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Die Trainer der neu gegründeten HSG Butzbach, wie hier Till Strödter (Mitte), bekommen ein Konzept vom Verein vorgelegt, um im Jugendbereich ein Stück weit Einheitlichkeit in die Ausbildung zu bekommen. ARCHIVFOTO: JAUX

Die Krise als Chance verstehen

  • vonPeter Hett
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Die vor einem Jahr neu gegründete HSG Butzbach hat die Corona-Krise genutzt, um sich im Jugendbereich neu aufzustellen. Ein überarbeitetes Konzept für die Nachwuchsarbeit soll den Erfolg langfristig sichern. Doch ein Problem kann auch das nicht lösen.

Seit einem Jahr ist an der Basis des Handballsports der Spielbetrieb zum Erliegen gekommen. Vereine und Trainer fürchten um ihre Existenz. Diejenigen, die am Ende als Verlierer dastehen werden und Corona als den Schuldigen ausmachen, haben jedoch in vielen Fällen ihre Hausaufgaben bereits vor Beginn der Pandemie nicht gemacht und vergessen, dass aus Schlechtem auch Gutes entstehen kann. Denn Krisen bieten auch Chancen, die es zu nutzen gilt. In einem ergebnisorientierten Sport haben Vereine derzeit die nötige Zeit und Ruhe, zurückliegende Jahre zu überdenken, eventuelle Fehler zu analysieren und neue Grundlagen zu schaffen.

Die am 1. Juli 2020 neu gegründete HSG Butzbach, die aus einem Zusammenschluss des HSV Butzbach-Degerfeld und der HSG Kirch-/Pohl-Göns/Butzbach resultiert, hat die handballfreie Zeit effektiv genutzt. Ein vor zehn Jahren erarbeitetes “Rahmenkonzept für die Jugendausbildung„ wurde komplett überarbeitet und dieser Tage in einer Videokonferenz den Jugendtrainern der Spielgemeinschaft vorgestellt. Von Oktober bis März haben Carsten Dannwolf, der Vorsitzende der HSG, und Till Strödter, Mitglied im Jugendausschuss und Trainer der weiblichen B-Jugend, in mehr als 50 Stunden daran gearbeitet, 40 eng beschriebene DIN- A 4-Seiten zusammenzustellen, um das Vereinsleben, vor allem im Jugendbereich, für die Zeit nach der Pandemie nachhaltig zu festigen.

Es kommt nicht auf die Liga an

Das Konzept verfolgt einen langfristigen Ansatz. Kurzfristige Erfolge in der Jugend durch einen zu leistungsorientierten Ansatz sind nicht der Sinn. “Wir haben uns für den Jugendbereich nicht auf die Fahnen geschrieben, unbedingt gewisse Spielklassen zu erreichen„, betont Dannwolf, für den Jugendarbeit den Herzschlag des Vereins darstellt und ergänzt: “Die Erfahrungen der vergangenen Jahre mit dem alten Konzept haben aber bereits gezeigt, dass sich Mannschaften der HSG als Ergebnis daraus kontinuierlich für die Bezirksoberliga und zum Teil auch für höhere Klassen qualifizieren können.„

Mit dem Exposé erhalten die Trainer einen Leitfaden, der die unterschiedlichen Trainingsinhalte in allen Altersstufen aufzeigt. Es orientiert sich zwar an der Rahmentrainingskonzeption des Deutschen Handballbundes, ist aber auf die Gegebenheiten vor Ort angepasst. “Das Konzept gibt von den Minis bis zur A-Jugend und darüber hinaus neben den Trainingsinhalten in den Bereichen Technik, Taktik, Athletik sowie Motorik und Koordination systematisch aufeinander abgestimmte Ausbildungsziele für die einzelnen Jahrgangsstufen vor„, erläutert Dannwolf den Aufbau. Was ihm aber ebenso wichtig erscheint, ist die Wertevermittlung, die in einem ausführlichen Vorwort Platz findet.

Ein solches Konzept zu verfassen ist eine Sache, eine andere ist es sicherlich, zu gewährleisten, es in der Praxis auch möglichst perfekt umzusetzen. Um Jugendwart Arnd Steckenreuter, der mit annähernd 150 Jugendlichen unter seinen Fittichen ohnehin schon das wohl arbeitsintensivste Amt im neunköpfigen HSG-Vorstand innehat, nicht gänzlich zu überfordern, wurde ein sechs Personen starker Jugendausschuss ins Leben gerufen, der ihn unterstützt. Neben diesem wichtigen Gremium gibt es zusätzlich noch zwei gewählte Jugendsprecher, die den Sitzungen des Jugendausschusses themenbezogen beiwohnen und die Meinung der Jugendspieler vertreten. “Wir sehen uns bei der HSG als Ausbildungsverein und wollen daher der Jugendausbildung klare Rahmenbedingungen geben. Wir haben zum Teil auch Trainer, die keine Scheine haben, denen wollen wir etwas an die Hand geben, damit sie wissen, was eigentlich von ihnen erwartet wird„, verdeutlicht Dannwolf.

Hoffnung auf Zulauf von Trainern

Ihm ist wichtig, dass die differenzierte Ausbildung, von zum Beispiel einer Spielerin der weiblichen D-Jugend im Vergleich zu einem männlichen A-Jugendspieler, deutlich wird. Das mit dem Konzept der Anspruch verwirklicht werden soll, die bestmöglichen Trainer im Jugendbereich zu haben, wird nicht verleugnet. Dannwolf unterstreicht aber nachdrücklich, dass hier lediglich ein Rahmen vorgegeben wird, indem sich die Trainer bewegen sollen, der dann individuell ausgelegt werden darf. Der Hoffnung mit dieser nun vorliegenden Konzeption vielleicht sogar neue Trainer zu finden, die bei der engagierten Jungendarbeit der HSG mitmachen wollen, verleiht er Nachdruck. “Durch Corona gibt es immer mehr Menschen, die feststellen, dass sie den Handball nicht mehr unbedingt zu brauchen. Daher haben wir noch zwei Mannschaften, bei denen wir auf Trainersuche sind und freuen uns auf jeden, der bei uns mitmachen möchte„, betont er.

Vonseiten der HSG sind die Grundlagen für eine weiterhin erfolgreiche Jungendarbeit damit gelegt. Ein ungelöstes Problem besteht noch in Bezug auf die Trainingszeiten. “Unsere Möglichkeiten sind für 13 Jugend- und fünf Aktivenmannschaften in der Kirch-/Pohl-Gönser Mehrzweckhalle ausgereizt. Teilweise trainieren wir mit zwei Mannschaften und bis zu 40 Leuten gleichzeitig„, beschreibt der HSG-Vorsitzende das Problem. “Unsere erfolgreiche Jugendarbeit hat den Nachteil, dass wir nicht genügend Hallenzeiten haben, wir hoffen aber das Problem gemeinsam mit der Stadt Butzbach zu lösen.„

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