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Dieser WM-Star hat für drei Vereine aus der Wetterau gespielt

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Von: Michael Nickolaus, Thomas Kilchenstein

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Abdelhamid Sabiri könnte mit Marokko bei der Fußbal-WM im Achtelfinalspiel auf die DFB-Auswahl treffen. Der 26-Jährige hat als Teenager für drei Klubs aus der Wetterau gespielt. Weggefährten erinnern sich.

Friedberg - Abdelhamid Sabiri, der am Sonntag mit einem frechen Freistoßtor aus spitzem Winkel den belgischen Weltklassetorhüter Thibaut Courtois so alt aussehen ließ wie die ganze belgische Mannschaft wirkte, Abelhamid Sabiri also ist ein Profi, den man, freundlich gesagt, als wenig glatt gebügelt, mit Ecken und Kanten umschreiben kann. Einer, der nie den leichten, vorgezeichneten Weg gegangen ist, sondern immer seinen eigenen, und der war oft genug nicht gerade, eher steinig und holprig. Und häufig stand sich Sabiri, ein Filou, ein Entfant terrible, selbst im Weg. Denn der 26-Jährige hat selbst einiges dafür getan, dass ihm in der Vergangenheit das Image des »Bad Boys« übergestülpt worden ist.

Nach dem Überraschungscoup der Marokkaner, möglicher Achtelfinalgegner der deutschen Elf, sprang er über ein Absperrseil und flüchtete vor den wartenden Journalisten. Mit der deutschen Presse wollte der neue marokkanische Fußballheld nicht sprechen. Zu viel Negatives hatte der ehemalige deutsche U21-Nationalspieler, den einst Stefan Kuntz nominiert hatte, schon lesen müssen. Mitten im Jubel über den ersten WM-Sieg seit 1998 wollte der einst schwer Erziehbare nicht an seine bewegte Vergangenheit erinnert werden.

WM 2022 in Katar: Sabiri über Karben, Rosbach, Frankfurter Berg und RW Frankfurt nach Bad Vilbel

Sabiri, im marokkanischen Goulmima geboren, kam im Alter von drei Jahren nach Frankfurt, die Familie lebte am Frankfurter Berg, einem sozialen Brennpunkt der Mainmetropole, aber Abelhamid war eh meist auf den Bolzplätzen im Kiez zu finden, wo er mit seinem Bruder, Freunden, auch älteren, stundenlang kickte.

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Abdelhamid Sabiri feiert seinen Treffer für Marokko bei den Fußball-Weltmeisterschaften im Spiel gegen Belgien. © Red

Als D-Juniorenspieler hatten Norbert Knödler und Ingo Nuber, Sohn von Kickers Offenbach-Legende Hermann Nuber, den Teenager einst nach Klein-Karben geholt. Dort spielte er drei Jahre lang. Über die C-Junioren der JSG Rosbach/Rodheim, über die TSG Frankfurter Berg und Rot-Weiss Frankfurt führte sein Weg in die A-Junioren des FV Bad Vilbel. Er fiel auf, sein Tempo, sein Ballverliebtheit, seine Dribblings waren bemerkenswert, sein eigener Kopf auch. An seiner fußballerische Klasse gab es nie Zweifel, an seiner Teamfähigkeit zuweilen schon.

Sabiri bei WM 2022 in Katar: Von der Wetterau in die Serie A

Er wechselte regelmäßig, weiter zu TuS Koblenz, dann zum SV Darmstadt 98, stürmte dort in der U19, ging dann zu Sportfreunde Siegen und schließlich zum 1. FC Nürnberg, erst zweite Mannschaft, dann 2017, bei den Profis. Es ließ sich nicht schlecht an, fünf Tore machte er in der zweiten Liga, und auf einmal flatterte ihm ein Angebot aus der Premier League, vom FC Huddersfield, auf den Tisch, dort war David Wagner Trainer, das war »der Traum meines Lebens«, sagte Sabiri einst, da wollte er hin - einerlei, dass er noch Vertrag beim Club hatte. Er ließ sich krank schreiben, streikte sich weg, der Club ließ ihn zähneknirschend ziehen. Er wollte seinen Traum leben, doch in Huddersfield kam er in zwei Jahren nur zu mickrigen sieben Einsätzen, 2019 kehrte er nach Deutschland zurück, zum SC Paderborn. Dort überwarf er sich relativ schnell mit Trainer Steffen Baumgart. »Er arbeitet für keine Mannschaft, er arbeitet nur für sich.« Im Nachhinein, so Baumgart, sei es ein Fehler gewesen, den Deutsch-Marokkaner zu holen. Sabiri war es auch, der Ende Dezember 2019 beim 2:1-Erfolg des SC über Eintracht Frankfurt das 1:0 erzielt hatte.

Das sagen Weggefährten aus der Wetterau

Norbert Knödler (damals Jugendtrainer beim KSV Klein-Karben): »Ingo Nuber und ich hatten Hamid einst bei einem Turnier entdeckt. Er hat damals schon herausgeragt, war ein Rohdiamant und war genau der Spielertyp, der uns auf der Zehner-Position gefehlt hatte, um unser Ziel, als erste Karbener Jugend-Mannschaft den Aufstieg in die Gruppenliga zu schaffen, zu realisieren. Ingo Nuber hatte ihn zum Training abgeholt und auch wieder zurück gebracht. Wir hatten viel Spaß mit Hamid und viel Freude an ihm, und wir stehen auch heute noch in regelmäßigem Kontakt.«

Erdinc Usta, damals Mitspieler JSG Rosbach/Rodheim): »Man hat damals schon gemerkt, dass er sehr talentiert ist und sehr gut mit dem Ball umgehen kann. Manchmal war er zu verspielt, wollte sich kaum vom Ball trennen. Als Fußballer hatte er da bereits einen eigenen Stil und einen eigenen Kopf, den er immer wieder durchgesetzt hat. Bei einem Turnier in Spanien hatte ich die Möglichkeit, ihn noch näher kennenzulernen. Von der Persönlichkeit hatte er da seinen eigenen Kopf, ist aber an sich ein feiner Kerl.«

Nach der Episode in Ostwestfalen ließ er sich nach Italien transferieren, zu Ascoli Calcio, zweite Liga. Dort scheint er sich gefunden zu haben, er ist zur Ruhe gekommen, reifer, vielleicht auch einfach nur älter. In 43 Spielen markierte er elf Tore, seit diesem Sommer spielt er für Sampdoria Genua, erzielte im Stadtderby gegen den FC gleich den 1:0-Siegtreffer - und ist jetzt auf der größten Bühne grell ausgeleuchtet.

Plötzlich ist das Achtelfinale ganz nahe - und das Spiel der Spiele für Sabiri gegen das Land, in dem er aufwuchs. Ein Spiel, das es vor 36 Jahren bei der WM 1986 in Mexiko schon mal gab. Lothar Matthäus schoss den 1:0-Siegtreffer für die DFB-Auswahl. (kil/sid/mn)

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