Ex-46ers-Spieler Luke Petrasek möchte bei seiner Familie in den USA sein. FOTO: FRIEDRICH
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Ex-46ers-Spieler Luke Petrasek möchte bei seiner Familie in den USA sein. FOTO: FRIEDRICH

Corona zwingt zum Handeln

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(pm/dpa). Luke Petrasek und Kendall Gray von den Gießen 46ers sind am Freitag in die Vereinigten Staaten zurückgeflogen. Der Powerforward und der Center hatten den mittelhessischen Basketball-Bundesligisten um die vorzeitige Auflösung ihrer bestehenden Verträge gebeten. Diesen Wünschen kam der Klub vorbehaltlos nach, da die 46ers-Akteure verständlicherweise diese schweren Zeiten bei ihren Familien verbringen wollen.

Mit dieser Thematik müssen sich in diesen Tagen nicht nur die Gießener beschäftigen. Am Donnerstag hatte Ligakonkurrent medi Bayreuth mitgeteilt, dass mit gleich vier Spielern aus den USA die Verträge aufgelöst wurden. "Wir arbeiten weiter mit Hochdruck daran, den Basketball-Standort Bayreuth überlebensfähig zu halten", sagte Geschäftsführer Björn Albrecht zu den Maßnahmen, die den Kader um ein Drittel reduzierten.

Die Franken müssen dem Quartett damit keine Gehälter mehr bezahlen, was angesichts fehlender Einnahmen aus Ticketing und Sponsoring alternativlos ist. Doch auch eine menschliche Komponente spielt eine gewichtige Rolle. "Es ist absolut verständlich, dass jeder Spieler in dieser für uns alle immer noch surrealen Situation nicht Tausende Kilometer von seiner Familie entfernt sein möchte", sagte Bayreuths Trainer Raoul Korner.

Martin Geissler, Geschäftsführer beim Syntainics MBC aus Weißenfels, setzt in der Krise auch auf eine Verständigung mit den Spielern. "Sollten wir da keine Übereinkunft mit Spielern finden, dass sie ihrem Klub helfen wollen, wird es realistisch sehr, sehr schwer, die Saison zu überstehen", sagte Geissler der Deutschen Presse-Agentur.

Auch in Göttingen und Braunschweig haben sich die ersten Amerikaner mit aufgelösten Verträgen auf den Weg in die Heimat gemacht. Alba Berlin hat seinen ausländischen Profis freigestellt, während der Krise in ihre Heimat zu reisen. Kapitän Niels Giffey mag über eine Fortsetzung der Saison derzeit nicht nachdenken: "Im Augenblick gibt es wichtigere Dinge."

Gerade das macht es für alle Beteiligten so schwer. Bei Bayern München haben sie den Audi Dome offen gelassen, jeweils zwei Spieler dürfen zur gleichen Zeit auf das Parkett, um in verschiedenen Hälften auf den Korb zu werfen. Vor allem die Profis aus den USA stecken in einem Dilemma: Mit der Auflösung ihrer Verträge erlischt auch die Krankenversicherung in Deutschland, in den USA sind aber nicht alle krankenversichert - in Corona-Zeiten ein Horrorszenario.

Zudem ist die Trennung von der Familie für viele Spieler sehr belastend. "Ich realisiere, wie wichtig es ist, dass man sich nicht nur physisch, sondern auch mental wohlfühlt", schrieb Albas Aufbauspieler Peyton Siva aus den USA. Ob er und alle anderen Profis in dieser Saison noch einmal das Alba-Trikot tragen werden, ist allerdings fraglich.

BBL-Geschäftsführer Stefan Holz ist derzeit praktisch mit nahezu stündlich wechselnden Fragezeichen konfrontiert. Der Liga-Betrieb ist aktuell bis auf Weiteres ausgesetzt, in der kommenden Woche wollen Liga und Klubs erneut beraten, wie die Spielzeit doch noch zu retten sein könnte. "Wir haben verschiedene Szenarien für den Spielplan, wann wir wieder einsteigen könnten", sagte Holz. "Aber wir müssen die Klubs auch über den Sommer bringen." Die Not bei einigen Vereinen ist aktuell so groß, dass vielleicht schon schneller eine Entscheidung her muss - die dann Saisonabbruch heißen könnte.

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