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DM-Titel für El-Sayed / Pietsch

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Marc El-Sayed und Jan-Niklas Pietsch sind mit dem Heilbronner EC/Jungadlern Mannheim Deutscher Meister in der US-Land-Banking-Nachwuchsliga. Das früher im Nachwuchs der Roten Teufel Bad Nauheim aktive Duo sicherte sich am Wochenende mit zwei Siegen über den EC Bad Tölz den Titel in der Nachfolge der Deutschen Nachwuchs-Liga (DNL), in der die Spieler aus den Jahrgängen 1990 bis 1992 zum Einsatz kommen.

Der Pechvogel des Final-Wochenendes war El-Sayed, der mit Fieber die Reise zu den zwei Heimspielen in Mannheim nicht antreten konnte. Der Reihe nach: In der zehn Mannschaften umfassenden Nachwuchsliga hatten die Jungadler mit Marc El-Sayed und Jan-Niklas Pietsch in 36 Hauptrundenpartien nur fünf Mal als Verlierer das Eis verlassen. Mit 24 Punkten Vorsprung auf den Krefelder EV gingen die Mannen von Helmut de Raaf, dem ehemaligen deutschen Nationaltorhüter, als haushoher Favorit in die Play-offs – und dies obwohl die Mannschaft auf Grund ihres jungen Durchschnittsalters vor der Saison nicht unbedingt zum engsten Kreis der Titelanwärter zählte. Im Viertelfinale schalteten die Mannheimer die Eisbären Berlin nach drei Partien aus (4:1/2:6/3:0), im Halbfinale hatte der Vorjahresmeister Kölner EC beim 7:3 und 5:1 der de-Raaf-Schützlinge keine Chance.

Im Finale hieß der Gegner dann EC Bad Tölz, der als Hauptrunden-Vierter in der Vorschlussrunde überraschend dem Krefelder EV mit 8:3 und 4:2 das Nachsehen gab. Nach der unglücklichen 3:4-Niederlage in Bayern unter der Woche mussten die Jungadler am Osterwochenende mit zwei Siegen vor eigenem Publikum binnen 20 Stunden aufwarten, um die best-of-three-Serie für sich zu entscheiden. Gesagt, getan – zunächst hatten die Favoriten beim 6:1 keine Mühe, einen Tag später mussten die Bad Tölzer auch beim 4:1 der Gastgeber die Segel streichen.

Viel zu nervös waren Kapitän Benedikt Brückner in Bad Tölz gewesen, hatten sich in die Verlängerung begeben müssen – und verloren. Anders in der »kleinen« SAP-Arena, in der im ersten Heimspiel der Serie bereits nach dem ersten Drittel (3:0) die Fronten geklärt waren. Im finalen dritten Spiel führte dann Benedikt Brückner seine Mannschaft zum Titel. Locker spielten die Jungadler mit einer 3:0-Führung im Rücken ihre konditionellen Vorteile aus, ließen auch in Unterzahl wenig zu und gewährten dem Gegner erst 34 Sekunden vor Schluss einen Treffer. Während Jan-Niklas Pietsch mitwirkte und zu seinem 42. Einsatz kam, musste Marc El-Sayed nach dem Gastspiel in Bad Tölz nach 41 absolvierten Spielen die Saison beenden. In Bayern hatte er noch mit dem 1:3 in der 29. Minute die Aufholjagd eingeleitet, am Wochenende legte ihn das Fieber lahm, und er konnte nicht beim Triumph seines Teams dabei sein. Ein herber Verlust, denn El-Sayed war mit 19 Toren und 31 Assists nicht nur drittbester Scorer bei den Jungadlern. Mit den 50 Zählern gehörte der U 18-Nationalspieler auch zu den zehn besten Punktesammlern der Liga. Pietsch dagegen zeigte als Verteidiger seine Stärken in der Defensive, die auch die U17-Bundestrainer erkannt haben. Zwischen den Jahren war der 16-Jährige mit dem Nationalteam bei einem Länderturnier in Kanada, bei dem die Deutschen sensationell die USA mit 4:1 besiegten und damit die beste Platzierung bei diesem Vergleich der Nationen seit Jahren erreichten. Den Stellenwert der US-Land-Banking-Nachwuchsliga demonstiert nicht nur die Tatsache, dass viele Spieler schon in den Oberliga- oder Zweitbundesliga-Teams zu Eiszeiten kamen. Neben den Bundestrainern fanden sich auch viele Agenten und Scouts zum Finale in der Mannheimer SAP-Arena ein. Insbesondere die Kanadier sind »hei? auf europäische Talente und locken mit Stipendien. Einige »Jungadler« werden auch nach dieser Saison den Sprung über den großen Teich wagen.

Für Jan-Niklas Pietsch, der nun eine Saison im Mannheimer Internat unter Projektleiter Helmut de Raaf hinter sich hat, ist dies alles (noch) nicht aktuell. Er wird auch in der nächsten Spielzeit in der Universitätsstadt seine Eishockeyschuhe schnüren und versuchen, den Meistertitel zu verteidigen. Doch dies war nach dem 4:1 gegen die Tölzer vor rund 1000 Zuschauern kein Thema. Vielmehr genossen Pietsch und Co. die Sektdusche direkt nach dem Abpfiff, die Nationalhymne bei der Siegerehrung und das Feiern mit den zahlreichen Fans in der »eigenen« Halle. Es ging also nicht nur während der temporeichen Partie, die wie in den DEL-Playoffs von vier Schiedsrichtern geleitet wurde und eine (kleine) Schlägerei beinhaltete, zu wie bei den Profis.

Bis zum Berufseishockeyspieler ist es für El-Sayed und Pietsch allerdings noch ein steiniger Weg. Ob dieser längerfristig über Kanada führen wird, steht für die beiden Wetterauer Talente aus Gambach und Ober-Rosbach allerdings noch in den Sternen. Zunächst dürften sie erstmal froh sein, dass eine lange Saison zu Ende ist – bereits im vergangenen Mai hatte Helmut de Raaf zu den ersten Übungseinheiten der Saison 2007/08 gebeten. An deren Ende steht für den Heilbronner EC/Jungadler die sechste Deutsche Meisterschaft – mit den ehemaligen Bad Nauheimern Jan-Niklas Pietsch und Marc El-Sayed im Kader. Michael Wiener

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