Vorstandsmitglieder der verschiedenen Generationen: Beim SV Bruchenbrücken freuen sich der aktuelle Vorsitzende André Schmidt (l.), sein Vorgänger Helmut Kreisch (Mitte) und dessen ehemaliger Vorstandskollege Willi Schneider über die Verleihung der Sportplakette des Bundespräsidenten im Jahr des 100-jährigen Jubiläums. FOTO: KESSLER
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Vorstandsmitglieder der verschiedenen Generationen: Beim SV Bruchenbrücken freuen sich der aktuelle Vorsitzende André Schmidt (l.), sein Vorgänger Helmut Kreisch (Mitte) und dessen ehemaliger Vorstandskollege Willi Schneider über die Verleihung der Sportplakette des Bundespräsidenten im Jahr des 100-jährigen Jubiläums. FOTO: KESSLER

Fußball

SV Bruchenbrücken: Zwischen Freude und Sorge

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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Der SV Bruchenbrücken wurde mit der Sportplakette des Bundespräsidenten ausgezeichnet worden. Zur Freude kommen aber auch Sorgen.

Der SV Bruchenbrücken hat das Jahr seines 100-jährigen Bestehens so gut wie hinter sich gebracht - und ist nun mit der Sportplakette des Bundespräsidenten ein weiteres Mal ausgezeichnet worden. Doch zwischen der Freude über die Ehrung und der Zufriedenheit über den bisherigen Ablauf des Jubiläumsjahres mischen sich auch Zukunftssorgen

Drei Männer sitzen am runden Tisch im Sportheim des SV Bruchenbrücken an diesem Mittwochabend, trinken etwas, unterhalten sich - wie schon so oft. Sie lassen das Jubiläumsjahr des Vereins Revue passieren, das mit der Weihnachtsfeier am 21. Dezember seinen Abschluss findet. "Stressig" war es, erzählt der Vorsitzende André Schmidt, "aber auch gut". Wie geht es dem kleinen Verein aus dem Friedberger Stadtteil, der neben den Fußballern noch einen Lauftreff zu seinen Abteilungen zählt, nun? "Genau wie vorher. Es ist allgemein schwieriger geworden", sagt Schmidt.

Er hat das Amt des Vorsitzenden 2014 quasi "geerbt", sein Vorgänger Helmut Kreisch sitzt ebenfalls mit am Tisch, ebenso Willi Schneider, der gemeinsam mit Kreisch jahrelang im Vorstand aktiv war. Sein Sohn Frank Schneider trainiert bereits im zehnten Jahr die Fußballer. Der SVB ist in dieser Hinsicht ein "Familienbetrieb" - zumindest was die Vorstandsarbeit des rund 350 Mitglieder umfassenden Klubs angeht. Das große Problem ist eines, das viele Vereine in der Region haben: "Uns fehlt einfach der Nachwuchs", sagt Schmidt. Und trotz der immer weniger werdenden Mitglieder und der sinkenden Zahl an Ehrenamtlichen würden die Anforderungen in Sachen Bürokratie und Formalitäten immer weiter steigen. "Da werden Dinge vorausgesetzt, die mancher Verein gar nicht erfüllen kann", sagt Schmidt.

Sein Vorgänger Kreisch schlägt in diesselbe Kerbe: Er verweist in der Diskussion um veränderte gesellschaftliche Vorzeichen auch auf gestiegene Anforderungen im Berufs- und Familienleben: "Als wir damals im Vorstand waren, waren wir alle um 17 Uhr zu Hause. Das schafft heute kaum einer mehr", sagt er. Umso schöner sei es gewesen, dass rund um die 100-Jahr-Feierlichkeiten in diesem Jahr neben anderen Vereinen aus Bruchenbrücken auch wieder Helfer aufgetaucht seien, die man länger nicht gesehen hatte. "Hut ab, vor dem, was da geleistet wurde", sagt Kreisch mit Blick auf das dreitägige Festwochenende, den Kommers oder die Ausrichtung des Stadtpokalturniers. Dabei hätte sich auch die Spielgemeinschaft der zweiten Mannschaft mit dem FC Kaichen ausgezahlt. "Am Anfang der Saison war es etwas schwer, aber jetzt läuft es gut und wir stehen auch in der Tabelle gut da", sagt Schmidt. "Und bei unserem Festwochenende sind die Kaichener mit einigen Leute gekommen und haben wie selbstverständlich geholfen. Die Jungs aus der ›Zweiten‹ sind eben nicht nur gute Kicker, sondern auch verlässliche Helfer."

Eine Spielgemeinschaft im Jugendbereich ist dagegen kein Thema - auch wenn der zwischenzeitlich ganz eingeschlafene Betrieb mit einer Bambini-Mannschaft derzeit wieder etwas Auftrieb hat, da sich auch hier junge Spieler engagieren. "Eine Spielgemeinschaft rentiert sich nicht, wir haben zu wenige Kinder in zu vielen verschiedenen Jahrgängen", sagt Schmidt. Im Fall der Fälle empfehle er den Eltern daher, das Kind in einem Nachbarverein anzumelden - damit es überhaupt Fußball spielt. Aber: Wird die Lücke in Sachen Nachwuchs noch größer, dann könnte das langfristig das Ende des Vereins bedeuten. Das weiß auch Schmidt: "Die Mittelschicht ist unsichtbar, also die Leute zwischen 40 und 60 Jahre - als Helfer, im Vorstand oder nur als Zuschauer", sagt er. Willi Schneider hat dafür auch eine Erklärung: "Wir sind doch wegen unseres S-Bahn-Anschlusses mittlerweile ein Übernachtungskaff von Frankfurtern, die hier wohnen. Die meisten suchen doch keinen Anschluss."

Da würden dann auch keine Kooperationen, wie die mit dem örtlichen Kindergarten, die Ausrichtung von Fußball-Camps oder DFB-Turnieren helfen, um auf Fußball und Verein aufmerksam zu machen. "Es kann keiner sagen, wir würden nichts versuchen, aber es liegt einfach am gesellschaftlichen Wandel", sagt Schmidt. "Als ich ein Kind war, war hier ein ganz anderes Leben auf dem Sportplatz."

Dennoch bemühte er sich um die Verleihung der Sportplakette des Bundespräsidenten (siehe Kasten). Das Ziel, wie auch bei den Jubiläumsfeierlichkeiten: Aufmerksamkeit. Sein Blick in die Zukunft ist trotz dieser "Auszeichnung für den Verein" nicht nur hoffnungsvoll: "Man merkt, wo die Reise hingeht. Ich hoffe, dass es den Verein in 100 Jahren trotzdem noch gibt, denn auf eine solche Geschichte zu schauen, ist schon etwas Besonderes. Das Jubiläum war aber auf jeden Fall so gut, dass wir aktuell noch nicht damit abschließen."

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