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Rene Rudorisch ist seit 2014 Geschäftsführer der Deutschen Eishockey-Liga 2.

Im Interview: DEL2-Chef Rene Rudorisch

DEL2-Start mit größerer Dynamik und neuem Slogan

Vermarktung, Lizenzierung, Nachwuchsförderung und ein neuer Slogan: Hinter DEL-Chef Rene Rudorisch liegt ein ereignisreicher Sommer.

Rene Rudorisch ist der Geschäftsführer der DEL 2. Zum Saisonauftakt spricht der 40-Jährige über die positiven Entwicklungen, über den Rückkehrer Landshut, die Themen Vermarktung und Nachwuchsförderung sowie den neuen Claim der Liga.

Rene Rudorisch, beim Lizenzprüfungsverfahren 2019 musste erstmals seit Gründung der DEL 2 kein Team zur Anhörung. Ein Erfolg, oder sollte das eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein?

René Rudorisch:Ich glaube schon, dass das positiv herauszustellen ist. Bei sieben Klubs gab es die offizielle Einladung zur Anhörung. In drei der sieben Fälle wussten wir ohnehin, dass es wahrscheinlich nicht zur Anhörung kommt, weil es überschaubare Sachen waren. Aber auch die anderen vier Klubs machten ihre Arbeit so gut, dass es nicht notwendig war, eine Anhörung durchzuführen. Die Fälle waren alle relativ klar, und es mussten lediglich Zuarbeiten erbracht werden. Das ist schon positiv und ein weiterer Schritt in der Entwicklung der Liga und der Klubs.

Mit dem EV Landshut kommt ein Rückkehrer aus der Oberliga in die Liga, der wohl kein Aufsteiger ist wie jeder andere.

Rudorisch:Ja, das kann man schon so sagen. Ralf Hantschke, aber auch viele andere Personen aus dem Gesellschafterbereich des Klubs, kennen die Liga noch von damals. Natürlich war es auch für Landshut ein stressiger Akt, alles auf die Reihe zu bekommen. Denn zu 100 Prozent war auch dieser Aufstieg nicht geplant. Aber die Verantwortlichen wussten schon, was auf sie zukommt. Der Standort hat in den letzten Jahren, nachdem man sich aus wirtschaftlichen Gründen aus der DEL 2 zurückgezogen hatte, seine Hausaufgaben gemacht. Noch ist nicht alles gelöst, aber vieles durch die Gesellschafter abgesichert. Es ist ein Standort, der Eishockey lebt. Und es ist ein Klub, der anders als Deggendorf, Freiburg, Bayreuth oder auch Bad Tölz im ersten DEL 2-Jahr einzuschätzen ist. Es ist ein Team, das durchaus auch die Chance hat, im Mittelfeld der Liga zu starten. Auch wenn das vor der Saison immer schwer einzuschätzen ist.

Der Klub ist bereit, das Stadion noch nicht: Der EVL wird sein erstes Heimspiel ähnlich wie der ESV Kaufbeuren vor zwei Jahren erst Mitte Oktober austragen…

Rudorisch:So wie wir den Spielplan seit drei, vier Jahren im Sinne der Gleichbetrachtung aller Klubs umsetzen, gab es nur die eine Lösung, den Fall ähnlich wie in Kaufbeuren vor zwei Jahren zu behandeln. Landshut muss also auswärts starten und die Heimspiele dann dienstags nachholen - was sicherlich erst mal zuungunsten des Klubs ist. Insgesamt sind die Baumaßnahmen, die in den nächsten drei Jahren dort anstehen, positiv für die Weiterentwicklung des Klubs.

Blicken wir auf die sportlichen Aktivitäten im Sommer: Täuscht der Eindruck, oder drücken die Teams von hinten nach vorne? Irgendwie ist kein offensichtlicher Playdown-Kandidat auszumachen…

Rudorisch:Ja, dieser Eindruck stimmt schon. Im hinteren Bereich war es schon in der letzten Saison recht umkämpft, gerade was den zehnten und elften Platz angeht. Aber wenn man sich nun die Klubs ansieht, die nicht um Platz zehn mitkämpfen konnten, wie Bad Tölz oder Freiburg, wie die sich teilweise verstärken - dann glaube ich schon, dass da viel an Arbeit und Qualität in die Kaderentwicklung gesteckt wird. Man muss davon ausgehen, dass die hinteren Teams sich stärker entwickeln werden. Das bedeutet, dass von hinten mehr Qualität nachrückt - und das spricht für den Sport. Das Mittelfeld wird nochmals gestärkt und spannender gestaltet. Auch die Spitze wird von hinten den Druck spüren. Um die Plätze vier, sechs und zehn wird ein unheimlicher Kampf stattfinden. Die Dynamik wird weiter zunehmen.

Worauf lag denn im Sommer Ihr Fokus?

Rudorisch:Wir haben die neue U 21-Regelung für die Nachwuchsförderung eingeführt. Dann haben wir zum ersten Mal das DEL 2-Perspektivcamp durchgeführt, was hinter den Kulissen durchaus auch etwas aufwendiger war. Wir haben die Spielervermittler-Lizenzierung aufgebaut. Wir haben in Sachen Vermarktung etwas mehr Zeit investiert. Auch Regelwerksänderungen im Vertrag mit der DEL zu Auf- und Abstieg mussten umgesetzt werden. Es waren viele Themen, die jetzt vor Saisonbeginn noch rechtlich festgezurrt werden mussten.

Die DEL2 geht mit dem Slogan (Von Herzblut getragen, im Eishockey Zuhause) in die neue Saison.

Rudorisch:Das Ziel war, unsere Identität neu auszudrücken. In der Vergangenheit hat sich viel auf die Wiedereinführung von Auf- und Abstieg mit der DEL konzentriert. Zuerst waren wir die Liga, die sich mit dem DEB angelegt hat. Dann waren wir die Liga, die sich mit der DEL über Auf- und Abstieg gestritten hat. Das hat unseren Charakter nach außen hin als eine Art ›Rebellenliga‹ entwickelt - obwohl wir uns selbst nie so verstanden haben. Jetzt ist die Verzahnung eingeführt, und das Miteinander funktioniert weitestgehend harmonisch. Deshalb kam der Punkt, an dem wir uns die Frage gestellt haben: Wie wollen wir uns künftig nach außen hin präsentieren?

Und wie sind Sie die Beantwortung dieser Frage angegangen?

Rudorisch:Wir haben viel Zeit investiert, um uns eine Identität zu erarbeiten. Letztlich haben sich die Grundwörter des Claims herausgebildet, die für unsere Standorte sprechen. Die Gesellschaften bei unseren Klubs sind vielfach sehr klein. Das heißt, der Geschäftsführer macht eigentlich alles, und die Klubs agieren sehr nah am Fan. So entstand das Thema Herzblut als erstes Schlagwort. Es verbindet Tradition, Leidenschaft und Kampfgeist. Das zweite Schlagwort war für uns ›Hochburg Eishockey‹. Wir sind oftmals der Platzhirsch an unseren Standorten im Vergleich zu anderen Sportarten, also richtige Eishockey-Hochburgen. Es symbolisiert zudem unser Zuhause und drückt aus, wo wir arbeiten: nämlich im Eishockey. Das fehlte in unserem Logo bisher. Viele, die mit Eishockey gar nichts am Hut haben, wissen auf den ersten Blick nichts damit anzufangen, solange der Name Deutsche Eishockey Liga 2 nicht ausgeschrieben ist."

Und diese Schlagworte führten zu…

Rudorisch:Entstanden ist: "Von Herzblut getragen, im Eishockey Zuhause". Das ist ein sehr langer Schriftzug, was nicht ganz typisch ist. Um zu verdeutlichen, was wir aussagen wollen, war dieser Schritt notwendig. Sicher wird sich im Laufe der Zeit in den Social-Media-Netzwerken stark der Hashtag #herzbluteishockey herausbilden. Das soll später dann auch in der Kurzform münden: DEL 2 - Herzbluteishockey. Das ist die Kernaussage, die der Claim ausdrücken soll.

Wie in der DEL wird 2019/20 auch in der DEL2 das Sponsoring für den Top-Scorer der Teams von clever fit übernommen. Ein erster Schritt in Sachen Ligasponsoring?

Rudorisch:Damit setzen wir im Vermarktungsbereich ein erstes großes Ausrufezeichen. Der Top-Scorer ist ein hoher Wert an Werbeleistung, die wir bieten können. Der Werbepartner hat über die DEL Erfahrungswerte gesammelt. Und wir bieten die Chance, in der flächendeckenden Ausstrahlung weitere Bereiche in die Kommunikation mit reinzunehmen. Ich freue mich riesig, auch weil es eine finanzielle Unterstützung für uns ist und uns als Liga weiterentwickelt.

Anders Thema: Erstmals werden in einer Saison gleich zwei Freiluftspiele ausgetragen. Das Winter Derby in Offenbach und das Hockey Open Air in Dresden. Waren die beiden Bewerbungen zu gut, um eine davon abzulehnen?

Rudorisch:Es lag natürlich zum einen daran, dass es zwei Bewerber gab und beide Konzepte aus meiner Sicht sehr, sehr gut waren. Wenn du die Chance geboten bekommst, zwei solcher Event-Games durchzuführen mit der Ungewissheit, ob es in zwei Jahren ähnlich gut verläuft oder einer der beiden Bewerber dann kein Interesse mehr hat, dann solltest du diese Chance ergreifen.

Was kann dieses doppelte Freiluft-Spektakel für die DEL2 bringen?

Rudorisch:Aus Sicht der Liga generell spricht für uns, dass wir uns in der Öffentlichkeit zweimal sehr gut präsentieren können. Ich denke, beide Events haben eine sehr gute Chance auf eine TV-Übertragung. Aber eines muss man betonen: Wenn sich in zwei Jahren dann drei Standorte bewerben, wird es sicherlich nicht die Möglichkeit geben, dass wir drei solcher Spiele stattfinden lassen. Ich weiß, dass ich mich mit den zwei bestätigten Spielen auf einem schmalen Grat bewege. Und ich weiß auch, dass das durchaus nicht überall auf Gegenliebe stößt.

Die Partnerschaft mit dem Free-TV-Sender eoTV endete derweil nach nur wenigen Monaten, weil der Spartensender insolvent ist. Welche Bilanz ziehen Sie?

Rudorisch:Wir sind - mit leichten Abstrichen - als Liga leistungsfähig, um von unserem Material her einem Fernsehsender Bildmaterial zur Verfügung zu stellen. Egal, ob für ein Highlightformat oder wie bei eoTV mit Spielen in der Wiederholung. Leider konnte eoTV, das in SD-Qualität ausgestrahlt hat, unsere HD-Bilder aus den Stadien teilweise bei der Ausstrahlung gar nicht so umsetzen. Die Zusammenarbeit war jedoch sonst sehr positiv und lohnenswert. eoTV hatte nach eigenen Angaben im Schnitt zwischen 30 000 und 35 000 Zuschauer. Und weil es bei Spartensendern immer schwer zu messen ist, betone ich immer auch: Wenn es am Ende auch nur 20 000 waren, wäre es für uns ein Riesenerfolg. Wir haben gezeigt, dass so etwas Sinn ergibt und funktionieren kann.

" Wir setzen im Bereich Vermarktung ein Zeichen "

Rene Rudorisch

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