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Selbstbewusst und zielstrebig: Der 17-jährige Tom Hohn gilt als eines der vielversprechendsten Schiedsrichter-Talente in Hessen.

Schiedsrichter-Talent

Dank Opa: Dieser Wetterauer Schiedsrichter könnte mal Bundesliga pfeifen

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Fußball-Schiedsrichter in den Kreisligen zu sein, ist oft kein Zuckerschlecken. Einer, der sich schon als Jugendlicher erfolgreich behauptet, ist Tom Hohn vom FC Karben. Er ist eine der größten hessischen Hoffnungen - auch dank seines Opas.

Alles macht man irgendwann zum ersten Mal. Meistens kann man sich daran auch erinnern, je nach dem, wie bedeutend es für einen persönlich war. "Mein erstes Spiel war ein Freundschaftsspiel, E-Jugend, FSV Kloppenheim gegen SC Dortelweil. Ich war 13 Jahre alt", erzählt Tom Hohn. "Meine ganze Familie war da. Es war zwar eigentlich was ganz Kleines, für mich aber war das ein großes Ereignis", sagt Hohn. Nur beim Ergebnis ist er sich nicht mehr sicher. "Könnte sein, dass Dortelweil gewonnen hat."

Gut, dass das Internet nichts vergisst. Auf der Plattform fussball.de findet sich nach kurzer Suche das Spiel vom 16. April 2015, Anstoß 17.45 Uhr, Kloppenheim II verliert 3:4 gegen Dortelweil III. Unter dem Ergebnis steht vermerkt: "Schiedsrichter: Tom Hohn". Heute ist der 17-Jährige vom FC Karben, der sich in Bamberg zum Bundespolizisten ausbilden lässt, eines der größten Schiedsrichter-Talente in Hessen und pfeift regelmäßig Gruppenliga-Spiele der Männer.

Großvater Dieter Hohn war selbst über 50 Jahre Unparteiischer

Sein Wunsch, Schiedsrichter zu sein, war vorhersehbar. Großvater Dieter Hohn war selbst über 50 Jahre Referee. Der heute 78-Jährige pfiff in der Oberliga Hessen, als diese noch die dritthöchste Spielklasse des Landes war. Für Toms älteren Bruder Tim war Opa Dieter der Grund, Spiele zu leiten. "Als ich elf Jahre alt war, sind wir zu einem Spiel gefahren, dass Tim gepfiffen hat. Da dachte ich mir, dass es schon cool wäre, selbst Schiedsrichter zu sein", erzählt Tom. Doch erst als 13-Jähriger durfte er seine Schiriprüfung ablegen. Den Test bestand der Fan von Eintracht Frankfurt als einziger Lehrgangsteilnehmer mit voller Punktzahl. "Mein Opa hat sich natürlich gefreut. Und ich mich auch, obwohl mir eigentlich nur wichtig war, bestanden zu haben", sagt Tom.

Fortan war Opa Dieter nicht nur Mentor, sondern auch Chauffeur. "Ich fahre Tommi zu jedem Spiel", sagt Dieter Hohn. Der 78-Jährige aus Bad Vilbel ist zwar nicht mehr aktiv, doch durch seinen Enkel ist er irgendwie doch immer noch dabei. "Für einen jungen Menschen ist es wichtig, dass an der Seite einer steht, der auch mal den Daumen hebt und sagt, dass man es gut macht. Das gilt für alle jungen Schiedsrichter, auch im Jugendfußball", sagt Dieter Hohn. Denn durch überehrgeizige Eltern könne auch ein Jugendspiel zu einer unschönen Erfahrung werden, weiß er.

Tom Hohn war bereits mit 15 Jahren im Männerbereich Schiedsrichter

Sein Enkel ist aber schon als 15-Jähriger im Männerbereich angekommen, beginnt in der C-Liga. "Natürlich war ich vor den Spielen nervös", sagt er, doch die Mechanismen hatte er schnell durchschaut: "Ein Drittel will mich für blöd verkaufen, weil ich noch so jung bin. Das zweite Drittel schreit immer rum, egal wer Schiedsrichter ist. Und der Rest ist froh, dass es jemanden gibt, der noch mitläuft", sagt Hohn und lacht. Markige Worte, die aber beweisen, dass er schon lange kein Grünschnabel mehr ist. Mit der Zeit habe er an Erfahrung gewonnen, wisse Spielsituationen nun besser einzuschätzen, sagt er inzwischen selbstbewusst.

Als 16-Jähriger stieg Tom in die Gruppenliga der Männer auf, so früh wie wohl kaum jemand zuvor. "Da wird mehr Fußball gespielt, dafür muss man Entscheidungen auch schneller treffen und besser verkaufen", sagt Tom. Nach dem Spiel baut er auf die Einschätzung seines Opas, "die ist immer ehrlich". Auf den Heimfahrten von den Sportplätzen der Region haben sie Zeit, sich auszutauschen. Tom sieht das als "Bonus, den andere Schiedsrichter nicht haben".

Wenn der 18. Geburtstag um ist, nimmt der Enkel den Opa mit

Sobald er aber am 13. Juni seinen 18. Geburtstag feiert, wird Tom nach dem Wunsch des Opas "hoffentlich ein Auto bekommen". Den Führerschein hat er schon in der Tasche. Ob Opa Dieter dann von seinem Enkel mitgenommen wird? "Wenn er seinen Gartenstuhl entbehren kann, nehme ich ihn mit", sagt Tom. Das sollte zumindest im Winter klappen.

Lobende Worte haben beide für den FC Karben. "Die kümmern sich richtig toll um ihre Schiedsrichter. Das ist nicht selbstverständlich." In der Tat: Die Funkfahnen für seine Assistenten hat Tom vom Verein spendiert bekommen, immerhin ein Wert im hohen dreistelligen Bereich. Es ist eine Auszeichnung für seine Leistungen, die noch nach Höherem streben. Das Ziel ist der Profifußball. Wenn also in wenigen Jahren die Bundesliga angepfiffen wird, könnte es heißen: "Das Spiel steht unter der Leitung von Polizist Tom Hohn vom FC Karben." Sollte es so weit kommen, wird er sich sicher für den Rest des Lebens an das Ergebnis dieses Spiels erinnern können. Falls nicht, gibt es ja noch das Internet. Das vergisst nie.

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