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Die Baustellen des TV Petterweil

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Von: Peter Hett

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Die fehlende Variabilität im Wurfverhalten hat Gebhard Fink als Petterweiler Problem ausgemacht. Hier zieht Stephan Pletz im Spiel gegen die SG Bruchköbel ab. © Nicole Merz

Gebhard Fink spielte und coachte einst beim TV Petterweil. Heute steht er Trainer Martin Peschke beratend zur Seite. Im Interview nennt »Gebi« die größten Probleme, die der Oberligist derzeit hat.

(hep). Der TV Petterweil ist einer dieser typischen Dorfvereine, die im deutschen Handball haufenweise anzutreffen sind. Namen wie Will, Jann, Kunkel, Peschke, Fink und Koffler sind untrennbar mit dem heutigen Oberligisten verbunden. Diese Menschen prägten den Verein und sind aus dessen Historie nicht mehr wegzudenken. Nach fünf Pflichtspiel-Niederlagen in Serie hat uns einer davon, nämlich Gebhard Fink, Rede und Antwort gestanden. Er versucht, den derzeitigen Negativtrend zu erklären.

»Gebi« hat in der Handballszene einen hohen Bekanntheitsgrad. Weshalb das so ist, zeigt ein Blick auf seinen sportlichen Werdegang. Der heute 61-Jährige kam beim TVP schon mit fünf Jahren zum Handball. Gleich im ersten Jahr bei den Aktiven stieg er 1978 mit dem Verein in die Oberliga auf. Danach wechselte er zum aufstrebenden SV Seulberg in die Nachbarschaft. Dort spielte er drei Runden in der Oberliga, unter anderem mit dem 127-maligen ungarischen Nationalspieler Istvan Varga. 1982 erfolgte dann die Rückkehr nach Petterweil. Nach einem Jahr in der Regionalliga wechselte er in die 2. Bundesliga zum TV Hüttenberg. Er blieb dort bis 1988. Danach zog es ihn weiter zum TV Eitra, mit dem er in vier Spielzeiten von der Oberliga bis in die Bundesliga aufstieg. Die Rückkehr nach Hüttenberg erfolgte 1992. Nach weiteren vier Jahren ging es zurück zu den Wurzeln nach Petterweil. Ab 1996 war »Gebi« Fink dort maßgeblich am sportlichen Weg des Vereins von der Bezirksliga bis in die Regionalliga beteiligt, in der er noch ein Jahr als Spieler dabei war.

Nach seinem Abschied als Aktiver begann er 2003 beim TSV Södel als Trainer. Nach einem Jahr kehrte er erneut nach Petterweil zurück - als Regionalliga-Coach. 2007 stand der letzte Wechsel zur TSG Offenbach-Bürgel an. Aufgrund einer beruflichen Neuorientierung war 2008 Schluss mit dem Trainer-Dasein.

Mit Beginn der laufenden Spielzeit entdeckte Fink jedoch seine »alte Liebe« wieder und fungiert in Petterweil für Coach Martin Peschke in vielerlei Hinsicht als eine Art verlängerter Arm, der ihm in Training und Spiel gerne mit Hinweisen zur Seite steht.

Herr Fink, was zeichnet den TV Petterweil aus, was macht den Verein so besonders für Sie?

Da ist die gute Jugendarbeit. Es kommen immer wieder Spieler aus dem Nachwuchs, die in der ersten Mannschaft zu Stützen werden. Daneben sind es die vielen ehrenamtlichen Helfer. Es ist beeindruckend, was beispielsweise Leute wie Albert Kunkel oder Karl-Heinz Balser leisten. Auch viele andere sind immer wieder dabei. Wenn es im Verein Probleme gibt, werden immer auch Lösungen gefunden.

Aktuell stehen sportlich fünf Niederlagen in Folge zu Buche. Was läuft falsch?

Die haben wir uns selbst zuzuschreiben, auch durch unser Abwehrverhalten. Dort wird zu wenig miteinander gesprochen, mir ist das zu ruhig. Gerade in einer 6:0-Formation muss mehr miteinander gesprochen und gearbeitet werden. Die im letzten Jahr zurückgetretenen Spieler waren eine Einheit, jetzt haben wir einen neuen Mittelblock, der nach einem halben Jahr noch nicht eingespielt ist. Ich hatte erwartet, dass unsere neuen Spieler mit höherklassiger Erfahrung, die im Zentrum decken, schneller zu Häuptlingen werden.

Inwiefern stehen Sie dem Verein und Trainer Martin Peschke mit Ihrer Erfahrung zur Seite?

Wir tauschen uns oft aus und telefonieren nach jedem Spiel miteinander, nachdem wir die Partien aufgearbeitet haben. Dabei fragen wir uns, wo die Fehler sind und wo der Hebel angesetzt werden muss. Probleme derzeit sind die Abschlussschwäche und die technischen Fehler. Der Versuch, den Kreisläufer anzuspielen, obwohl er von mehreren Gegnern zugestellt ist, führt zu unnötigen Ballverlusten. Zu nennen ist zudem die fehlende Variabilität im Wurfverhalten. Wenn zwei identische Würfe gehalten wurden, muss ich woanders hinwerfen.

Wie sind Ihre Erwartungen für das Spiel bei der HSG Wettenberg?

Die Mannschaft ist nach der Niederlagenserie enger zusammengerückt. In der vergangen Woche hat jeder noch mal an sich gearbeitet. Auch interne Gespräche wurden geführt. Die angesprochenen Fehler sind jedem bewusst. Alle schauen nach vorne und gehen mit Vollgas in dieses Spiel. Wichtig wird es sein, so wenig wie möglich technische Fehler zu machen. Wenn wir das nicht schaffen, wird die HSG uns gnadenlos bestrafen.

Weshalb schafft der TVP den Klassenerhalt?

Bereits in der letzten Landesliga-Saison hat die Mannschaft bewiesen, dass sie den Schalter umlegen kann, wenn es drauf ankommt. Schon in Wettenberg wird das Team hoch motiviert hinfahren. Wir hoffen zudem auf viele Petterweiler Zuschauer. Jeder weiß, um was es geht, es ist ein Schlüsselspiel. Generell bin ich davon überzeugt, dass die noch anstehenden Begegnungen mit großer Konzentration angegangen werden. FOTO: HEP

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»Gebi« Fink © Peter Hett

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