Ein Bild, das es so schnell wohl nicht geben wird: Grundschüler verschiedener Klassen treten in einer Sporthalle gegeneinander an. 
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Ein Bild, das es so schnell wohl nicht geben wird: Grundschüler verschiedener Klassen treten in einer Sporthalle gegeneinander an.

Coronavirus-Krise

Coronavirus-Krise: Schulbetrieb läuft wieder an - Bleibt der Sportunterricht auf der Strecke?

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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Nach und nach nehmen die Schulen in Hessen ihren Betrieb wieder auf. Ein Fach scheint in den Plänen kaum eine Rolle zu spielen: der Sport. Das könnte langfristig zum Problem werden.

Sportplätze und -hallen sind wieder geöffnet, ganz vorsichtig beginnt der Vereinssport nach und nach und unter Anwendung der Corona-Regeln wieder den Betrieb hochzufahren. Und die Schulen? Auch wenn die meisten Klassen seit Anfang vergangener Woche wieder Unterricht haben, spielt der Sport hier noch keine Rolle. Die Gründe liegen auf der Hand: Umkleiden und Duschen dürfen nicht benutzt werden. Doch das könnte langfristig zum Problem werden, denn niemand weiß, ob der Normalbetrieb nach den Sommerferien wieder weitergeht.

Mindestens bis zu den Sommerferien kein Sportunterricht geplant

"Es wäre wichtig, gerade jetzt darüber nachzudenken, wie wir den Sportbetrieb wieder hinbekommen, aber ich sehe nicht, wie wir das umsetzen wollen", sagt etwa Cornelia Rettberg, Leiterin der Nieder-Mörler Frauenwaldschule, einer Grundschule mit Förderstufe. Ihre Kollegen können aktuell für die Klassen vier bis sechs, die seit Montag wieder komplett da sind, nur Bewegungsspiele auf den Plätzen in der Klasse anbieten oder sich mit Kleinstgruppen draußen bewegen. Je mehr Klassen, die aufgrund der Kontaktbeschränkungen und des Abstandsgebotes aktuell geteilt werden, wieder zurückkehren, desto mehr Personal brauche sie aber für den Regelunterricht, in dem der Fokus auf den Hauptfächern liegt.

"Mindestens bis zu den Sommerferien wird der Unterricht ein anderer sein. Es geht auch darum, die Kinder wieder aufzufangen, zumal wir spüren, dass die sozialen Kontakte für sie sehr wichtig sind. Auch der Sport wäre ein ganz wichtiger Bestandteil davon, weshalb er ja eigentlich auch fest im Lehrplan verankert ist", sagt sie.

Sportunterricht ist wichtig für Feinmotorik und Konzentration

Von der Wichtigkeit des Sportunterrichts ist auch Christian Wolf überzeugt. Der Fachbereichsleiter Sport an der Niddataler Geschwister-Scholl-Sbrennchule, einer Haupt- und Realschule, sagt: "Ich würde mir wünschen, dass Sport perspektivisch wieder einen höheren Stellenwert einnimmt." Aktuell werden die Klassen je sieben Stunden Unterricht an zwei Tagen die Woche vor Ort beschult - Sport ist kein Teil davon. "Dabei sind manche Kinder jetzt im besten motorischen Lernalter. Gerade die, die nicht Mitglied in einem Sportverein sind, trifft das doppelt hart - denn wo sollen sie solche Fähigkeiten erlernen?", sagt er. Das beträfe etwa die Feinmotorik, die für werfen, fangen oder balancieren wichtig ist. Er und seine Kollegen befänden sich bereits in Überlegungen, wie sie auch den Sport wieder in den Unterricht integrieren könnten - gerade die aktuell geteilten Klassen seien da vielleicht ein Vorteil. "Da gibt es mit Sicherheit Möglichkeiten", sagt er. "Wir müssen uns aber neue Wege überlegen. Das haben wir in vielen anderen Bereichen ja auch getan."

Auch für die Konzentrationsfähigkeit von Kindern komme Sport eine wichtige Bedeutung zu. "Man merkt bereits nach vier Schulstunden, dass die Konzentration deutlich abnimmt", berichtet Wolf. Ein weiteres Problemfeld aus seiner Sicht: Schwimmen. "Die aktuelle Situation bedeutet für mindestens einen Jahrgang, dass viele Nichtschwimmer bleiben werden - schlimmstenfalls mit fatalen Folgen", warnt Wolf. "Man darf zwar nicht vergessen, dass wir uns in einer Sondersituation befinden, aber den Sport deshalb pauschal außen vor zu lassen, halte ich für eine schwierige Linie."

Friedberger Oberstufenschüler bekommen Bewegungsangebote für zu Hause

Immerhin etwas besser hat es da Thorsten Brennemann, Schulsportleiter am Friedberger Burggymnasium. Denn die Oberstufen-Schüler könnten selbst etwas für sich und ihren Körper tun. Hier würde Sport zumindest in der Theorie für das Homeschooling aufbereitet, zusätzlich würden Bewegungsangebote für die Praxis zur Verfügung gestellt. "Man versucht die Schüler anzuregen, sich selbst fit zu halten", sagt er. Das gilt besonders für die Leistungskurse. "Eigentlich sollen wir Theorie und Praxis miteinander verzahnen, doch das geht im Moment nicht", erklärt er.

Ein weiteres Problem: Die schuleigene Halle sei veraltet, das Burgfeld aufgrund der Vielzahl an Schulen und Vereinen, die es nutzen, vor allem in Sachen Koordination problematisch. Das habe man bereits bei den diesjährigen Abiturprüfungen gemerkt. "Abi in Corona-Zeiten ist für Schüler und Lehrer Maximalstress", lautet das Fazit des Pädagogen. "Für die Umstände haben sich die Schüler aber wacker geschlagen." Für den kommenden Jahrgang, dem nun einiges verloren geht, rechnet er zwar nicht mit einem leichteren, aber zumindest mit einem weniger umfangreichen Zentralabitur. Aber gerade die LK-Schüler wollten auch so "schwerpunktmäßig bewegt werden. Sie würden sich freuen, wieder Sportunterricht zu haben", erklärt Brennemann, der aber auch grundsätzlich Sport "als Bewegungsfach auch für die Oberstufe für maximal wichtig" hält. Seine Hoffnung ist, "dass Sport spätestens nach den Sommerferien wieder möglich ist".

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