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Bilder, die in Zeiten der Pandemie für Kritik sorgen: Die Spieler des FC Bayern München - hier bei der Ankunft am Flughafen Doha - sind ungeachtet von Risikoeinschätzung und Quarantäne-Regeln für die FIFA-Klubweltmeisterschaften nach Katar gereist.

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Die Politik ist gefordert

  • vonThomas Brannekämper
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Klub-WM und Champions League samt Reisen ins Ausland hier, harter Lockdown da - die Diskrepanz zwischen Profi- und Amateursport in Zeiten der Coronavirus-Pandemie könnte nicht größer sein als im Fußball. Bei uns beziehen vier Wetterauer Stellung.

Der FC Bayern München ist Klub-Weltmeister, diesen sechsten Saisontitel hat das bajuwarische Starensemble von seinem Mannschaftsausflug in das Emirat Katar mitgebracht. Richtig, aus eben jenem Katar, welches vom Bundesaußenministerium als Risikogebiet während der anhaltenden Coronavirus-Pandemie geführt wird. Doch statt wie jeder andere Einreisende nach der Rückkehr zehn Tage Quarantäne einhalten zu müssen, stand vier Tage nach dem Finale am Montagabend das Meisterschaftsspiel gegen Arminia Bielefeld an. Und auch die UEFA-Champignons League startet in dieser Woche mit den K.o.-Spielen. RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach werden ihre »Heimspiele« gegen den FC Liverpool und Manchester City nun in Budapest austragen, die TSG Hoffenheim reist in der Europa-League zum »Auswärtsspiel« gegen Molde FK aus Norwegen ins spanische Villarreal.

Unterdessen befinden sich hierzulande die Amateurfußballer weiterhin im Winterschlaf. Klare Aussagen zum weiteren Vorgehen bei Re-Start der Meisterschaftsrunden gibt es mangels Perspektiven vonseiten der Politik bislang noch nicht. Lediglich einem konkreten Vorschlag für einen stufenweisen Wiedereinstieg in den Sportbetrieb vom Landessportbund Hessen unter dem Titel »Corona Sportampel Hessen« ist an die Landespolitik versendet worden.

Um zu klären, wie die Diskrepanz zwischen Profi- und Amateursport wirklich an der Basis ankommt und wie die dortige Meinung ausfällt, haben wir bei verschiedenen Fußballvereinen aus der Wetterau nachgefragt:

Rainer Pausch, Trainer VfB Friedberg: »Wir im Amateursport verzichten auf sehr viel zur Zeit. Und dann sieht man, wie im Profisport agiert wird. Heute wird in Katar gespielt, kurz darauf heißt der Gegner Bielefeld. Das ist nicht für alle verständlich. Der Fußball wird im Profibereich über alles gestellt, Quarantäneregeln gelten hier nicht. Meiner Meinung nach geht es hier immer mehr um Geld, schon lange nicht mehr um den Fußballsport als solchen. Es hätte gereicht, wenn man die Bundesliga zu Ende gespielt und auf internationale Vergleiche verzichtet hätte. Hier ist die Politik gefragt, für einheitliche Regeln zu sorgen. Und auch die nationalen sowie internationalen Verbände hätten gut daran getan, sich etwas mehr zurückzunehmen.«

Nils-Arne Wielpütz, Trainer SV Ober-Mörlen: »Mit Sicherheit ist es gegenüber dem normalen Arbeitnehmer, der gerade mit Kurzarbeit oder gar Arbeitslosigkeit kämpft, schwer zu vermitteln, warum der Profizirkus einfach weitergeht. Doch sind Fußballer auch nur Angestellte ihres Vereines. Und diese agieren wie andere Wirtschaftsunternehmen auch. Hier müsste vielmehr seitens der Politik für klare Regeln gesorgt werden. Und auch die ganzen Verbände sollten nicht immer nur nach der Maxime »The show must go on« handeln. Für mich ist es viel problematischer, wie manche Sachen an der Basis laufen. Es ist für mich nicht ersichtlich, warum in den Jugendleistungszentren weiterhin der Trainingsbetrieb aufrechterhalten wird, während alle anderen Amateurfußballer zu Hause sitzen. Hier werden die Regeln der Politik seitens der Profivereine sehr einseitig ausgelegt. Es wäre wünschenswert, wenn Rahmenbedingungen geschaffen würden, auf die man als Verein aufsetzen kann. Es wird schließlich nicht einfacher, Spieler im Senioren- und Jugendbereich als Vereinsmitglieder zu behalten.«

Florian Fünffinger, Trainer und Vorsitzender FSG Burg-Gräfenrode: »Ich bin in dieser Sache zwiegespalten. Zum einen ist der Fußball zur Zeit eine willkommene Abwechslung. Doch eine Klub-WM in Katar halte ich nicht für notwendig. Und selbst Champions-League-Spiele halte ich für grenzwertig. Fakt ist, dass im Profifußball viel Geld unterwegs ist und die Vereine Wirtschaftsunternehmen sind. Hier hätte es seitens der Politik klare Regeln geben müssen. Ebenso sind die Verbände hier in der Pflicht, mit dem nötigen Weitblick zu entscheiden - zum Wohl der Vereine, aber auch um den Kontakt zu Fans und Sportlern an der Basis nicht zu verlieren. Ich würde mir insgesamt viel mehr Vertrauen der Politik in den Amateursport wünschen. Wir haben alles Mögliche an Hygienekonzepten erstellt und umgesetzt. Es wäre schön, wenn die Politik den Rahmen für vernünftige Trainingsmöglichkeiten definiert.«

Stefan Hiecke, Trainer FC Ajax Rödgen: »Ich finde es schon problematisch, das im Profibereich trainiert wird wie vorher auch. Meiner Meinung nach hätte auch hier ein Lockdown Sinn gemacht. Aber dies zeigt deutlich, das Millionengeschäft Fußball dreht sich weiter. Die Vereine brauchen Fernsehgeldern zum Überleben. Die fehlenden Zuschauer- und Marketingerlöse sind schon schwerwiegend genug. Der nationale Spielbetrieb kann aus meiner Sicht auch weitergehen, aber Spiele, die mit Reisen ins Ausland verbunden sind, sollte man kritisch betrachten. Doch hier fehlt ein klares Signal seitens der Politik und Verbände. Wichtiger für uns Amateure wäre es, wenn man uns langsam ein Öffnungskonzept an die Hand geben würde, damit auch wir wissen, wie und wann es für uns weitergehen kann.«

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