Sophie Mierendorff leitet bei der TG Friedberg den Kurs "Fit für den Alltag" - eines der beliebtesten Angebote.
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Sophie Mierendorff leitet bei der TG Friedberg den Kurs »Fit für den Alltag« - eines der beliebtesten Angebote.

Corona-Lockdown

Die TG Friedberg im Winter 2020/21: Der Wunsch nach Gemeinschaft

  • Christoph Sommerfeld
    vonChristoph Sommerfeld
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Isolation, Fernseher an, Karl Lauterbach mahnt. Menschen treffen mit WhatsApp. Kamera läuft, Zoom-Training auch, Hoffnungsschimmer. Echter Sport zu zweit, Halle zu, Halle offen. Corona soll vorbei sein. Ein Blick aufs Klubleben im Winter 2020/21.

Sabine Reese ist seit eineinhalb Jahren Vereinsmanagerin bei der Turngemeinde Friedberg und damit die einzige hauptamtlich tätige Person im Klub. Die Pandemie wurde vor knapp einem Jahr zu ihrer Feuertaufe - und ist es noch heute. Immerhin gehören aktuell 1600 Mitglieder zur TG. Und die können - auch in Corona-Zeiten - eine Gegenleistung für ihren Beitrag verlangen. Mit Online-Kursen und dem einen oder anderen Präsenz-Angebot meistert der Verein die Krise.

Die meisten TGler zeigen sich solidarisch. Die Mitgliederanzahl hat sich zwar während der Pandemie leicht zurückentwickelt. »Die Zahl der Kündigungen ist aber auf einem konstanten Niveau, uns fehlen eben die Neueintritte«, erklärt Reese.

TG Friedberg setzt in Zeiten des Lockdown unter anderem auf Online-Training

Damit der Klub interessant bleibt und auch in Zeiten von Corona-Verordnungen, Ausgangssperren und Kontaktbeschränkungen eine Art Refugium für die Menschen sein kann, setzen die Verantwortlichen um Reese und Klaus Heuser (Vorsitzender) - wie viele andere Vereine - u. a. auf Online-Training. Ob Stretching mit Esther, Zoom-Gymnastik mit Werner oder Yoga Sanft mit Sabine. Schon der Blick auf die TG-Homepage hält für die meisten etwas bereit.

»Die Kurse aus der Gymnastik-Abteilung sind nur für die Mitglieder kostenlos. Nicht-Mitglieder erhalten von uns auf Wunsch die Zugangsdaten und können schnuppern, müssten aber für eine dauerhafte Teilnahme beitreten«, sagt Sabine Reese. Andere Angebote sind sowohl für TG-Sportler als auch für Externe vorgesehen. Letztere zahlen eine leicht erhöhte Kursgebühr.

Grundsätzlich sind die Friedberger recht zufrieden mit der Resonanz. »Die Kurse werden gut angenommen, aber nicht so gut, wie man das in Präsenz erwarten würde«, bilanziert die Vereinsmanagerin. Sehr beliebt ist »Fit für den Alltag« - ein Alltagsfitness-Training mit Aufwärmen, Kräftigung, Athletik und Cool Down. Doch nicht mit allen Angeboten rennt man bei den Leuten sprichwörtlich die Türe ein. »Yoga bedarf recht viel Korrektur durch den Übungsleiter. Das ist vor dem Bildschirm natürlich schwierig«, relativiert Reese. »Auch Mama-Fitness ist speziell. Junge Mütter mit Babys suchen eigentlich den direkten Austausch. Aber wir sind froh, dass das dennoch von einigen Frauen angenommen wird.«

TG Friedberg: Training in Kleinstgruppen als Vorgeschmack auf die Normalität

Auf die Frage nach der Zukunft von Internet- oder Video-Training hat Sabine Reese, die 25 Stunden pro Woche hauptamtlich für den Verein tätig ist, eine klare Antwort. Während einige den Corona-bedingten Online-Boom für den Anfang einer neuen Methodik-Ära halten, will die TG-Managerin davon nichts wissen. »Das Feedback aus den Abteilungen ist eindeutig. Alle vermissen das Zusammensein und das aktive Erleben einer Gemeinschaft. Das kann Zoom nicht ersetzen.« Auch den möglichen Vorteil für die ältere Generation, die sich in den eigenen vier Wänden womöglich leichter zur Bewegung aufrafft als in einer Gruppe (mit Jüngeren), hält sie nicht für das schlagende Argument. »Die älteren Mitglieder werden mit dem Online-Training gar nicht angesprochen. Bei uns nutzen das die ganz Jungen bis hin zu den Mitte-60-Jährigen.«

Einen Vorgeschmack auf die Zeit nach der Pandemie lieferten im Sommer einige wenige Aktivitäten auf dem Vereinsgelände unweit der Seewiese, das neben zwei Tenniscourts einen großen Asphaltplatz zu bieten hat. Auch aktuell gibt es ein paar unerschrockene Mitglieder, die im Rahmen der Möglichkeiten ein Vor-Ort-Training nutzen. Die Badminton-Abteilung hat einen Reservierungsplan für eine Halle erstellt, die Sportler treffen sich da und spielen jeweils zu zweit. Auch die Handballer üben mitunter zu zweit. Einer der Coaches gibt sogar nacheinander Einzeltraining für die Kinder. »Das ist aber nur möglich, weil die Stadt Friedberg die Hallen geöffnet hält«, erklärt Reese. Nicht jede Kommune zeigt sich flexibel, obwohl die hessische Landesregierung Amateur- und Freizeitsport alleine, zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Hausstands auf und in allen Sportanlagen ausdrücklich erlaubt - und das in dieser Form schon seit November.

Den Kontakt zu den Mitgliedern hält die Vereinsführung in einem der größten Sportklubs der Wetterau vor allem durch die Kommunikation innerhalb der einzelnen Abteilungen. Facebook- und Instagram-Kanäle werden regelmäßig bespielt. Die Homepage ist topaktuell. Reese, Heuser und Co. steuern den Informationsfluss aber auch mithilfe von WhatsApp-Gruppen. Die Abteilungsleiter tragen die Nachrichten dann weiter. »Außerdem ist derzeit eine vereinseigene App in Arbeit«, verrät Sabine Reese.

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