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Charakter gezeigt

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Eishockey kurios: Gleich fünf Mal hatten die Roten Teufel am Sonntagabend mit zwei Toren im Rückstand gelegen sind aber am Ende, nach einer von permanenten Nackenschlägen gekennzeichneten Aufholjagd für ihre niemals aufsteckenden Bemühungen mit zwei Punkten belohnt worden und als Sieger vom Eis gegangen.

In der dritten Minute der Verlängerung hämmerte Matt Beca den Puck zum 7:6 (0:2, 3:3, 3:1/1:0)-Endstand gegen Meister Bietigheim ins Netz. Der EC Bad Nauheim konnte vor 2494 Zuschauern im Colonel-Knight-Stadion den fünften Heimsieg in Folge feiern und hat sich mit einem beeindruckend charakterstarken Auftreten für die 1:10-Niederlage vom Freitag in Landshut rehabilitiert.

»Das ist eben die DEL 2. Da gehören solche Wochenenden dazu. Für die Zuschauer war’s spektakulär. Die Mannschaft hat Charakter gezeigt. Das war eines der schnellsten Spiele, die ich in meinen letzten eineinhalb Jahren hier gesehen habe«, sagt RT-Trainer Frank Carnevale, der in der Pressekonferenz die Leistung von Keeper Domenic Bartels im Schlussabschnitt hervorhob, intern vor der Torwart-Frage die Augen allerdings nicht verschließen wird. Wie Thomas Ower am Freitag war auch Bartels am Sonntag der große Unsicherheitsfaktor in den Reihen der Gastgeber, die nahezu doppelt so oft auf das von Jochen Vollmer gehütete Gäste-Tor schossen. »Wir haben gut angefangen, und wenn man auswärts 3:0 führt, muss man dieses Spiel auch nach Hause bringen«, resümierte Steelers-Trainer Kevin Gaudet.

Bei den Roten Teufeln fehlte neben dem grippekranken Daniel Oppolzer auch Dennis Reimer - und er wird seiner Mannschaft möglicherweise erst zum Jahreswechsel zur Verfügung stehen. In der Schlussphase der Partie am Freitag in Landshut hatte sich der 20-Jährige - wie noch zu später Stunde vor Ort diagnostiziert - einen Bruch an der linken Hand zugezogen und trägt derzeit Gips. Ob Reimer operiert werden muss, sollen nun weitere Untersuchungen zeigen.

Beide Mannschaften gingen von Beginn an ein hohes Tempo. Bietigheim brachte spielerische Elemente ein, Bad Nauheim kam fast ausschließlich über tiefes Spiel in die Ecken und zermürbende Zweikampfarbeit an den Banden. Klare Torchancen waren auf beiden Seiten Mangelware, doch nutzte der Meister aus dem Ellental seine wenigen Möglichkeiten schlicht cleverer, effektiver und sorgte angesichts eines 0:3-Zwischenstands für lange Gesichter in den Reihen der Roten Teufel.

Als Jason Pinizzotto im Powerplay den Anschluss hergestellt hatte, begann eine turbulente Achterbahnfahrt, von der die Roten Teufel angesichts der am Ende positiven Wendung sicher noch so manches Mal zehren werden.

Immer wieder arbeiteten sich die Mannen von Frank Carnevale wie Stehaufmännchen zurück in die Partie - nach dem 2:4 (31.) ebenso wie dem 3:5 (39.) und dem 4:6 (47.), scheinbar einfachen Gegentreffern, just nachdem die Gastgeber wieder Hoffnung geschöpft hatten. Und Bad Nauheim, das anfangs vergeblich auf ein wenig Scheibenglück gehofft hatte, schien das nötige Fortune erkämpfen zu können. Da schlossen Michael Dorr und Kevin Lavallee ihre Sololäufe souverän ab, da fanden Dan Ringwald und Daniel Ketter Lücken und überraschte Harry Lange Steelers-Keeper Vollmer am kurzen Eck. Dass ausgerechnet Bartels die wegweisende Strafzeit herausholen konnte (wurde im Torraum umgefahren) und der zuletzt so glücklose Beca den Siegtreffer erzielen konnte, passt schließlich als Happyend in das Drehbuch dieses Abends.

EC Bad Nauheim: Bartels - Ringwald, McMonagle, Götz, Heid, Baum, Ketter - Beca, Carnevale, Pinizzotto, Lavallee, Dorr, Helms, Schlicht, Lange, Strauch, May.

Bietigheim Steelers: Vollmer - Gleich, Vogl, Sommerfeld, Steingroß, Schütz, Martens - McKnight, Wrigley, Dmitriev, St. Jacques, Squires, Schoofs, Just, Heatley, Asselin.

Steno: Tore: 0:1 (15.) Asselin (Just, Heatley), 0:2 (19.) Heatley (Asselin), 0:3 (27.) Dmitriev (Martens, Schütz), 1:3 (28.) Pinizzotto (Ringwald, Carnevale - 5-4), 2:3 (30.) Dorr (Heid, Helms), 2:4 (31.) Asselin (Just, Heatley), 3:4 (37.) Ringwald (Helms, Lavallee), 3:5 (39.) Squires (Schoofs, St Jacques), 4:5 (45.) Lavallee (Heid, Helms), 4:6 (47.) Just (McKnight, Sommerfeld - 5-4), 5:6 (52.) Ketter (Lange, Pinizzotto), 6:6 (59.) Lange (Pinizzotto, Lavallee), 7:6 (63.) Beca (Carnevale, Ringwald - 4-3). - Schiedsrichter: Jens Steinecke - Strafminuten: Bad Nauheim 8, Bietigheim 14. - Zuschauer: 2494. Michael Nickolaus

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