegen Kaichen, Anm. d. Red.) zu hoch ausgefallen sind. Ferner verfügen wir über einen stabilen Defensivverbund. Mit erst 14 Gegentreffern stellen wir aktuell die beste Defensive. Somit sollte es möglich sein, auch bei der direkten Konkurrenz zu punkten und uns weiter in der Spitzengruppe zu halten.

Wo sehen Sie langfristig die sportliche Heimat der SG Dorn-Assenheim/Weckesheim?

Schütz: Die Kreisoberliga ist ohne finanzielle Mittel kaum realisierbar. Hier wird der Unterschied zwischen reichen und armen Vereinen immer größer. Die Liga ist in den vergangenen Jahren stärker geworden, die Top-Klubs könnten mit ihren Kadern auch in der Gruppenliga bestehen. Da ist es für uns als kleiner Verein natürlich schwer mitzuhalten. Bei uns gibt es kein Geld, wir müssen über unser Vereinsleben punkten. Sportlich wäre es toll, wenn es uns gelingt, uns in der Kreisoberliga zu etablieren, zumal ein Aufstieg ja auch nicht immer zu verhindern ist. Doch realistisch gesehen, ist die A-Liga wohl auf Dauer unsere sportliche Heimat.

Da es bei uns kein Geld gibt, können wir nur mit Kameradschaft und Geselligkeit punkten

Marc-Oliver Schütz

Sie sprechen den Punkt Kameradschaft an. Welche weiteren Möglichkeiten haben Sie, um neue Spieler nach Dorn-Assenheim und Weckesheim zu lotsen?

Schütz: Da es bei uns kein Geld gibt, können wir nur mit Kameradschaft und Geselligkeit punkten. Das dies funktioniert, zeigt das Beispiel Andreas Scheibner. Er hat sich das Drumherum bei uns ein paar Mal angesehen und ist dann aufgrund seiner Eindrücke bei uns eingestiegen – quasi von der Couch auf’s Feld. Andere Möglichkeiten haben wir nicht. Hier hilft natürlich auch unsere Vereinsgaststätte "Germanenkrug". Diese bewirten wir in Eigenregie, halten diese zu den Spieltagen offen und richten diverse Veranstaltungen aus, zum Beispiel Kickerturniere, unsere Kostümpartys oder das Haxenessen. Diese Veranstaltungen werden auch von den Dorfbewohnern sehr gut angenommen und sichern uns zudem verlässliche Einnahmen.

Im Jugendbereich ist die SG Dorn-Assenheim/Weckesheim nicht aktiv. Somit dürften auf längere Sicht keine eigenen Talente für die Senioren zu erwarten sein. Wie beurteilt man diese Situation im Verein?

Schütz: Das stimmt, wir haben in den letzten Jahren keine Jugendarbeit betrieben. Somit müssen wir, wie erwähnt, mit anderen Aspekten punkten, um neue Spieler zu gewinnen und die aktuellen immer wieder zu begeistern. Dennoch ist unter dem Abteilungsvorstand Fußball Benjamin Krätschmer ein neuer Versuch gestartet worden, Jugendfußball in der SG wieder zu etablieren. Aktuell nehmen zwei Mannschaften unter dem Namen TSV Dorn-Assenheim in der G- und F-Junioren-Spielrunde teil. Doch bis hier einmal Nachwuchs für die Senioren zu erwarten ist, wird es noch einige Zeit dauern. Deshalb werden wir weiter unseren "Schloggebacher" Weg über Kameradschaft gehen.

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