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Der männliche Nachwuchs im Kreis Friedberg ist in allen Altersklassen eigenständig spielfähig. Das gilt längst nicht für alle hessischen Kreise.

Jugendfußball

So steht es um den Wetterauer Jugendfußball

  • Christoph Sommerfeld
    VonChristoph Sommerfeld
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Der Nachwuchs steht in den Startlöchern. Kinder und Jugendliche wollen endlich wieder um Punkte kicken. Im Interview blickt Dörthe Wacker, Stellvertretende Kreisjugendwartin, auf aktuellen Themen.

Nach den Bundesliga-Juniorinnen des SC Dortelweil steigen an diesem Wochenende alle anderen Nachwuchskicker in die neue Saison ein - und hoffen auf eine endlich mal wieder komplette Spielzeit. Aus dem Fußballkreis Friedberg sind für den männlichen und weiblichen Nachwuchs insgesamt 258 Mannschaften zum Punktspielbetrieb gemeldet. Diese Zahlen konnte Dörthe Wacker, die Stellvertretende Kreisjugendwartin, kürzlich verkünden.

Die Besonderheiten: Immerhin 20 Mannschaften von der G- bis zur D-Jugend sind lediglich für Freundschaftsspiele gemeldet. Das Gleiche gilt für die E-Juniorinnen von Kickers Horlofftal. Zudem spielen zwei E-Juniorinnen-Mannschaften in der Konkurrenz der männlichen F-Jugend mit. Insgesamt wurden 16 Spielgemeinschaften im Kreis genehmigt. In den Altersklassen der G- und F-Junioren konnten die Vereine zusätzlich zum regulären Spielbetrieb auch Teams für die Drei-gegen-drei-Variante (Funino) melden. Davon machten 20 Mannschaften Gebrauch.

Im Interview spricht Dörthe Wacker nicht nur über eben diese besondere Spielform für die Kleinsten, sondern auch über die Rolle der Eltern, Trainingsbedingungen im Winter und den Zeitpunkt, zu dem der Fußball die meisten Jugendlichen verliert.

Frau Wacker, wie stellt sich die Situation im Fußballkreis Friedberg für Sie vor der Saison dar? Wie zufrieden sind Sie mit der Zahl der Meldungen?

Wir können sehr zufrieden sein. Viele Menschen in den Vereinen haben sich während der Lockdowns Gedanken gemacht, wie es weitergehen kann und wie man die Kids bei Laune hält. So war ein Meldeergebnis möglich, das über dem des Vorjahres liegt und fast schon an das von 2019 herankommt. Vor allem von den Zahlen in den höheren Altersklassen bin ich positiv überrascht. Immerhin dürften sich viele Jugendliche überlegt haben, ob sie überhaupt noch weiterspielen. Die Kinder bis 14 Jahre hatten es etwas leichter, weil sie - mit kurzer Unterbrechung - seit März wieder im Teamtraining sind.

Wie sehen Sie das Ergebnis vor dem Hintergrund der Zahlen in der Region?

Traditionell liegen wir in der Region Frankfurt bei den gemeldeten Teams mit dem Hochtaunuskreis in der Mitte des Feldes. Wir stehen besser da als Büdingen und Gelnhausen, da gibt es wieder eine andere Struktur. Mit den Zahlen aus den Kreisen Frankfurt und Offenbach können wir aber nicht mithalten.

Was denken Sie, wie sehr sich die Corona-Pandemie noch auf den Spielbetrieb im Jugendfußball auswirkt? Immerhin sind die meisten Unter-18-Jährigen nicht geimpft

Die Situation könnte sich nach dem Schulbeginn vor einer Woche natürlich wieder verschlechtern. Wenn Corona-Fälle in den Mannschaften auftreten, werden wir auch wieder Spiele absagen müssen. Ich hoffe aber, dass wir bis in den Herbst hinein erst einmal ein wenig Ruhe haben und dass es nicht so schlimm wie im vergangenen Jahr wird. Immerhin gibt es jetzt Impfangebote für Kinder ab zwölf Jahren.

In den unteren Altersklassen (G- und F-Junioren) läuft parallel zum regulären Spielbetrieb eine Funino-Runde. Wie stehen Sie zu dieser Form des Fußballs?

Grundsätzlich ist es so, dass wir erst in ein paar Jahren wissen, wie sinnvoll Funino für die Ausbildung der Kinder ist. Wir haben Funino mit Beginn dieser Saison als Pilotprojekt im Kreis Friedberg. Ich halte sehr viel von dieser Spielform und versuche, das voranzutreiben. Ich sehe es als großen Vorteil, wenn jedes Kind zum Einsatz kommt und nicht nur die starken spielen. Wir verhindern damit zudem, dass der Nachwuchs zu früh positionsbezogen ausgebildet wird. Auch Taktik und Technik können in dieser Variante geschult werden.

Dennoch bleibt der Nachteil das vernachlässigte Torwartspiel, oder?

Das sehe ich ein bisschen anders. Schauen Sie sich doch mal die »Zwerge« in diesen Altersklassen an, die in den für sie riesigen Jugendtoren stehen. Da stimmen die Verhältnisse einfach nicht. Wenn ein G-Junioren-Torwart 28 Gegentreffer bekommt, hat der beim nächsten Mal bestimmt keine Lust mehr, ins Tor zu gehen. Und die Tatsache, dass es beim Drei-gegen-drei nicht den klassischen Torhüter gibt, heißt ja nicht, dass man im Training nichts in dieser Richtung machen kann.

Welchen Einfluss üben die Eltern aus, die ja zweifellos eine Rolle spielen im Jugendbereich?

Da ist der Fußball ein Abbild der Gesellschaft. Manchen Eltern ist es eben sehr wichtig, dass ihre Kinder erfolgreich sind. Wenn sich dieser Erfolg dann nicht einstellt, sind oft die anderen schuld, z. B. der Trainer oder die Mitspieler. Diese Eltern oder auch Großeltern versuchen mitunter, Einfluss auf den Spielverlauf zu nehmen. Mit der Fair-Play-Liga und dem gebotenen Abstand durch die Zonen hat man hier versucht, gegenzusteuern. Das ist in der Umsetzung dennoch schwer. Besser wird es, wenn die Jugendlichen auf dem großen Feld spielen, also ab der C-Jugend. Dennoch gibt es auch bei den B- oder A-Junioren noch Elternteile, die denken, Versäumnisse des Trainers erkannt zu haben und diese dann lautstark korrigieren wollen.

Haben Sie solche Vorgänge während Ihrer Zeit als Trainerin selbst erlebt und wenn ja, wie reagierten Sie?

So etwas gab es bei mir auch. Aber grundsätzlich muss ich sagen, dass es bei uns im Kreis ja noch relativ ruhig ist. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Kinder diese Eingriffe von außen eigentlich gar nicht möchten. Es ist ein schmaler Grat für Trainer. Man will ja auf der anderen Seite auch nicht, dass die Eltern den Spieler abmelden.

Wie sieht es mit der Hilfsbereitschaft der Eltern aus, wenn es um Fahrten, Verkaufsdienste und Trikots waschen geht?

Es ist ganz einfach. Je jünger die Kinder sind, desto engagierter sind die Eltern. Je älter sie werden, desto weniger Mütter und Väter sieht man rund um den Sportplatz.

Wie ist es um die Trainings- und Spielbedingungen im Winter bestellt? Gibt es da genügend Hallenzeiten und auch Zeiten für Kunstrasenplätze?

Die Hallenrunde wird auch im kommenden Winter nicht stattfinden. Das haben wir schon entschieden, damit die Vereine Planungssicherheit haben. Es ist einfach zu problematisch wegen der Hallenbelüftung, wenn zwischen 9 Uhr morgens und 20 Uhr am Abend mehrere Teams vor Ort sind. Und wer von den ausrichtenden Vereinen soll bitte neben den ohnehin anfallenden Arbeiten die Kontrolle der Regeln überwachen? Dennoch wird es natürlich möglich sein für Klubs, eigenständig zu Turnieren einzuladen. Bei den Kunstrasenplätzen wird es dünner, je weiter man nach Norden kommt. Da appelliere ich an die Vereine, aufeinanderzuzugehen und beispielsweise mal das Heimrecht zu tauschen, wenn sich das in dieser Hinsicht anbietet.

Welche Baustelle halten Sie im Wetterauer Jugendbereich aktuell für die größte, die Sie am liebsten schließen würden?

Ich persönlich wünsche mir, dass wir an der Schnittstelle zwischen E- und D-Jugend bzw. D- und C-Junioren nicht so viele Spieler verlieren. Das ist nun mal der Zeitpunkt, an dem die Kinder auf die weiterführenden Schulen wechseln, sie kommen in die Pubertät, entdecken vielleicht andere Freizeitmöglichkeiten. Vor diesem Hintergrund bin ich froh, dass zu Beginn der bevorstehenden Spielzeit doch so viele Jugendliche den Weg von der Playstation zurück ins soziale Leben zum Fußball gefunden haben. FOTO: ARCHIV

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