Philipp Reuner
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Philipp Reuner

Basketball

Dickes Minus bei Gießen 46ers

  • Ralf Waldschmidt
    vonRalf Waldschmidt
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(ra). Das Schweigen von Aufsichtsrat und Gesellschaftern des Basketball-Bundesligisten Gießen 46ers hat ein Ende. Im Spieljahr 2018/19 hat es bereits ein Etatloch von mehreren Hunderttausend Euro gegeben, die Einnahmen haben die Ausgaben nicht gedeckt. In der aktuellen Saison ist der Etat vollkommen aus dem Ruder gelaufen, das Minus nochmals um mehrere Hunderttausend Euro angewachsen.

Zur Corona- gesellt sich beim Traditionsverein nunmehr auch eine Finanzkrise, die allein aufgrund der Einlagen der Gesellschafter nicht zur Existenzkrise zu werden droht. Dafür - so eines der Aufsichtsratsmitglieder - "schmelzen deren Einlagen dahin". Ein, zwei weitere Spielzeiten mit einem derart ruinösen Wirtschaften würde der Klub nicht überleben.

Aufsichtsrat und Gesellschafter vermeiden - wohl auch aus juristischen Gründen - weiter direkte Ansagen und Schuldzuweisungen. Fakt ist, dass die Geschäftsführer die Verantwortung für die missliche wirtschaftliche Lage tragen und die personellen Konsequenzen gezogen wurden: Nach der - damals überraschenden - Demission vom lange starken Mann bei den 46ers, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb Heiko Schelberg, haben die 46ers zum 30. September auch die Zusammenarbeit mit Philipp Reuner, dem Geschäftsführer Finanzen, aufgekündigt. Im Zuge dessen hat Prokurist Sebastian Jung sein Arbeitsverhältnis gekündigt. Überdies wechselt Thomas Schiffer, als kaufmännischer Leiter seit vergangenem August an der Aufarbeitung der vom Aufsichtsrat im Juni 2019 erkannten Mängel beteiligt, beruflich zu einem Reisedienstleister.

Michael Koch, seit 1. März neuer Geschäftsführer, dürfte sich während seiner ersten Wochen ins kalte Wasser geworfen fühlen. Der 54-Jährige hatte mit der Schelberg-Demission unerwartet viel aufzuarbeiten und in der Corona-Krise stundenlange Video- und Telefonkonferenzen mit Gesellschaftern und Aufsichtsrat zu führen, um die Vergangenheit bewältigen und die Zukunft komplett neu gestalten zu können. Koch muss unter den gegebenen Umständen und ohne die noch nicht absehbaren Folgen von Corona einen neuen Personaletat aufstellen, einen neuen kaufmännischen Leiter und einen zweiten Geschäftsführer suchen und ganz nebenbei mit Trainer Ingo Freyer auch noch ein konkurrenzfähiges Bundesliga-Team zusammenstellen.

Geschichte scheint sich also doch zu wiederholen: Vor der Ära Schelberg herrschte tiefe Sorge um den Gießener Basketball. Das ist nun wieder der Fall. Bei einem offiziell angebenen Etat von 3,5 Millionen Euro ist der Fehlbetrag ein ordentlicher Batzen. FOTO: PV

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