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Voller Vorfreude auf die neue Saison: Die Dortelweiler Gruppenliga-Fußballer Nando Pröckl (l.) und Dominik Steffen. ARCHIVFOTO: NICI MERZ

Fußball-Gruppenliga Frankfurt-West

Der SC Dortelweil und die Suche nach dem Saisonabschluss

  • Philipp Keßler
    VonPhilipp Keßler
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Platz zwei im Vorjahr, Platz eins in der annullierten Saison. Der SC Dortelweilist wurde gleich zweimal von Corona ausgebremst. Nun will der Gruppenligist endlich eine Runde abschließen - am liebsten erfolgreich.

Elf Spiele, zehn Siege, eine Niederlage - Platz eins. Zum Zeitpunkt des Corona-bedingten zweiten Lockdowns Anfang November und der im Frühjahr erfolgten Annullierung der Spielzeit war der SC Dortelweil in der Fußball-Gruppenliga Frankfurt-West so richtig in Fahrt - und selbst im Jahr davor, als die Spielzeit abgebrochen und mittels Quotientenregel gewertet worden war, hatten die Fußballer aus dem Bad Vilbeler Stadtteil mit 45 Punkten aus 21 Spielen auf Rang zwei gelegen. Für einen war die vorzeitige Beendigung der Spielzeiten aber besonders bitter: Trainer Frank Ziegler. Denn er war überhaupt erst zur Saison 2019/20 zum SCD gekommen - und hat nun, vor seinem dritten Jahr, noch nicht eine Spielzeit zu Ende bekommen.

SC Dortelweil: Zielsetzung bleibt unverändert

»Die Schlussphase einer Saison ist besonders - egal, welches Ziel man hat. Für den Nervenkitzel und die Anspannung macht man das alles ja«, sagt er - und schiebt hinterher: »Ich bin mir sicher, dass wir es in der vergangenen Saison geschafft hätten und uns dann über die Früchte eines ganzen Jahres an Arbeit hätten freuen können.« Die Frucht wäre der Verbandsliga-Aufstieg gewesen, den man dem Klub an der Nidda schon öfter zugetraut hatte, der aber nach 2012 - und dem direkten Wiederabstieg - bislang noch kein zweites Mal geglückt ist.

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Und auch für die neue Saison schlägt Hans Wrage, der Sportliche Leiter, lieber erst einmal leise Töne an: »Nach dieser langen Pause ist es noch schwieriger als sonst, ein Ziel auszugeben, aber bei uns bleibt es ohnehin meist relativ gleich: Wir wollen versuchen so weit wie möglich oben mitzuspielen - ob das dann auch so passieren wird, werden wir sehen, wenn es wieder losgeht. Aber natürlich haben wir schon den Anspruch, im obereren Drittel der Tabelle zu stehen. Alles andere wäre nach der vergangenen Saison auch eine Untertreibung.«

SC Dortelweil: Die Mannschaft bleibt komplett zusammen

Das sieht auch Ziegler so. Um dieses Ziel auch in die Realität umzusetzen, hat er schon jetzt ein gewaltiges Pfund auf seiner Seite: Die Mannschaft bleibt komplett zusammen, habe dafür teils lukrative Angebote der Konkurrenz abgelehnt und wird durch den bislang einzigen Neuzugang, Moritz Dechant (kommt vom SV Gronau), ergänzt. »Die letzte Saison hat gezeigt, dass unser Kader gut besetzt ist. Wir wollen ihn noch um ein, zwei Spieler ergänzen, schauen dabei aber weniger auf die Position, sondern eher, dass es auch menschlich passt«, sagt Wrage. Ziegler ergänzt: »Die Jungs sind eine super Gemeinschaft mit toller Kameradschaft und eben keine reine Zweckgemeinschaft. Und wenn man sich so gut versteht, gibt man für seinen Freund eben alles auf dem Platz.« Und obwohl die Qualität schon jetzt hoch sei, sieht er noch Potenzial im Team.

Dies auszureizen sei auch nötig, denn »es wird immer schwerer, den Favoritenstatus jede Woche zu bestätigen«, sagt Ziegler. Der Grund: Viele Mannschaften würden gegen die spielstarken Dortelweiler inzwischen sehr defensiv agieren - und das Team damit hier und da noch vor Probleme stellen, wie etwa der Türkische SV Bad Nauheim, der dem SCD in der vergangenen Saison die einzige Niederlage (1:2) beigebracht hatte. »Das wird definitiv eine Herausforderung«, sagt Ziegler, der aber an seiner Spielweise, mit viel Ballbesitz aus einer stabilen Defensive und über spielstarke Sechser schnell und zielstrebig nach vorne zu kombinieren, festhalten will. Einen Vorteil sehen Wrage und Ziegler diesbezüglich in der Tatsache, dass bei der Rückkehr in den Spielbetrieb Abläufe und Automatismen in einem eingespielten Team schneller wieder zurückkehren sollten.

SC Dortelweil: Was wird aus Co-Trainer Julian Mistetzky?

Die einzige wirklich offene Frage ist beim SCD weiterhin die nach der Zukunft von Julian Mistetzky, der dem Klub als Spieler zwar in jedem Fall erhalten bleibt, aber darüber nachdenkt, den Posten des Co-Trainers abzugeben, »Ich habe aktuell keinen Plan B, es wäre also schon eine Baustelle«, gibt Ziegler offen zu. »Ich hoffe daher, dass er weitermacht, will ihn aber auch nicht unter Druck setzen.« Aber zweifellos habe sich in den vergangenen beiden Jahren eine »tolle Zusammenarbeit« entwickelt, obwohl sich die beiden vor Zieglers Engagement in Dortelweil gar nicht gekannt hatten: »Es war Glück, dass es sportlich und menschlich so gut gepasst hat. Ich bin immer wieder erstaunt, wie ein Mensch in so jungen Jahren so reflektiert ist und schon so viel Fachwissen hat.« Auch Wrage würde Mistetzky ungern als »Co« verlieren, sieht aber auch den großen Zeitaufwand, den er investiert, weshalb es vielleicht auch eine Einigung mit einigen Freiheiten geben wird: »Wir müssen einfach darüber reden.«

Auch wenn erste Testspiele und der Saisonstart trotz fallender Corona-Zahlen noch nicht ganz absehbar sein dürften, arbeiten die Kicker des SCD bereits wieder auf dem Platz - entsprechend den Regeln (noch) in Zweiergruppen und ohne Kontakt. »Natürlich wirkt Training auf diese Art wie eine Bespaßung, aber man kann schon fußballspezifisch etwas machen, und die Jungs haben mir auch das Feedback gegeben, dass der Muskelkater groß war«, sagt Ziegler. »Außerdem war ihre Freude zu spüren, dass sie sich wieder sehen und wieder gemeinsam auf dem Platz stehen durften.«

Für ihn ist ohnehin der soziale Aspekt des (Amateur-)fußballs der größte Treiber für Spieler, Trainer und Betreuer - auch für ihn. »Es ist doch das schönste überhaupt, im Vereinsheim oder in der Kabine zu sitzen und ein gutes Gespräch zu führen. Das treibt mich an. »Ich hoffe, dass wir da bald wieder hinkommen.« Und mit dieser Hoffnung dürfte er nicht alleine sein.

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