Der Heilsberger Per Lockl trägt nach vier Jahren in der Jugend des VfB Stuttgart schon bald das Trikot von Bundesligist Borussia Mönchengladbach. 
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Der Heilsberger Per Lockl trägt nach vier Jahren in der Jugend des VfB Stuttgart schon bald das Trikot von Bundesligist Borussia Mönchengladbach.   

Fußball

Dieser Heilsberger ist auf dem Weg in den Profifußball

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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Per Lockl ist auf den Weg in den Profifußball: Für den Heilsberger geht es nach Stationen beim FSV Frankfurt und beim VfB Stuttgart nun zu Borussia Mönchengladbach.

Ein kleiner, Junge, der gerade so laufen kann: Ausgerüstet mit Schonern vom Inlineskating und einem Fahrradhelm steht er am Ende einer Straße auf dem Heilsberg in einem improvisierten Tor und versucht die Schüsse seines drei Jahre älteren Bruders abzuwehren. So begann die Karriere von Per Lockl. "Seit er stehen kann, spielt er Fußball", erzählt Bruder Bo.

Der 19-jährige Per aus dem Bad Vilbeler Stadtteil hat in der vergangenen Woche einen Vertrag bei Bundesligist Borussia Mönchengladbach unterschrieben, soll dort zunächst in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga Südwest Spielpraxis sammeln. "Ich freue mich, wenn es nach Corona wieder losgehen kann. Ich hoffe auf viel Spielpraxis - es ist ja meine erste Station im Herrenbereich, das ist noch einmal etwas ganz anderes. Und vielleicht kann ich ja bald mal bei den Profis reinschnuppern", sagt der Blondschopf.

Seine Karriere ist im Rückblick geradlinig: Nach einigen Jahren in der Jugend des SSV, dem Verein, in dem einst sein Vater spielte und den sein Bruder bis heute nicht verlassen hat, bekommt er die Chance auf ein Probetraining beim FSV Frankfurt. In der U 15 spielt er bereits in der Regionalliga Süd und bei nationalen Hallenturnieren für die Bornheimer. Es folgt kurz darauf der Umzug aufs Fußballinternat des VfB Stuttgart. Per Lockl wird U-Nationalspieler, ist in seinem letzten A-Jugend-Jahr Kapitän seiner Mannschaft mit sieben Toren und vier Vorlagen in der abgebrochenen A-Jugend-Bundesliga-Saison an einem Viertel aller Tore seines Teams beteiligt. Mit dem Abitur in der Tasche geht es für ihn nun nach Gladbach. "Für mich lief es echt gut", sagt er. Längst hat er sich von seinen Anfängen als Torwart verabschiedet und ist Mittelfeldspieler geworden.

Die "Fohlen" hatten bereits vor seinem Wechsel nach Schwaben Interesse an dem Linksfuß, nun kam der Transfer zustande. Per Lockl weiß, er hat es damit besser getroffen, als viele andere Talente, mit denen er schon gespielt hat und die noch auf den Anruf eines großen Klubs warten. "Man lebt im Internat in einer Blase. Da sind 20 Jungs, die alle gut spielen können und die alle dasselbe machen wollen", sagt er. "Da ist ein Ausrüstervertrag zu Jugendzeiten nichts Besonderes mehr."

Für seinen älteren Bruder ist all das nur schwer vorstellbar: "Ich glaube, erst als Per nach Stuttgart gegangen ist, habe ich gemerkt, dass die Sache ernst ist. Bis dahin war es für mich nur schwer vorstellbar, dass er so gut ist", sagt Bo Lockl, der auch schon mal einen Scout des englischen Premier-League-Klubs Aston Villa am Telefon hatte. "Das kommt einem surreal vor, aber diese Leute kennen keine Grenzen. Sie finden die Nummern der Familien der Spieler, von Eltern oder Geschwistern heraus oder schreiben einen in den Sozialen Medien an."

Bei all dem Gepränge im Profizirkus hat Per Lockl hat ein einfaches Rezept, um sich nicht zu sehr beeinflussen zu lassen: "Wann immer es geht, fahre ich nach Hause, verbringe Zeit mit meiner Familie, meinen Freunden von früher oder schaue auf dem Heilsberger Sportplatz vorbei. Da realisiert man erst, was wirklich einen Wert für einen hat - und welches Privileg ich habe."

Bei Bruder Bo hat es für die große Karriere nie gereicht. "Ich konnte mich nie dazu entscheiden", sagt er, obwohl er einst ebenfalls ein Probetraining beim FSV Frankfurt hatte. Doch seine zweite große Leidenschaft ist ebenfalls trainingsintensiv: American Football. Gerade ist er mit den Frankfurt Pirates in die German Football League 2 aufgestiegen. Nebenher kickt er mit den Heilsbergern in der B-Liga, ist mit zwölf Toren zweitbester Schütze der vor dem Abbruch stehenden Spielzeit.

Von Neid ist zwischen dem Bruderpaar nichts zu spüren, sie unterstützen sich gegenseitig, halten den Kontakt, nutzen die wenige gemeinsame Zeit. "Dass ich auf das Internat gegangen bin, hat unsere Beziehung verbessert. Es ist noch cooler, Zeit miteinander zu verbringen", sagt Per Lockl. Und auch die Möglichkeit, eines Tages zu seinem Heimatverein zurückzukehren, scheint für den 19-Jährigen nicht ausgeschlossen. "Das ist ein klassischer Spruch von den Heilsbergern, aber irgendwie könnte ich es mir auch vorstellen", sagt er. Dann könnte das passieren, was die beiden Brüdern seit Kindertagen nicht mehr erlebt haben: gemeinsam auf dem Platz zu stehen. Es würde einen Kreis schließen, der vor 18 Jahren seinen Anfang in der kleinen Straße auf dem Heilsberg genommen hat.

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