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Carnevale: »Der Zug rollt«

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(mn) Im Kabinengang standen sie Spalier für die Roten Teufel; ganz vorne Alleingesellschafter Wolfgang Kurz, der sogleich die erste Runde Bier herangeschleppt hatte, dahinter die Team-Ärzte, Betreuer, das Sanitätspersonal und auch einige Ehrenamtliche sowie Helfer vom Ordnungsdienst.

Hände wurden geschüttelt, Fäuste geballt, Schultern geklopft. Von »Oh, wie ist das schön« bis »Wir sind stolz auf unser Team« reichte die fangesangliche Begleitung, als die Spieler von den rund 2000 Zuschauern am Dienstagabend im Colonel-Knight-Stadion für den Einzug in das Playoff-Halbfinale der Eishockey-Oberliga gefeiert wurden. »Wir waren heiß und wollten auf gar keinen Fall noch einmal nach Grafing fahren. Ich denke, die Mannschaft hat einen tollen Charakter gezeigt«, sagt Alexander Baum, der nach 91 Sekunden der Verlängerung den spielentscheidenden Treffer für den EC Bad Nauheim erzielen konnte.

Frühestens am Freitag wird der nächste Gegner feststehen. Können die Selber Wölfe den 1:2-Rückstand gegen Duisburg noch drehen, wären die Roten Teufel am Gründonnerstag zunächst an der tschechischen Grenze zu Gast, gewinnen aber die Wedaustädter, würde am Osterwochenende das Derby mit den Löwen Frankfurt die Eishockey-Region Kopf stehen und die Kassen auf beiden Seiten klingeln lassen.

»Wir werden den harten Weg gehen müssen«, glaubt RT-Trainer Frank Carnevale an den Vergleich mit dem Nachbarn aus der Mainmetropole, wobei die Roten Teufel am Donnerstag und am Ostermontag Heimrecht hätten und das Stadion wohl aus allen Nähten platzen würde.

»Wir haben vielleicht nicht unsere beste Leistung gezeigt, aber clever gespielt. Am Ende zählt nur der Sieg. Der Zug rollt«, sagt der RT-Trainer, der sich während der Ehrenrunden im Hintergrund hielt und nur ab und an aus der Kabinentür heraus das ausgelassene Treiben auf dem Eis verfolgte. »Solche Momente gehören den Spielern, und da haben sie auch die volle Aufmerksamkeit der Fans verdient«, sagt der Italo-Kanadier, der vor der Pressekonferenz mit Beifall im VIP-Raum begrüßt worden ist. Grafing habe eine tolle Mannschaft, sagt Carnevale. »Sie haben uns zu einem besseren Team gemacht.« Die Führungsspieler hätten an der Bank und auch vor der Verlängerung die Mannschaft angetrieben und ihm das eigentliche Coaching abgenommen. »Im Halbfinale sehen wir hoffentlich ein bisschen mehr unser Bad Nauheim-Hockey«, sagt der Trainer und bezeichnet ein potenzielles Duell mit den Löwen Frankfurt als »Krieg«.

Anerkennung für die Roten Teufel gab’s von EHCK-Trainer Doug Irwin, der hin- und hergerissen zwischen Enttäuschung über das Ausscheiden und Stolz auf die Leistung seiner Mannschaft ein Resümee zu ziehen versuchte. »Alle Spiele waren eng. Wir sind immer wieder aufgestanden. Gegen Bad Nauheim zu verlieren, ist keine Schande.« Das Schussverhältnis hatte wieder einmal für den Gast aus Oberbayern gesprochen, Bad Nauheim lebte von seiner Effizienz im Abschluss. »Wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, dann müssen wir uns aber steigern«, räumte Center Harry Lange selbstkritisch ein, während sein Patrick Strauch zu spüren glaubt, dass »hier etwas Besonderes entstehen kann. Wir haben die richtigen Jungs in der Kabine«, sagt der 32-Jährige, der einst bereits mit Essen und Landsberg in die 2. Bundesliga aufgestiegen war und in Thomas Ower den Schlüssel sieht. »Wir haben den besten Torwart der Liga.«

Für Sorgenkind Eddy Rinke gab’s diesmal ein Lob von Carnevale, der den Deutsch-Letten - entgegen seiner Coaching-Philosophie - vor der Partie öffentlich kritisiert hatte. »Eddy hat seinen Egoismus hintangestellt, konzentriert gespielt und auch defensiv gearbeitet. Das war ein Schritt in die richtige Richtung. So kann er für uns unheimlich wertvoll sein.«

Nach einer langen Partynacht wurde am Mittwochabend wieder trainiert. Erst am Wochenende gibt’s zwei freie Tage, bevor am Montag die Halbfinal-Vorbereitungen beginnen. Der Trainer will das spielfreie Wochenende zum Scouting in der 2. Bundesliga nutzen. »Ich will das Niveau sehen, wissen, wie’s dort zugeht.« Als Halbfinalist werden die Roten Teufel in diesen Tagen wohl Info-Post der ESBG, der 2. Bundesliga, erhalten. Das dürfte auch hinter den Kulissen die wirtschaftlichen, strukturellen und juristischen Planungen – begleitend zum sportlichen Erfolg – vorantreiben, um im Fall der Fälle und einer möglichen Einigung zwischen ESBG und den Deutschen Eishockey-Bund für das von Beginn an propagierte Ziel, den Aufstieg, gerüstet zu sein. Die ESBG möchte das Teilnehmerfeld bekanntlich gerne aufstocken.

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