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Carnevale fliegt – ohne Unterschrift

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(mw) Die wichtigste Personalie beim EC Bad Nauheim wird zur Geduldsprobe. Erfolgstrainer Frank Carnevale ist am Freitag zurück in seine Heimat Kanada geflogen, ohne vorher einen Vertrag für die kommende Saison zu unterschreiben. Carnevale hatte am vergangenen Sonntag Historisches geschaffen, denn er hatte die Roten Teufel zur Oberliga-Meisterschaft und damit sportlich in die Zweite Liga geführt.

Unterdessen vermeldeten die Löwen Frankfurt gestern Chris Stanley offiziell als Zugang.

Carnevale sei ein emotionaler Typ; er müsse sich nach der Meisterschaft erstmal einen klaren Kopf verschaffen und etwas Bedenkzeit bekommen – so die offizielle Begründung der Eishockey Cracks Bad Nauheim, der neuen Spielbetriebs GmbH in der Kurstadt. »Es gibt keine offenen Themen mehr. Bis nächsten Freitag wird Frank sich entschieden haben. Diese Zeit geben wir ihm«, sagt EC-Pressesprecher Christian Berger. Er schätze die Wahrscheinlichkeit als »größer als 90 Prozent« ein, dass Carnevale im September als Trainer nach Bad Nauheim zurückkehren werde und in den nächsten sieben Tagen ein entsprechendes Vertragspapier unterschreibe. Carnevale wollte den Stand der Verhandlungen vor seinem Abflug auf WZ-Anfrage nicht kommentieren.

Am Donnerstagabend haben die Mitglieder des Nachwuchsvereins derweil mit großer Mehrheit (88 Prozent) dafür gestimmt, einer der vier Gesellschafter der neuen GmbH zu werden. Jörg Semmler, Thomas Korff und der Teufelskreis standen bereits fest.

Unterdessen steht neben Eddy Rinke nun offiziell der zweite Abgang beim EC Bad Nauheim fest. Kapitän Chris Stanley wechselt zu den Löwen Frankfurt. Die Mainstädter haben gestern den Transfer veröffentlicht, bekannt war dies schon seit mehreren Wochen (die WZ berichtete). Stanley war in der vergangenen Saison Topscorer bei den Roten Teufeln, obwohl er in den Playoffs kaum noch an den Toren seiner Mannschaft beteiligt war. In einer Pressemitteilung der Löwen wird Stanley wie folgt zitiert: »Mit dem Wechsel nach Frankfurt habe ich nun den richtigen Schritt für meine Familie und mich gemacht, wenn ich an unsere Zukunft denke. Ich möchte Teil von etwas Großem sein, was bei den Löwen zweifelsohne am Entstehen ist.«

Weitere Personalfragen werden sich wohl erst nach der defi- nitiven Carnevale-Entscheidung klären, auch wenn Geschäftsführer Andreas Ortwein und der Sportliche Leiter Daniel Heinrizi bereits in Gesprächen mit Spielern sowie Spielerberatern sind.

Kommentar: Irgendwo ist ein Haken

Ein unterschriftsreifer Vertrag lag nach unseren Informationen vor. Warum also hat Frank Carnevale vor seinem Abflug nach Kanada nicht unterschrieben? Emotionaler Typ und Bedenkzeit in der kanadischen Heimat hin oder her – Carnevale sieht irgendwo noch einen Haken. Sein Gehalt, seine Kompetenzen oder das Spielerbudget – irgendetwas schmeckt dem Meistertrainer noch nicht.

Unter dem »alten« Gesellschafter Wolfgang Kurz hatte er bereits einen Vertrag unterschrieben, der nun aufgrund der veränderten Strukturen (die Kurzsche GmbH wird liquidiert) keine Gültigkeit mehr bekommt; außerdem hatte der Italo-Kanadier während der Saison selbst Gespräche über seine Zukunft forciert. Carnevale wollte, davon kann ausgegangen werden, Klarheit vor seinem Abflug – zumal er in Europa nur für den EC Bad Nauheim arbeiten möchte. Dies hat er immer wieder betont, und zuletzt auch das Angebot aus Heilbronn ausgeschlagen. Unser Tipp: Carnevale kommt wieder – aber die Verantwortlichen müssen noch an der einen oder anderen Stellschraube drehen.

Michael Wiener

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