+
Da geht?s lang! Schiedsrichter Volker Höpp schickt Nael Najjer (KSV Hessen Kassel) nach einer strittigen Entscheidung weg. Seit über zehn Jahren ist der Dauernheimer in der Hessenliga als Referee aktiv. (Foto: Hedler)

Rekordspiel

Dauernheimer Schiedsrichter vor über 15.000 Zuschauern im Einsatz

  • schließen

15 488 Zuschauer sahen am Ostermontag das als "Rekordspiel" geplante Hessenliga-Derby zwischen Kassel und Baunatal. Mittendrin: Schiedsrichter Volker Höpp aus Dauernheim.

Noch nie war Volker Höpp vor einer derartigen Kulisse als Schiedsrichter im Einsatz: Auch wenn das Derby in der Fußball-Hessenliga am Ostermontag die angepeilte Rekord-Marke von 18 313 Zuschauern in einem Fünftliga-Spiel verpasste, war es für den Unparteiischen des FSV Dauernheim ein ganz besonderes Spiel. Wir haben am Tag danach mit ihm gesprochen – über die Partie, die Schiedsrichterei und deren Zukunft.

Herr Höpp, wie hat es sich angefühlt, ein Spiel vor einer solchen Kulisse zu leiten?

Volker Höpp: Selbst in der Hessenliga ist so ein Spiel alles andere als normal. Ich habe in der Regel 300, 500 oder höchstens 800 Zuschauer. In einem Relegationsspiel hatte ich mal 1500, in Darmstadt habe ich vor 5000 Zuschauern mal assistiert, aber das hier war schon noch einmal eine andere Dimension. Für mich war es ganz persönlicher Rekord, denn vor mehr Zuschauern war ich noch nicht im Einsatz. Das habe ich schon beim Warmmachen gemerkt. Als das Spiel dann losging, habe ich mich aber auf meine Spielleitung konzentriert, auch wenn man die Kulisse im Hintergrund natürlich noch wahrgenommen hat – wenn auch weniger als ich es mir vorgestellt hatte. Ich habe auf jeden Fall versucht, mich von der Kulisse nicht beeinflussen lassen. Für mich war die Ansetzung eine Auszeichnung und Wertschätzung meiner langjährigen Tätigkeit – und Spaß gemacht hat es außerdem.

Im Endeffekt war ich mit mir zufrieden, auch wenn ich glaube, hier und da eine Fehlentscheidung getroffen zu haben

Volker Höpp

Dieses Spiel war neben dem Rekordversuch außerdem ein Derby, bei dem es zudem für Kassel auch noch um den Aufstieg ging. Wie haben Sie die Partie gesehen?

Höpp: Das Spiel war in der ersten Halbzeit auf einem mäßigen Niveau, vielleicht auch weil die Spieler im ersten Moment selbst von der Kulisse beeindruckt waren. In der zweiten Halbzeit wurde es dann etwas kniffliger für uns als Schiedsrichter. Ich war gefordert, musste mich stark konzentrieren und habe versucht, meine Emotionen draußen zu lassen, um jederzeit objektive Entscheidungen zu treffen.

Ist Ihnen das gelungen?

Höpp: Im Endeffekt war ich mit mir zufrieden, auch wenn ich glaube, hier und da eine Fehlentscheidung getroffen zu haben. Aber die 100-prozentige Spielleitung wird es ohnehin auch in der Bundesliga nie geben.

Wie war das Feedback von Spielern und Trainer während und nach dem Spiel?

Höpp: Im Spiel muss ich zu meinen Entscheidungen stehen, da sind mir Feedbacks von außen relativ egal – außer die von meinen Assistenten, auf die mich natürlich verlassen muss. Nach dem Abpfiff haben aber ein paar Spieler zu mir gesagt, dass es sicher nicht einfach war, da es ja auch ein paar strittige Entscheidungen gab. Nach dem Spiel ist das zum Glück alles immer etwas ruhiger, als wenn es emotionsgeladen aus der Situation heraus geschieht. Davon darf man sich einfach nicht anstecken lassen. Man muss als Schiedsrichter seine Entscheidungen treffen und konsequent durchziehen.

In vielen Ligen, auch und gerade bei den Profis, nimmt die Diskussionskultur mit dem Schiedsrichter zu. Wie sehen Sie das?

Höpp: Bei dem Spiel in Kassel ist es mir schon aufgefallen, dass einige Spieler das versucht haben. Aber es ist völlig klar: Das, was die oben vormachen, versuchen die unten nachzumachen. Das macht die Sache für uns Schiedsrichter nicht einfacher, weil so jede sicher geglaubte Entscheidung ins Wackeln gebracht werden soll. Das nimmt zu, aber das muss man – leider – aushalten.

Ich sehe mich als Dienstleiter für die Spieler

Volker Höpp

Ist dies ein Grund dafür, dass das Schiedsrichterwesen in den heimischen Kreisen immer größere Nachwuchsprobleme hat?

Höpp: Ich glaube, es hängt sicher damit zusammen, dass junge Leute sich nicht von anderen anschreien lassen wollen. Aber das Problem hat vielfältige Gründe: Die Lobby von Schiedsrichtern ist nicht richtig da, das Interesse von jungen Leuten fehlt, obwohl es ohne den Schiedsrichter kein Spiel gibt, außerdem gibt es immer weniger Schiedsrichter, die von Freitag bis Sonntag drei Spiele pfeifen. Man muss dennoch versuchen, Nachwuchs zu akquirieren. Schiedsrichter sein ist eine gute Schule fürs Leben, sich mit unterschiedlichen Charakteren auseinanderzusetzen, ein Spiel zu leiten und auch das entsprechende Durchsetzungsvermögen zu bekommen. Aber gerade das wird für jüngere Schiedsrichter zunehmend schwerer, weil die Einflüsse von außen – auch und gerade im Jugendbereich – immer größer werden.

Was macht für Sie die Faszination am Schiedsrichterwesen dennoch aus?

Höpp: Ich sehe mich als Dienstleiter für die Spieler. Mein Ziel ist es, mit 22 unterschiedlichen Charakteren die Partie gut über die Bühne zu bekommen, um ihnen so zu helfen, erfolgreich und verletzungsfrei Fußball zu spielen. Das funktioniert zum Großteil auch. Wir alle machen das, weil wir Lust darauf haben – und übrigens auch nicht wegen des Geldes, denn reich wird damit keiner. Aber wenn ich jede Woche Ärger hätte, würde ich es auch nicht mehr machen. Ich bin schließlich kein Sado-Masochist. Fußball ist außerdem auch nicht alles im Leben.

Info

Volker Höpp im Portrait

Volker Höpp pfeift seit 26 Jahren für seinen Heimatverein FSV Dauernheim, unter anderem neun Jahre in der Verbandsliga, inzwischen seit zehn Jahren in der Hessenliga, was den 44-jährigen dort zum ältesten Referee macht. Er ist Lehrwart des Kreisschiedsrichterausschusses Büdingen und auch in der Lehre des Verbandes tätig. Als Fußballer war er nur bis zu seinem 20. Lebensjahr für die Dauernheimer Kicker aktiv tätig, gelegentlich hilft er aber bei den Alten Herren oder in der Reserve aus, wenn Not am Mann ist. Alles in allem kommt der hauptberufliche Physiotherapeut damit auf 150 bis 200 Tage mit Terminen rund um den Fußball im Jahr – alles ehrenamtlich. Der Vater einer 14-jährigen Tochter ist gemeinsam mit Marius Ulbrich vom SV Phönix Düdelsheim der ranghöchste Schiedsrichter des Fußballkreises Büdingen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare