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In der Defensive überheblich

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Zugegeben: Eine 0:2-Niederlage liest sich - noch dazu auswärts erlitten - tags drauf in den Print-Medien weit besser, als eine 1:7-Heimabfuhr, obwohl unterm Strich kein Unterschied besteht: Die Punkte sind weg, und in der Tabelle wird man nach unten durchgereicht.

Auf exakt diesem Kurs segeln derzeit die Fußballer des FV Bad Vilbel, die nach der hohen Pleite vor eigenem Publikum gegen Seligenstadt vergangenen Freitag als Gast des FC Kalbach zwar eine Leistungssteigerung erkennen ließen, aber am Ende angesichts der Kalbacher Volltreffer von Sascha Wobbe (30.) und Anthony Wade (52.) mit leeren Händen dastanden, weil sie selbst beste Gelegenheiten reihenweise ungenutzt verstreichen ließen.

»Die Jungs haben durchaus Moral gezeigt und Potenzial erkennen lassen«, kommentierte FV-Coach Stefan Scholl die fünfte Saisonniederlage seiner Elf zunächst von der positiven Seite. Dann jedoch ließ er auch den Knüppel aus dem Sack: »Zu viele Stellungsfehler und ein zuweilen viel zu überhebliches Auftreten im Abwehrbereich«, kritisierte er, wobei sich insbesondere Innenverteidiger Steven Cue Vorwürfe gefallen lassen musste: »Er erwischte einen ganz schwachen Tag.«

Doch Steven Cues zuweilen etwas allzu lasches Auftreten wäre womöglich überhaupt nicht ins Gewicht gefallen, hätten die Brunnenstädter gegen die keineswegs überzeugend auftrumpfenden Kalbacher, deren Abteilung Defensive durchgehend sehr unsicher wirkte, vorne ein wenig mehr Kaltschnäuzigkeit erkennen lassen. Torchancen gab's für die Grün-Weißen jedenfalls zur Genüge, und zwar in allen Spielphasen: Vor der Kalbacher Führung durch Steven Cue und Rani Buderi, nach Wobbes Goal durch Robin Dobios und Achim Schenk - ja selbst nach dem zweiten FCK-Tor durch Anthony Wade, den mit Abstand schnellsten aller 26 eingesetzten Spieler, lagen Bad Vilbeler Treffer in der Luft.

Das Pech der Gäste: Kalbachs Keeper Nikola Bazina spielte - übrigens genau wie sein Bad Vilbeler Kollege René Gübler - am Freitagabend ohne Fehl und Tadel, hielt, was zu halten war, und profitierte darüber hinaus von der fehlenden Cleverness, die beispielsweise Oleg Huwa, Robin Dobios oder Afram Kakur nach dem Zwei-Tore-Rückstand in der grün-weißen Abteilung Attacke an den Tag legten.

Ein Unentschieden war für den personell erneut nicht auf Rosen gebetteten FV, der mit Daniel Erbe, Kenan Masic, Zoran Maric, Nico Geyer und Paul Britze auf eine Hand voll Akteure verzichten musste, die dem Stammpersonal angehören, also allemal drin. Bezeichnend für Stefan Scholls Engpass: Philipp Groda, diese Runde der mit Abstand stärkste Bad Vilbeler Mittelfeld-Akteur, laborierte an einer Bänderdehnung und saß auf der Bank. Doch der FV-Übungsleiter musste ihn nach 50 Minuten dennoch bringen. Weshalb? »Keine brauchbaren Alternativen«, sagt Scholl.

Ein Lichtblick: Das taktisch veränderte Grund-Konzept (4-2-3-1 anstatt 4-4-2) erzeugte im Gegensatz zur Seligenstädter Partie entschieden mehr Spielwitz nach vorne. Dass die Mannschaft von Kalbachs Trainer Gültekin Cagritekin, die mit Sicherheit nicht zu den Verbandsliga-Top-Teams zählt, dennoch triumphieren konnte, relativiert zwar diese Einsicht, sollte seitens des »Friedberger« Verbandsligisten aber dennoch Mut machen, in der nächsten Partie am kommenden Freitag vor eigenem Publikum gegen den Liga-Neuling SG Anspach endlich mal wieder drei Punkte an Land ziehen zu können.

Uwe Born

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