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»Brauner Hulk« will zu den World Classics

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Vier Mannschaften, ein Ziel - und auch nur ein Ticket: Von Donnerstag bis Montag spielen Großbritannien, Tschechien, Kanada und Deutschland in Regensburg um die Qualifikation zu den World Baseball Classics, dem Turnier der besten 16 Nationen, das unter Beteiligung der millionenschweren Profis der Major League ausgetragen wird.

»Ich kann’s kaum erwarten. Wir haben eine talentierte Mannschaft und auch gute Chance, uns zu qualifizieren. Das wäre natürlich eine Riesensache«, sagt Donald Lutz. Der 23-Jährige, in Watertown/USA geboren, aber in Friedberg aufgewachsen und familiär verwurzelt, ist nicht nur einer von 13 Spielern aus den unteren nordamerikanischen Ligen, die die deutsche Nationalmannschaft in dem Ausscheidungsturnier verstärken: Lutz wird nach seiner Berufung in den sogenannten 40-Mann-Kader des Profi-Klubs Cincinnati Reds als erstem deutschen Spieler ein Einsatz in der MLB zugetraut.

Die World Classics werden erst zum dritten Mal ausgespielt (Japan hatte die ersten beiden Turniere gewonnen) und stehen - dank der Teilnahme der MLB-Profis - sportlich über den eigentlichen Weltmeisterschaften. Die zwölf führenden Nationen (Australien, China, Kuba, Dominikanische Republik, Italien, Japan, Korea, Mexiko, Niederlande, Puerto Rico, Vereinigte Staaten, Vietnam) sind bereits qualifiziert, in vier Turnieren (Regensburg, Taipei, Vereinigte Staaten, Panama) spielen nun 16 weitere Nationen in vier Vierer-Gruppen um vier freie Plätze.

Deutschland, im »World Ranking« auf Position 17, bildet mit Kanada (Rang sechs) das Favoriten-Duo in der Armin-Wolff-Arena, wo anlässlich der WM 2009 nahezu 10 000 Zuschauer das Duell der DBV-Auswahl mit den USA verfolgt hatten. Sascha Lutz, der ältere Bruder von Donald Lutz, hatte die deutsche Nationalmannschaft in dieser Partie auf das Feld geführt. Ihm, in der Bundesliga für die Mannheim Tornados aktiv, fehlt nach einem Muskelriss im Oberschenkel in diesem Jahr aber die Spielpraxis. Tschechien (Rang 20), am Freitag um 19 Uhr der Auftaktgegner, und Großbritannien (Platz 23) werden eher Außenseiterchancen nachgesagt.

Die Generalprobe für das Turnier konnte sich durchaus sehen lassen. Bei der Europameisterschaft in den Niederlanden hat Deutschland im »kleinen Finale« gegen Spanien die Bronzemedaille nur knapp verpasst. Zum vierten Mal in Folge hatte das Team in Schwarz-Rot-Gold mindestens das Halbfinale erreicht und sich damit zumindest kontinental im Kreis der Top-Nationen etabliert. Donald Lutz war beim europäischen Titelwettstreit nur als Zuschauer dabei. Ihm fehlte aufgrund seines Status als Mitglied im 40-Mann-Kader die Freigabe seines Klubs.

Der Powerhitter wurde zwar in dieser Saison noch nicht im Profi-Team eingesetzt, konnte aber erneut Schlagzeilen schreiben. In der Saisonvorbereitung entschied Lutz den mannschaftlichen Wettkampf der Talente mit den aktuellen Stars der Reds mit einem Homerun zugunsten der Nachwuchshoffnungen. »Das war mein bisheriger Saisonhöhepunkt, ganz klar«, sagt Lutz, dessen Freunde T-Shirts haben anfertigen lassen und diese bei den Spielen in Regensburg tragen wollen. Das Konterfei von Lutz ist zu sehen, dazu sein Spitzname »Der braune Hulk«. Dieser war ihm schon als Jugendlicher von seinen Mitspielern verpasst worden. Zu einem seiner ersten Spiele - kalt war’s und geregnet hatte es auch - hatte Lutz, der den Gleichaltrigen von seiner körperlichen Statur überlegen war, eine Jacke unter des Trikot gezogen. Und diese hatte ihn noch robuster erscheinen lassen.

Bei den Reds spielt mit Joey Votto auf der Lutz’schen Position an der 1st Base. Votto hatte in diesem Frühjahr einen Zwölf-Jahres-Vertrag im Wert von 251 Millionen Dollar unterschrieben und gilt damit über Jahre hinaus als gesetzt. Lutz, der in erster Linie für seine Schlagkraft, seine Homerun geschätzt wird, kommt in der Defensive deshalb vermehrt im Outfield zum Einsatz und soll als Leftfielder ausgebildet werden.

Lutz spielte zu Saisonbeginn für die Bakersfield Blaze (Single A - vergleichbar mit der vierten Liga) und wurde ins All-Star-Team berufen. Zur zweiten Saisonhälfte stieg der Offensiv-Spezialist intern auf (Double A - dritte Liga) und trat für die Pensacola Blue Wahoos an das Schlagmal. Der 1,92 Meter große und 105 Kilogramm schwere Lutz überzeugte auch hier und erhält ab Oktober die Möglichkeit, in der Arizona Fall League weiter Spielpraxis zum sammeln. Jeder MLB-Klub darf nur eine Handvoll Spieler für diese Liga der größten Talente nominieren. »Ich werde am Ball bleiben und hoffe, im nächsten Jahr den Sprung in die MLB zu schaffen«, sagt Lutz. Das Wochenende bei seinem Ex-Klub in Regensburg dient gewiss als Bühne, um weiter auf sich aufmerksam zu machen. Michael Nickolaus

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