Tischfußball-Star

Dieser Nidderauer feiert große Erfolge mit kleinen Bällen

  • vonJürgen W. Niehoff
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Chris Marks aus Eichen ist erfolgreicher Fußballer bei Eintracht Frankfurt, genauer gesagt Tischfußballer. Und damit hat er schon so manche Trophäe gewonnen. Nun ist eine besondere hinzugekommen.

Seit Jahren gehört der 38-jährige Chris Marks aus dem Niddauer Stadtteil Eichen zur Elite der Tischfußballer. "Noch klappt es ganz gut mit der Gesundheit und jugendlicher Konkurrenz", lacht der zweifache Familienvater. In den Jahren 2012, 2013 und 2014 gewann er mit seinem damaligen Club, einer Abteilung des Fußball-Bundesligavereins Hannover 96, die deutsche Meisterschaft im Tischfußball. 2017, die Eintracht in Frankfurt hatte mittlerweile eine eigene Tischkicker-Abteilung gegründet, wechselte Marks zu den Adlerträgern an den Main. "Es hat schon Vorteile, wenn der Verein direkt vor der Tür ist und man stets Kontakt zu den eigenen Mitspielern hat", sagt Marks. Er hatte zwar auch während seiner Zeit in Hannover beruflich im Versicherungsbüro seines Vaters zwar mehr Freiheiten als andere Arbeitnehmer, doch hinzu kam noch die Familie, die ja auch nicht nur Pokale von ihm haben will. Denn die Wochenenden waren fast immer den Spielen in der Tischfußball-Bundesliga und den zusätzlichen nationalen und internationalen Turnieren vorbehalten.

Erstes Turnier im Alter von 16 Jahren wäre der Karriere fast zum Verhängnis geworden

Sein Talent für den ungewöhnlichen Leistungssport hat der gebürtige Hanauer, der in Eichen aufgewachsen ist und dort seither auch wohnt, erst mit zehn Jahren entdeckt. "Da habe ich mich im Nebenraum einer Gaststätte, wenn ich auf meinen Vater warten musste, öfters mal an einen Tisch-Kicker gestellt und die ersten Versuche gemacht", erinnert sich Marks. Das muss ihm so viel Spaß gemacht haben, dass wenig später schon der erste Tisch-Kicker bei ihm zu Hause stand. "Den habe ich mir von meinen ersten Lehrlingsgehalt und einer größeren Spende von meinem Vater gekauft", erinnert er sich heute lachend an den Beginn seiner so erfolgreichen Tischkicker-Laufbahn. Fortan stand er regelmäßig zu Hause an seinem neuen Spielgerät und trainierte eisern bis ihm im Nidderauer Jugendzentrum keiner mehr gewachsen war. Mit 16 Jahren nahm ihn sein Vater deshalb auf ein bundesweites Turnier mit. Als er bei diesem Wettbewerb dann allerdings gegen ein Mädchen verlor, wollte er den Sport fast schon wieder aufgeben.

Doch sein Ehrgeiz und der Spaß am Tischfußball ließen ihn schnell diese Niederlage wieder vergessen. 1998, also mit 18 Jahren, versuchte er es wieder bei größeren Turnieren – und hatte dieses Mal Erfolg. Im Jahr 2000 wurde er zum besten Nachwuchsspieler Deutschlands gekürt, ein Jahr später war er bereits deutscher Meister in der Juniorenklasse. Noch erfolgreicher verlief das Jahr 2002, denn da erkämpfte er sich den Meistertitel bei den Senioren und belegte mit der deutschen Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in Amerika den dritten Rang im Doppel. Seitdem folgte Erfolg auf Erfolg. So wurde er in den Jahren 2006 bis 2008 zum Stürmer der Welt gekürt. Mit der Nationalmannschaft gelang ihm die Vizeweltmeisterschaft und im Jahr 2008 belegte er auf der Weltrangliste zeitweise sogar den zweiten Platz. Als seinen größten Erfolg, zugleich aber auch als seine persönlich bitterste Niederlage, wertet er den Beinahe-Einzug ins WM-Finale 2009, in dem er den ersten Satz bereits gewonnen hatte und dann am Ende doch als Verlierer vom Tisch zurücktreten musste. "Ich war so dicht vor dem Weltmeistertitel", erinnert sich Marks an dieses Ereignis.

Chris Marks plant vorsorglich schon mal das "Leben danach"

Mittlerweile ist er 38 Jahre, denkt zwar noch nicht ans Aufhören, bereitet jedoch schon einmal vorsorglich "das Leben danach" vor. Deshalb hat er zusammen mit einem Bekannten eine Eventagentur mit dem Namen "Beat the Champ" gegründet. Für Firmenfeste oder Messen kann man Marks nun anheuern und seine Mitarbeiter oder Kunden gegen einen Champion am Tischfußball-Kicker antreten lassen. Auch Motivationstrainingseinheiten bietet Marks mittlerweile an. "Mir macht es einfach Spaß, mit Menschen zu arbeiten und mit ihnen zusammen zu sein", sagt er dazu. Und weil diese Tätigkeit wegen guter Nachfrage immer mehr Zeit in Anspruch nimmt, hilft ihm sein Vater im Versicherungsbüro in Eichen jetzt wieder aus: Denn sein Sohn Christopher hat schon wieder neue Pläne.

So überlegt er zurzeit, ob er im neuen Eicher Mischgebiet – falls es denn kommen sollte – eine Sports-Bar mit Tischkickern aufmachen soll. "Wenn das Mischgebiet bald kommt, dann mache ich es", meint er. Und dabei blickt er auf die vielen Pokale, die er in seinem privaten Trainingsraum in Eichen aufbewahrt. Die würden in der Bar sicher auch gut aussehen.

Info

Vier Griffstangen, elf Spielfiguren, ein Ball – und los geht’s

Tischfußball ist eine mit einem Miniaturball ausgeübte Sportart, ein dem Fußball nachempfundenes Spiel, das laut dem Internetlexikon "Wikipedia" Kicker, Kickertisch, Tischfußball, Kickerkasten oder auch Wuzeltisch und in der Schweiz Töggelikasten genannt wird. Ziel ist es, mit an drehbaren Griffstangen über einer rechteckigen Spielfläche angebrachten Spielerfiguren aus Holz, Kunststoff oder Metal denn Ball ins gegnerische Tor zu schießen. Ein Kickertisch ist üblicherweise mit je vier Griffstangen an den beiden Längsseiten der Spielfläche ausgestattet, an denen pro Spielpartner zusammen elf Spielfiguren angebracht sind. Tischfußball wird in der Pädagogik seit Jahrzehnten als Kommunikations- und Rehabilitationsmittel genutzt. So stehen viele Kickertische in Jugendeinrichtungen, Schulen, Pfadfinderheimen, in Spielzimmern von Kinderkrankenhäusern oder auch in vielen Kinderzimmern. Aufgrund der niedrigen Einstiegsschwelle werden Kickertische auch häufig in Gaststätten aufgestellt.

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