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Zum ersten Mal in seiner Geschichte musste der Volkslauf "Rund um den Winterstein" ganz abgesagt werden. Im nächsten Jahr soll es einen neuen Anlauf für das Traditionsvent des ASC Marathon Friedberg geben. ARCHIVFOTO: NICI MERZ

Corona-Virus sorgt für Absage

"Eine besondere Situation": So geht der ASC Marathon Friedberg mit der Absage des Winterstein-Laufes um

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Sturm, Schnee, Regen - der Winterstein-Lauf hat in seiner Geschichte schon einiges erlebt. In diesem Jahr aber hat das Coronavirus die Traditionsveranstaltung gestoppt. Ein Interview mit der Vorsitzenden von Ausrichter ASC Marathon Friedberg.

Eine Veranstaltung im Freien, weniger als 1000 Teilnehmer, gut verteilte Zuschauer über ein großes Areal. Eigentlich schien der Winterstein-Lauf trotz Coronavirus am vergangenen Sonntag in seine 43. Auflage gehen zu können. Schließlich kam es doch anders und Veranstalter ASC Marathon Friedberg sagte das Traditionsvent ab. Im Interview spricht die ASC-Vorsitzende Carmen Houben über ihre Entscheidung, die Folgen für Läufer und Verein - und die Pläne für die Zukunft.

Frau Houben, warum haben Sie nach einigem Hin und Her den Winterstein-Lauf dann doch am Donnerstag abgesagt?

Kurz gesagt: Corona. In einer Vorstandssitzung vor zwei, drei Wochen hatten wir besprochen, dass wir den Lauf stattfinden lassen möchten, solange es keine Absage von behördlicher Seite gibt. Wir waren auch Anfang der Woche noch der Meinung, dass es mit der Ergreifung von Maßnahmen, wie etwa der Öffnung der Online-Anmeldung, um einen Ansturm vieler Menschen auf die Nachmeldestelle zu vermeiden, noch geht. Doch am Donnerstag hat sich die Lage dann so zugespitzt, dass uns vom Gesundheitsamt nahegelegt wurde, die Veranstaltung abzusagen. Daraufhin sind wir zu dem Entschluss gekommen, zumal uns auch davon berichtet worden war, dass auf der Sitzung aller Wetterauer Bürgermeister mit dem Landrat weitere Maßnahmen beschlossen worden sind.

Wie war Ihre Gefühlslage bei der Absage?

Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen, aber als sie gefallen war, war es auch eine gewisse Erleichterung. Andererseits hatten wir ganz gute Zahlen bei den Voranmeldungen, das Wetter war top angesagt, sodass wir mit 700 bis 800 Teilnehmer gerechnet hatten. Dadurch wäre aber alleine die Nachmeldung und die Ausgabe der Startnummern eine Menschenansammlung gewesen, bei der auch die Helfer direkten Kontakt mit allen Läufern gehabt hätten. Es ist einfach eine besondere Situation, die so noch keiner von uns erlebt hat.

Gab es eine besondere Situation bei den Anmeldungen?

Normalerweise schließen wir immer dienstagabends die Online-Anmeldungen. Doch auch danach kamen aber noch vermehrt Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet, ob der Lauf denn stattfindet - insbesondere dadurch, dass wir dieses Jahr zum zweiten Mal einen Marathon im Angebot hatten, und viele andere Veranstaltungen schon abgesagt worden waren. Die Frage wäre gewesen, ob es sich nicht viele Läufer nach den Schließungen von Schulen und anderen Nachrichten nicht doch noch einmal anders überlegt hätten.

Wie ist das Stimmungsbild unter den Läufern nach der Absage gewesen?

Sehr verständnisvoll. Ich habe bis heute keine bösen Mails gelesen, sondern die Leute verstehen es alle. Einige Läufer schreiben sogar, dass wir das Startgeld behalten sollen, weil wir als Verein genug Kosten durch die Absage hätten.

Gutes Stichwort: Wo entstehen für Sie Kosten und in welchem Rahmen bewegen diese sich?

Den Rahmen kann ich noch nicht genau beziffern. Aber wir haben beispielsweise die Online-Anmeldung samt Zeitmessung extern vergeben. Dieser Dienstleister möchte dafür natürlich sein Geld sehen, hatte er doch auch den Aufwand damit. Darüber hinaus hatten wir auch einige Dinge gekauft, wie etwa Medaillen, Pokale und Urkunden, die wir aufgrund der Schriftzüge mit Jahreszahl nun nicht mehr verwenden können. Aber wir konnten auch noch sehr viel absagen, wie zum Beispiel unseren bestellten Kuchen oder die Johanniter für den Sanitätsdienst.

Zu den Kosten dürfte nun die Rückerstattung von Startgeldern kommen…

Ja, natürlich. Wir haben am Freitag in einer Vorstandssitzung beschlossen, dass wir jeden Teilnehmer persönlich anschreiben und darüber hinaus auch auf unserer Homepage veröffentlichen werden, dass die Startgelder erstattet werden. Dafür müssen die Läufer sich nur melden, sodass wir im Anschluss den kompletten Betrag zurück überweisen können.

Inwiefern ist der finanzielle Schaden gefährlich für den ASC Marathon Friedberg als Verein?

Wir stehen als Verein zum Glück ganz gut. Das liegt auch daran, dass wir in Kooperation mit Triathlon Wetterau und dem Förderverein Quellwasserschwimmbad Ockstadt auch jedes Jahr den Ockstädter Cross-Triathlon veranstalten, bei dem wir ebenfalls Einnahmen generieren. So brauchen wir die Ausgaben vom Winterstein-Lauf nicht dringend. Daher sehe ich es insgesamt eher entspannt.

Viele Veranstaltungen werden aktuell verschoben, andere für ein Jahr komplett ausgesetzt. Wie haben Sie sich entschieden?

Das war auch ein Thema auf unserer Vorstandssitzung. Wir haben uns dazu entschieden, erst nächstes Jahr zum normalen Datum, also 21. März 2021, die 44. Auflage zu veranstalten. Das hängt damit zusammen, dass derlei Termine mit dem Verband abgesprochen werden müssen und schon viele Veranstaltungen verschoben wurden. Deshalb dürfte es in Kombination mit dem Cross-Triathlon im August, bei dem ebenfalls Kapazitäten gebunden sind, schwierig werden, einen passenden Termin zu finden. Zudem ist mit dem Winterstein-Lauf eine gewisse Organisation verbunden, weshalb es keinen Sinn macht, in den Herbst oder gar den Winter zu gehen, wenn im März schon die nächste Auflage stattfinden soll.

Gibt es darüber hinaus Auswirkungen des Coronavirus auf Ihr Vereinsleben?

Dadurch, dass wir keine Hallen nutzen, und sowohl Läufer als auch die Mountainbiker sich individuell organisieren, nur in kleinen Gruppen und ohne Trainer ihren Sport komplett im Freien betreiben, gibt es aktuell keine Einschränkungen. Nichtsdestotrotz kann es noch passieren, dass auch wir den Trainingsbetrieb ganz aussetzen müssen.

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