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Ein deutliches Signal für Integration und gegen Rassismus

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(sl) Dem Motto des diesjährigen Sportbundtages »Gesellschaft im Wandel - Herausforderung für den Sport« wurden die Delegierten am Samstag in der Frankfurter Sportschule des Landessportbundes Hessen voll gerecht. Nachhaltig wurde um die besten Lösungen gerungen, die den hessischen Sport befähigen, die Konsequenzen aus dem gesellschaftlichen Wandel zu ziehen und durch entsprechende konstruktive Beschlüsse die zukünftige Arbeit effizienter zu gestalten. Sportkreise und Verbände zogen dabei eindrucksvoll an einem Strang

Nur aus dem Sportkreis Darmstadt kam leichtes Störfeuer, der sich an die in den Tagen zuvor mühsam erarbeiteten Kompromisse nicht gebunden fühlte. Die aus Darmstadt gestellten Ergänzungsanträge blieben jedoch ausnahmslos Makulatur. Der Sportkreis Wetterau hatte mit Thomas Alber (Echzell), Rosel Schleicher (Dauernheim), Rolf Lutz (Florstadt-Stammheim), Klaus Rotter (Bad Vilbel), Jörg K. Wulf (Karben), Helmut Michel (Dauernheim und Manfred Glebe (Karben) sieben Delegierte entsenden können, die im April vom Sportkreistag gewählt wurden.

Zu Beginn hatte lsb h-Präsident Dr. Rolf Müller zahlreiche Ehrengäste aus Sport und Politik begrüßt, darunter auch den Vorsitzenden des Landessportbundes Thüringen. Hessens Sportminister Volker Bouffier nahm dankbar die Offerte an, die Partnerschaft zwischen dem Sport und der Politik zu rühmen. Er würdigte das »unglaubliche ehrenamtliche Engagement« der Mitarbeiter im Sport und betonte, dass im Hessischen Landtag Übereinstimmung herrsche, wenn es um die Belange des Sportes gehe. So sei die vom Sport seit langem geforderte Aufhebung der Deckelung mit der Zustimmung aller Fraktionen im Landtag beschlossen worden. Zur Freude der Delegierten verkündete er die frohe Botschaft, dass es im Haushalt des Landes für den Sport auch im schwierigen Haushaltsjahr 2010 keine Kürzungen geben werde.

Das Sonderprogramm zum Erhalt der Hallenbäder werde ebenfalls fortgeführt.

Präsident Dr. Rolf Hocke stimmte in seinem Bericht zum Sportbundtag die Delegierten auf fünf Problembereiche ein. So sei der demografische Wandel nicht mehr zu übersehen und müsse vom Sport aktiv in alle Planungen einbezogen werden. Die Integration der ausländischen Mitbürger und der Mitbürger mit Migrationshintergrund müsse weiter gefördert werden und der »Schullandschaft« mehr Beachtung geschenkt werden. Das neue Gesundheitsbewusstsein der Bürger müsse für adäquate Angebote im Sport genutzt werden, und bei den Finanzen müsse sich der Sport Gedanken machen, wie die Einnahmenseite über die staatliche Lotterie hinaus verstärkt werden könne. Beitragserhöhungen, die die Vereine betreffen würden, schloss er allerdings vorerst aus.

Die Berichte, die das Präsidium wie in den Vorjahren in einer umfangreichen Broschüre schriftlich fixiert hatte, fanden die Zustimmung der Delegierten. Kritische Nachfragen gab es nicht. Werner Mais, der Ehrenvorsitzende des Hessischen Turnverbandes, verwies lediglich darauf, den Aufgabenbereich »Geschichte« nicht zu vernachlässigen und mahnte eine Archivordnung an, die das Sammeln wertvollen Materials exakt beschreibt.

Die eingebrachten Änderungen zur Satzung hatten es in sich, zumal fundamentale Neuerungen anstanden. Bisher bekannte sich der hessische Sport einmütig zur Freiheit des Gewissens. Nun aber wurde dieser Anspruch deutlich ausgeweitet. Nach den Beschlüssen vom Samstag »wendet sich der Landessportbund gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sowie gegen antidemokratische, nationalistische und antisemitische Tendenzen. Er fördert die Gleichstellung der Geschlechter sowie die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.« Ausdrücklich tritt er für einen dopingfreien Sport ein und unterwirft sich auch den international gültigen Antidoping-Regularien.

Im Bereich seiner Aufgaben wird sich der Landessportbund künftig intensiver den Kernproblemen widmen. Er wird sich einsetzen für einen zukunftsorientierten, humanökologischen Sportstättenbau; für die Schaffung bewegungs- und spielfreundlicher Wohnumfelder; für eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Umwelt durch Sport, Spiel und Bewegung; eine Weiterqualifizierung für das Gesundheitswesen; für die Förderung des Sportabzeichens; für den Aufbau und die Vernetzung von Organisationsstrukturen im Rahmen von Präventionsmaßnahmen; die Auswirkungen des demografischen Wandels stärker zu berücksichtigen; die Entwicklung spezifischer Angebote für den Frauen- und Seniorensport voran zu bringen; und die Kernbereiche Vorschule, Schule und Hochschule stärker zu beachten.

Aufgrund dieser deutlich erweiterten Aufgabengebiete wäre nach Ansicht einiger Delegierter die Reduzierung der verantwortlichen Präsidiumsmitglieder hinfällig geworden. Dennoch einigte sich das Plenum darauf, die Reduzierung auf sieben Mitglieder zu belassen und die neuen Schwerpunkte den Ressorts Bildung und Personalentwicklung sowie dem Ressort Breitensport und Sportabzeichen zuzuschlagen.

Analog dieser Grundsatzentscheidung gaben die Delegierten auch grünes Licht für die direkte Wahl des Vorsitzenden des Landesausschusses für Recht, Steuern und Versicherungen durch den Sportbundtag und die Erweiterung der bisherigen Landesausschüsse um zwei weitere Landesausschüsse mit den Aufgaben »Sportentwicklung, Demografischer Wandel und Integration« sowie den neuen Ausschuss »für Sport in Vorschule, Schule und Hochschule«.

Der Antrag zur Bildung einer »Finanzkommission« wurde einstimmig gebilligt, der Antrag die »Verbände mit besonderen Aufgaben« als stimmberechtigte Mitglieder des Landessportbundes zu führen, scheiterte dagegen erneut. Zu diesen insgesamt 13 Verbänden zählen beispielsweise die DLRG, die DJK, der Betriebssport, der Hochschulsport u.a. Dr. Franz Nitsch, der für den Sportkreis Marburg diesen Antrag eingebracht hatte, zeigte sich nach der Abstimmung (90 Ja-Stimmen und 127 Nein-Stimmen) sehr enttäuscht. Er forderte demonstrativ das neue Präsidium auf, bis zum nächsten Sportbundtag konkrete Vorschläge zu unterbreiten, wie dieses Problem gelöst werden könnte.

Keine Mehrheit fand der Antrag, alle Vereine mit einer Geldstrafe in Höhe von 100 Euro zur Verantwortung zu ziehen, die den »Sportkreistag« bei den Sportkreisen nicht besuchen. Vielmehr wurde der Vorschlag unterbreitet, durch eine interessante Tagesordnung mit Themen, die alle Vereine interessieren, eine bessere Resonanz zu finden.

Positiv behandelte der Sportbundtag dagegen die vorgeschlagenen Änderungen zur Ehrungsordnung. Durch die neuen Beschlüsse wird eine Lockerung der bisherigen stringenten Bestimmungen erreicht und die Möglichkeit gegeben, den Kreis der zu Ehrenden auszuweiten. Dies entspricht deutlich den Bemühungen des Landessportbundes, das Ehrenamt zu stärken.

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