Jan Dillemuth
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Leichtathletik

Wie Jan Dillemuth in den DLV-Bundeskader gelaufen ist

  • vonTanja Weber
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Jan Dillemuth vom TV Assenheim hat seinen Platz im Nachwuchskader 2 des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Im Interview spricht er über Training, seine Verletzung und sein Ziel.

(web). In der Ferne donnert es leise. Regen prasselt auf die Aschenbahn am Sportplatz in Assenheim. Rund ein Dutzend Jugendliche treffen sich unter dem Dach des Vereinshäuschens. "Lauft Euch eine Runde ein", sagt TVA-Trainer Andreas Ulbrich. "Heute liegt unser Schwerpunkt auf Kraftgymnastik." Zu zweit oder dritt weichen die Leichtathleten plaudernd auf der Einkilometerrunde um Bahn und Schule den zahlreichen Pfützen auf dem Niddaradweg aus. Der 16-jährige Jan Dillemuth, der im Oktober letzten Jahres in den Bundeskader des DLV für 1 500 Meter berufen wurde, bleibt bei uns stehen.

Jan, Sie haben im letzten Jahr in den Nachwuchskader II des Deutschen Leichtathletik-Verbandes geschafft. Was waren die Voraussetzungen dafür?

Ich bin bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Bremen über 800 Meter 1:59,70 Minuten gelaufen. Damit war ich Fünfter, so stark ist der Jahrgang 2004. Im Jahr davor knackten in der M 15 nur zwei Athleten die Zwei-Minuten-Marke. Der Verband schaut sich zudem die Entwicklung der Athleten an. Daraufhin erfolgte die Nominierung.

Wie war Ihre Entwicklung von den 800 zu den 1 500 Metern?

Über 800 Meter war mein Top-Ergebnis natürlich die Sub 2-Zeit. Im letzten Jahr wurde ich in Koblenz im Juni Zweiter bei den Süddeutschen. Beim Ländervergleichswettkampf in Gomaringen habe ich Mitte September den Sieg in der U16 rausgehauen. Mir liegen allerdings die etwas längeren Strecken besser. Im Januar durfte ich das dann das erste Mal über die 1 500 Meter starten, konnte mich innerhalb einer Woche um neun Sekunden auf 4:10,68 Minuten bei den Hessischen Hallenmeisterschaften in Hanau steigern. Den zweiten Platz der U 20 habe ich mit nach Florstadt genommen, wo ich wohne.

Corona hat dann sicher einen Strich durch die Wettkampf- und Trainingsplanung gemacht?

Na ja, ich hatte Ende Januar einen Bänderriss am linken Fuß. Ich habe bis vor kurzem noch Handball gespielt und bin beim Training umgeknickt. Bis zum 10. März war ich damit lauftechnisch lahmgelegt. Als ich wieder laufen konnte, kam es zum Shutdown. Für mich war das aus sportlicher Sicht nicht so unpassend, da ich ja eh einen Trainingsrückstand hatte und meine Form sicher noch nicht da gewesen wäre.

Wie lief das Training?

Mein Trainer Andreas Ulbrich hat mir Pläne für die Ausdauereinheiten geschrieben. Ein- bis zweimal pro Woche haben wir uns privat im Florstädter Wald getroffen. Hier stand das Sprinttraining im Vordergrund. Zweimal die Woche arbeitete ich zu Hause an meiner Fußstabilität und weiteren Athletikübungen. Die Ausdauereinheiten habe ich meist allein abgespult. Da ich viel Zeit hatte, bin ich im Schnitt um die 50 Kilometer, etwas mehr als sonst, gelaufen.

Wie sieht es mit der Wettkampfsituation im weiteren Saisonverlauf aus?

Der HLV plant für die Mittelstreckler einen Testwettkampf unter Corona-Sicherheitsvorkehrungen. Der Test wird auf jeden Fall ohne Zuschauer und nur über 800 Meter sein. Mitte September will der DLV die Jugendmeisterschaften nachholen. Dafür muss man sich vorher über eine Freiluft-Normzeit qualifizieren. Hallenzeiten werden nicht angerechnet.

Was gefällt Ihnen so gut an der Leichtathletik?

Als Sechsjähriger haben mich meine Eltern einige Sportarten ausprobieren lassen. Ich bin beim Handball, das trainiere ich aber momentan nicht mehr, und bei der Leichtathletik hängen geblieben. Ich mag die Vielseitigkeit der Grundausbildung. Im Prinzip bin ich bis auf Hürdenlauf und Stabhochsprung bisher in jeder Disziplin gestartet. Im Speerwurf habe ich sogar mal mit 14 Jahren die Bronzemedaille bei den Hessischen Winterwurfmeisterschaften geholt. Später haben mein Trainer und ich erkannt, dass mir die längeren Strecken im Laufen liegen. Letztes Jahr bin ich nebenbei die 3 000 Meter in Hünfeld gelaufen und die 5 000 Meter knapp über 16 Minuten auf dem Burgfeld. Natürlich ist die Schritt-für-Schritt-Entwicklung ganz wichtig, daher spezialisiere ich mich jetzt auf die 1 500 Meter. Starten werde ich dennoch unter anderem auch über 400 oder 800 Meter.

Woher nehmen Sie die Motivation zum Training?

Ich bewege mich einfach gerne. Wenn ich den ganzen Nachmittag an den Aufgaben für die zehnte Klasse sitze, brauche ich einfach einen körperlichen Ausgleich. Beim Training beim TV Assenheim treffe ich gleichaltrige Jugendliche. Im Wettkampf und Kadertraining darf ich mich zudem mit den besten Nachwuchsathleten Deutschlands messen. Das spornt mich einfach an. FOTO: WEB

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