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»Diese Chance bekommt man nicht alle Tage«

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(mn) Sven Gerbig hatte vorsichtshalber schon die »Feier-Schuhe« angezogen. »Die Jungs werden heute das Endspiel klar machen«, war der Nieder-Mörler, der den Eishockey-Oberligisten EC Bad Nauheim Mitte Dezember letzten Jahres in Richtung Frankfurt verlassen hatte, bereits vor dem ersten Bully sicher und konnte am späten Abend mit seinen ehemaligen Mitspielern auf den Final-Einzug anstoßen.

Im VIP-Raum meldete derweil das Handy von Wolfgang Kurz eine Glückwunsch-SMS; Oliver Seeliger, der ESBG-Geschäftsführer, gratulierte dem Alleingesellschafter der Spielbetriebs GmbH zum Final-Einzug der Roten Teufel, denen auch im tief im Osten der Republik ganz fest beide Daumen gedrückt worden waren: »Ich freue mich, dass Bad Nauheim im Endspiel steht. Hoffentlich sehen wir uns im nächsten Jahr in der zweiten Bundesliga. Macht weiter so«, forderte Carsten Gosdeck beim nächtlichen Eintrag in das Fan-Forum der offiziellen GmbH-Homepage, und am Morgen meldete sich schließlich Ex-Marketing-Leiter Matthias Broda in der WZ-Sportredaktion, wollte seine Freude über das Erreichte kund tun und zugleich etwas von der Stimmung auffangen, wird doch in der Wetterau in diesen Tagen - mit dem 3:0-Halbfinal-Erfolg gegen Rostock und dem Final-Einzug (ab Gründonnerstag) - ein Kapitel Eishockey-Geschichte geschrieben.

»Wer hätte denn in der ersten August-Woche geglaubt, dass wir heute hier stehen und uns für das Finale qualifiziert haben«, fragte Fred Carroll am Dienstagabend in die Runde. Mit Beifall war der 46-jährige Kanadier, der mit dem Final-Einzug zugleich den größten Erfolg seiner eigenen Trainer-Laufbahn feiern kann, von den Werbepartnern zu der obligatorischen Pressekonferenz empfangen worden ist. »Eine solche Chance bekommt man nicht alle Tage. Jetzt werden wir alles tun, um den Titel auch zu gewinnen«, sagt der Coach.

Seiner Mannschaft, die den Erfolg zunächst mit den Fans im Stadion und später bis in die frühen Morgenstunden bei Rolf »Pilo« Knihs im »P 13« am Marktplatz gefeiert hat, gewährt er bis Donnerstagabend frei. Eine Stunde werde man ausschwitzen, ab Montag solle dann gezielt die Vorbereitung für die Final-Serie beginnen. Hannover oder Herne? »Egal«, sagt Carroll. »Wir bleiben mit beiden Füßen auf dem Boden.« Aber Überraschungen habe es im Sport schon immer gegeben, sagt er, sich der Außenseiterrolle sehr wohl bewusst.

»Von meiner Seite gibt’s keinen Druck. Die Jungs haben es selbst in der Hand, diese Möglichkeit zu nutzen. Und wenn das tatsächlich gelingt, dann sind auch wie in der GmbH gefordert, uns Gedanken zu machen«, will Wolfgang Kurz (noch) nicht über Eventualitäten bezüglich eines möglichen Aufstiegs oder einer Rolle als Nachrücker nachdenken, sondern den Augenblick genießen. »Ein schönes Gefühl.«

Um 22.25 Uhr hatte sich die Entspannung am Dienstagabend in Jubelschreien entladen. Drei Sekunden vor Schluss hatte Bad Nauheim, nur eine knappe 4:3-Führung im Rücken, ein letztes Bully im Spieldrittel der Piranhas erzwungen - die Entscheidung. Mit der Sirene nahmen die Roten Teufel Daniel Wrobel, ihren Torwart, in die Mitte. Der 23-Jährige strahlte auch in Partie drei die erhoffte Souveränität aus und war gemeinsam mit Lanny Gare (an zehn der 16 Treffer beteiligt) in dieser Serie prägend. »Die Jungs haben Vertrauen in sein Spiel - und einen starken Torwart braucht man in den Playoffs«, sagt Fred Carroll, der auch gleich eine Erklärung für das Leistungs-Hoch seiner eigentlichen Nummer zwei parat hatte - die Semester-Ferien. »Daniel hat den Kopf frei für den Sport und kann an jedem Training teilnehmen.

Das macht sich natürlich bemerkbar.« Insbesondere seine Parade gegen Kevin Richardson, der beim Stand von 1:0 in Unterzahl alleine auf ihn zugesteuert war, hatte besondere psychologische Bedeutung. »Daniel hatte im Saisonverlauf etwas Pech, wurde auch durch Verletzungen zurückgeworfen. Jetzt kommt er langsam dorthin, wo ich ihn gerne haben möchte. Dass er dies drauf hat, wusste ich.«

Frühestens am Freitag, vielleicht auch erst am Sonntag, wird der Endspiel-Gegner ermittelt sein, erst dann wird man wissen, ob die Serie in der Fremde (im Fall Hannover) beginnt oder zuhause (im Fall Herne). »Wir werden mit Kopf und Herz an die Aufgabe herangehen. Und am Ende wird man sehen, was dabei herauskommt.« Vielleicht gelingt den Roten Teufeln - passend zum Osterfest - eine Überraschung.

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