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Sechs Scheiben hängen im Beienheimer "Raabennest", wird der Andrang im Training oder bei einem Turnier zu groß, dann kann die hintere Wand entfernt werden, um weitere mobile Darts-Scheiben aufzustellen. Die Heimstätte des Dartsclub Wetterau zählt damit nach Angaben des Vereins zu den beliebtesten in ganz Hessen. (Foto: Nici Merz)

Dartsclub Wetterau

Darts - Der Sport, der alle miteinander verbindet

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Die Stars der Darts-WM führen das Leben von Vollprofis. Doch auch in der Wetterau wird Darts auf hohem Niveau gespielt – beim Dartsclub Wetterau in Beienheim. Ein Ortsbesuch.

Es ist das zweite Leg in meinem dritten Spiel an diesem Abend. Ich spiele gegen Torsten Tennro vom Dartsclub Wetterau. Der Schornsteinfeger ist Kapitän der Hessenliga-Mannschaft – und spielt damit in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. Den ersten Durchgang von 501 Punkten auf null herunter, wobei der letzte Pfeil in einem Doppelfeld am Rande der runden Scheibe versenkt werden muss, hat er klar für sich entschieden. Und auch in diesem Leg hatte er mit hohen Punktzahlen vorgelegt, doch das abschließende Doppel will einfach nicht klappen. Meine Chance. Bei mir stehen mit etwas Glück noch 61 Punkte Rest, ich trete ans Oche, die 2,73 Meter vom Board entfernte Kante, werfe eine eins, dann eine 20 und schließlich auch die Doppel-20 – Sieg! Was für ein erhebendes Gefühl.

Tennro lacht und gratuliert mir, in dem wir die Fäuste kurz aneinanderschlagen. Auch wenn ich das Spiel gegen Tennro am Ende mit 1:3 verliere, den Leg-Gewinn gegen die aktuelle Nummer 67 unseres Bundeslandes kann mir keiner mehr nehmen. "Wer nicht checkt, verreckt", sagt Tennro und lacht wieder. "Egal, wie weit dein Gegner weg ist, du musst einfach immer weiterspielen und dann bekommst du irgendwann deine Chance", hatte er mir zu Spielbeginn gesagt – und er sollte Recht behalten.

Dartsclub Wetterau: Der jüngste Spieler ist 18 Jahre alt, die älteste Spielerin 78

Genau wie rund 70 andere Darts-Freunde spielt Tennro beim 2016 gegründeten Dartsclub Wetterau. Der Verein war aus den Paintball-Dartern hervorgegangen, die in der damaligen Paintball-Halle in Beienheim nach ihren Anfängen in der Oppershofener "Ratsschänke" ihre Heimspielstätte gefunden hatten. Inzwischen ist er gemessen an den aktiven Spielern einer der größten in ganz Hessen, hat fünf Mannschaften in Steel-Darts-Meisterschaften und drei beim E-Darts gemeldet. Zum eigenen Turnier waren in diesem Jahr über 80 Teilnehmer gekommen. Im neuen Jahr könnten es über 100 werden.

Wir schicken keinen weg

Marcus Feick

"Wir schicken keinen weg. Die jüngsten Spieler sind 18 Jahre alt, die älteste ist 78. Unser Zulauf ist kontinuierlich", erklärt Marcus Feick, der Vereinsvorsitzende. Der Selbstständige erzählt, dass viele bereits zu Hause, im Freundeskreis oder in Kneipen Darts spielen, irgendwann auf die Suche nach einem Verein gehen – und schließlich auch dank des Internets in Beienheim fündig würden. Nur die wenigsten kehrten dem Verein dann wieder den Rücken. "Bei uns wir die Zusammengehörigkeit gelebt. Wir trainieren zusammen, sitzen aber anschließend auch noch gemeinsam hier, reden, schauen so wie jetzt die Darts-WM. Dieser Sport ist einfach etwas für jedermann", erklärt Feick.

Dartsclub Wetterau: Am Anfang hilft nur Training, Training, Training

Ein weiterer Vorteil: Der Fair-Play-Gedanke ist allgegenwärtig, der Aufwand ist gering, es gibt weder Alters- noch Geschlechtergrenzen – und auch finanziell muss sich niemand in Unkosten stürzen. Ein gutes Set aus drei Pfeilen gibt es für rund 20 Euro, eine Scheibe für zu Hause bereits für unter 50 Euro. "Das Training ist für mich runterkommen", sagt Feick, der zu Hause angesichts seiner eigenen Firma nicht zum Trainieren kommt. Ganz anders als viele junge Spieler: Diese wollten etwas erreichen, für sie ist Alkohol während des Spieles oder des Trainings deshalb tabu. "Darts ist nicht mehr das Spiel von vor zehn oder 15 Jahren. Das sieht man auch bei der WM. Die jungen Profispieler gehen heutzutage davon aus, dass das ihr Job ist – und arbeiten entsprechend."

Einen Trainer gibt es nicht, jeder muss selbst seine perfekten Darts, seinen idealen Stand und die für ihn beste Wurfbewegung finden. Das gehe nur über Training. Entweder werde im Turniermodus immer Eins-gegen-eins gespielt, wer zuerst drei Legs gewonnen hat, ist weiter. Oder aber man spielt statt von 501 von 301 herunter, um vor allem das Auschecken, also die Wege bis zum finalen Wurf auf das Doppel, zu üben. Dafür gibt es auch andere Spiele. Beispielsweise beginne man bei 41. Wer das mit drei Pfeilen checkt, geht das nächste Mal auf 51 hoch, wer es nicht schafft, geht einen Punkt runter. Hessenmeister Dominic Keller empfiehlt blutigen Anfängern zunächst das Werfen auf die Triple-20: "Wer die im Griff hat, kann anfangen, auch die anderen Felder und das Auschecken zu trainieren. Denn wer keine hohen Punktzahlen werfen kann, der wird erst gar nicht zum Auschecken kommen."

Dartsclub Wetterau: Präzision und Konstanz sind im Darts-Sport alles

Doch neben dem Training ist auch ein gewisses Talent nicht verkehrt. "Es gibt Leute, da sieht man es schon in kurzer Zeit, wie sie ihren Drei-Dart-Average (die Punktzahl, die man mit einer Aufnahme, also mit drei Pfeilen, im Durchschnitt erreicht, Anm. d. Red.) hochschrauben", sagt Tennro. Diese Spieler würden es nicht selten auch schnell aus den Kreisligamannschaften weiter nach oben schaffen. "Aber ohne Training verliert man seine Fähigkeiten auch schnell wieder."

Es gibt Leute, da sieht man es schon in kurzer Zeit, wie sie ihren Drei-Dart-Average hochschraubent

Torsten Tennro

Die Präzision von ihm und seinen Teamkollegen ist beeindruckend, denn die nur wenige Millimeter breiten Triple-Felder sind unfassbar schwer zu treffen – das habe ich bereits gemerkt, als Keller mich zum Auftakt mit 0:3 abgefertigt hat, ehe es anschließend ein weiteres 0:3 gegen Chris gab. Der junge Mann ist einer der wenigen im Saal ohne Trikot – weil er just an diesem Tag seinen Mitgliedsantrag erst abgeben will. Was die Punkte während des Spiels angeht, sind wir beinahe auf Augenhöhe, doch seine Doppelquote ist beeindruckend. Kein Wunder: Er spielt schon länger Darts – und will es nun auch endlich im Verein wissen. Das kann ich angesichts der lockeren Atmosphäre in Beienheim und dem Boom, den diese Präzisionssportart in Deutschland zurzeit erlebt, gut nachvollziehen. Darts macht einfach Spaß!

Info

So wird man ein Darts-Spieler in der Wetterau

Wer es selbst einmal mit dem Dartsspielen versuchten möchte oder aber zu Hause schon fleißig trainiert hat, um sein Können jetzt im Verein unter Beweis zu stellen, der ist beim Dartsclub Wetterau genau richtig. Trainiert wird immer donnerstags, ab etwa 19.30 Uhr. Am besten vorher einfach kurz unter dcwetterau@gmail.com, bei dem Vorsitzenden Marcus Feick (m.feick@integer-solutions.de) oder bei Sportwart Torsten Tennro (t.tennro@gmx.de) anmelden. Weitere Informationen zum Verein gibt es auch auf der Homepage im Internet unter https://dcwetterau.jimdo.com/. Eine Mitgliedschaft kostet für Aktive 60 Euro im Jahr, für Passive 30.

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