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Thomas Geier ist seit fast zwei Jahrzehnten Trainer bei den Sportfreunden Oberau, seit eineinhalb Jahren hat er die Verantwortung für die erste Mannschaft, die in diesem Jahr in der Gruppenliga Frankfurt-Ost an den Start geht.

Fußball

Dieser Gruppenligist setzt auf Jugend statt auf Geld

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Die Sportfreunde Oberau sind einer von zwei Vertretern des Büdinger Fußballkreises auf überregionaler Ebene. Die Kicker aus dem Altenstädter Stadtteil haben dabei ein ganz eigenes Erfolgsrezept.

Als souveräner Meister der Fußball-Kreisoberliga Büdingen sind die Sportfreunde Oberau nach sechs Jahren Abstinenz zurück in der Gruppenliga Frankfurt-Ost. Die Mannschaft aus dem Altenstädter Stadtteil hatte in den vergangenen Jahren zwar immer oben mitgespielt, war aber entweder in der Relegation gescheitert oder hatte gleich ganz auf den Aufstieg in die überregionale Spielklasse verzichtet. Nun aber kam der Sprung. Trainer Thomas Geier spricht im Interview über die Gründe für den Schritt, das Oberauer Erfolgsrezept und die sportlichen Perspektiven in der Region.

Herr Geier, zum Saisonstart gab es ein 2:2 bei Türk Gücü Hanau, ein 1:5 gegen den SVG Steinheim und ein 1:2 gegen den VfB Oberndorf. Wie lautet das erste Fazit?

Thomas Geier:Die wichtigste Erkenntnis ist, dass wir mitspielen können. Wir haben uns hier und da verstärkt, sind aber insgesamt eine junge Mannschaft, die sich noch etwas an das Tempo in der Gruppenliga anpassen muss. Unsere Abwehr besteht etwa aus vier Jungs, die 18, 19, 20 und 19 Jahre alt sind. Sie müssen noch dazulernen. Aber die Mannschaft ist talentiert und in meinen Augen auch tauglich für die Liga. Wir müssen nur unsere Lehren aus den Spielen ziehen.

Wie kam es dazu, dass jetzt die Gruppenliga doch in Angriff genommen wurde, nachdem ein Aufstieg in den vergangenen Jahren kein Thema gewesen war?

Geier:Wir haben vor einigen Jahren auf den Aufstieg verzichtet, was hohe Wellen geschlagen hatte, da dadurch mehr Mannschaften aus der Kreisoberliga und den unteren Spielklassen absteigen mussten, weil sonst auch niemand nachrücken wollte. Damals waren wir die Buhmänner. Wir haben heute eine gute Infrastruktur, ein Großteil unserer Spieler hat einen Oberauer Hintergrund, worauf wir sehr viel Wert legen, und wir haben die Perspektiven, jedes Jahr weitere Nachwuchsspieler aus der A-Jugend zu bekommen. Wir wollen es so lange wie möglich mit der eigenen Jugend schaffen.

Sie haben vor eineinhalb Jahren das Amt des Trainers der ersten Mannschaft übernommen, sind aber bereits seit 17 Jahren als Coach in Oberau aktiv. Ein Vorteil?

Geier:Absolut. Ich kenne die meisten Spieler bereits über Jahre - viele, weil ich sie in der Jugend selbst trainiert habe. Außerdem ist mir das Umfeld sehr vertraut, es ist für mich weniger ein Trainerjob, eher wie eine zweite Familie. Ich habe außerdem nicht das Bedürfnis, mich profilieren zu müssen, weil ich schon lange hier in Oberau bin. Zudem ist Sport als Inhaber eines Fitnessstudios mein Beruf. Ich weiß, wie man eine Mannschaft fit bekommt, wie man sie einstellen muss, wie man das Training steuert, wie man die Jungs anspricht, aber auch, wie man Prävention vor Verletzungen betreibt.

Was macht die Jugendarbeit in Oberau so gut?

Geier:Unsere B- und C-Junioren spielen Gruppenliga, die A-Junioren Kreisliga, obwohl sie auch das Zeug für mehr hätten, aber wir setzen die Spieler auch gerne schon vorher in erster und zweiter Mannschaft ein, um sie heranzuführen. Oberau ist mittlerweile eine Anlaufstelle in der Region, weil es aus Hanau und Frankfurt gut zu erreichen ist und wir lizenzierte Trainer haben. Bei uns wird sehr auf die Jugendarbeit gesetzt. Das war schon immer so, dafür ist Oberau bekannt. Wir wollen es gemeinsam mit unseren Jungs schaffen, anstatt mit viel Geld für Spieler um uns werfen. Entweder wir schaffen so den Klassenerhalt oder wir steigen eben wieder ab. Aber ich bin überzeugt davon, dass wir es packen können.

Oberau ist mit dieser breiten Jugendarbeit aber durchaus eine Seltenheit im Büdinger Fußballkreis.

Geier:Das stimmt. Im Nachwuchsbereich ist es für viele Vereine schwierig geworden. Wenn man überlegt, dass wir rund 70 Seniorenmannschaften haben, aber nicht einmal zehn A-Jugend-Teams, dann kann man sich ausrechnen, dass im Schnitt nicht einmal ein Spieler pro Jahr und Mannschaft aus der Jugend zu den Senioren kommt. Aus diesem Grund wird es auch im Erwachsenenbereich immer mehr Spielgemeinschaften geben, wie es sie jetzt schon im Jugendbereich gibt. Der Fußball ist eben nicht mehr wie vor 20 oder 30 Jahren, aber die Vereinsstrukturen sind vielerorts so geblieben. So kann man nicht auf Kinder und Jugendliche eingehen und sie abholen - von ehrenamtlichen Helfern mal ganz zu schweigen.

Und auch das scheint in Oberau ja noch gut zu funktionieren.

Geier:Im Umfeld ist hier in der Tat alles gegeben. Aber auch wir merken, dass es immer schwieriger wird, an Spieltagen unser Verkaufshäuschen zu besetzen, denn da wir meist mehr als 100 Zuschauer haben, brauchen wir dort auch die entsprechende Manpower. In Bezug auf die Zuschauerzahlen geht es uns im ländlichen Bereich andererseits etwas besser als Klubs aus der Stadt.

Wie attraktiv ist die Gruppenliga für einen Verein wie Ihren?

Geier:Wir versuchen uns in der Liga zu etablieren, denn daran hängen auch Infrastrukturprojekte wie etwa der Bau eines Kunstrasenplatzes, über den gerade diskutiert wird. In der Umgebung merke ich aber schon, dass es einige Spieler gibt, die locker Gruppenliga spielen können, jedoch nicht den Ehrgeiz dafür haben und lieber in der Kreisoberliga kicken, wo sie weniger trainieren müssen und kürzere Wege haben. Wir finanzieren uns außerdem fast nur über Vereinsaktivitäten, haben keinen Hauptsponsor. Somit können wir auch nicht mit exorbitanten Summen um uns werfen, aber das wollen wir ja auch gar nicht. Wir müssen in der Liga jedes Wochenende ans Limit gehen, aber das haben wir so gewollt und das nehmen wir jetzt auch so an. Für mich ist die Gruppenliga jeden Sonntag ein Highlight.

Am Samstag (18 Uhr) steht das Spiel gegen den anderen Büdinger Vertreter in der Liga, den VfR Wenings, an. Ein Derby?

Geier:Eher nicht, die Vereine sind schließlich 30 Kilometer auseinander. Aber es ist der andere Büdinger Vertreter und wir kennen uns aus gemeinsamen Zeiten in der Kreisoberliga sehr gut. Medial wird es natürlich sicher zum Derby stilisiert, doch es geht für uns vor allem aus sportlicher Sicht darum, unbedingt zu gewinnen, um nicht von Anfang an unten hineinzurutschen.

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