"Brauchen Kreiswart mit Politiker-Gen"

  • schließen

Kreissportwart Boris Dombrow (Wölfersheim) hat nach dem krankheitsbedingten Rücktritt des Tischtennis-Kreiswartes Diethelm Göbeler (Bad Nauheim/Steinfurth) bis zum kommenden Kreistag des Sportkreises Wetterau am 19, Juni in Stockheim die Aufgaben des Kreises übernommen. Er stellt zugleich aber klar, nicht als Kreiswart kandidieren zu wollen. Da bräuchte man einen "Politikertyp", der er nicht sei. Im WZ-Interview zieht Dombrow Bilanz.

Kreissportwart Boris Dombrow (Wölfersheim) hat nach dem krankheitsbedingten Rücktritt des Tischtennis-Kreiswartes Diethelm Göbeler (Bad Nauheim/Steinfurth) bis zum kommenden Kreistag des Sportkreises Wetterau am 19, Juni in Stockheim die Aufgaben des Kreises übernommen. Er stellt zugleich aber klar, nicht als Kreiswart kandidieren zu wollen. Da bräuchte man einen "Politikertyp", der er nicht sei. Im WZ-Interview zieht Dombrow Bilanz.

Wie sieht es derzeit in den Vereinen im Kreis aus?

Boris Dombrow: Im Nachwuchsbereich wird die Zahl der gemeldeten Mannschaften in der kommenden Saison wieder zunehmen. Viele Vereine wollen wieder Jugendarbeit machen, da sie so langsam merken, dass immer weniger nachkommt. Die Nachwuchsveranstaltungen sind gut besucht, und die Leute sind sehr zuverlässig. Unser Kreisjugendwart Holger Thösen wird eine U10-Liga gründen, die eine Bambini-Einsteiger-Liga sein wird. Wir müssen unbedingt ganz früh beginnen. Bisher haben es diejenigen Vereine einfacher, die bereits Jugendarbeit machen, da Mundpropaganda immer noch die beste Werbung ist. Wenn die Jugendlichen ihre Kumpels mitbringen, kommt schnell eine große Gruppe zustande. Bei den anderen Vereinen ist der Wille da, die Jugendlichen fehlen jedoch.

Bei den Herren könnte es dagegen einen Rückgang bei der Zahl der gemeldeten Mannschaften geben.

Dombrow: Mit der neuen Regelung in der Wettspielordnung, wonach alle Spieler so oft Ersatz spielen dürfen, wie sie wollen, hat sich der Hessische Tischtennis-Verband keinen Gefallen getan. Diese seit zwei Jahren existierende Regelung hat die Vereine dazu verleitet, mehr Mannschaften zu melden als man eigentlich hatte. Aber wenn eine Mannschaft ständig mit Ersatz spielen muss, kommt viel Unruhe herein. Und auch für die Ersatzspieler selbst ist es ein Problem, da es auf die Gesundheit der oft älteren Spieler gehen kann und sie den Spaß verlieren. Das haben wir an den relativ vielen Rückzügen in dieser Saison auch gesehen.

Was wird die Konsequenz sein?

Dombrow: Die Vereine werden wieder realistischer aufstellen. Es wird deutlich, dass jetzt ein Lerneffekt eintreten wird. Die Konsequenz wird natürlich sein, dass weniger Mannschaften gemeldet werden.

Wie verlief die abgelaufene Spielzeit sportlich? Nach wie vor sind im Herren-Bereich keine Mannschaften in Sicht, die höher spielen können.

Dombrow: Wenn man nur dadurch höher spielt, dass man Spieler einkauft, macht das höhere Spielen keinen Sinn. Uns fehlen derzeit die Leistungsträger im vorderen Paarkreuz, doch wir können nur das leisten, was geht. Aber fast alle Jugendlichen finden immer noch Spielklassen vor, die hoch genug für sie sind. Bei den Damen haben wir höhere Spielklassen, doch selbst diese könnten für eine Josephina Neumann zu niedrig sein.

Der Ausfalle von Kreiswart Diethelm Göbeler macht eine Neustrukturierung im Kreisvorstand nötig. Wie sieht es da bisher aus?

Dombrow: Wir haben viele Leute, die in den einzelnen Bereichen zuarbeiten können, doch der Posten des Kreiswartes ist schwer zu besetzen. Für mich ist es in jedem Fall die falsche Position, denn da braucht man ein Politiker-Gen, das ich nicht habe. Man muss einen Kreistag leiten können, den Kreis auf Verbandsebene vertreten können, Turniere leiten oder Öffentlichkeitsarbeit machen. In dieser Woche haben wir eine Kreisvorstandssitzung, und ich habe ein bis zwei Personen, die ich mir für diesen Posten vorstellen könnte. Das Problem bei der Suche ist generell, dass die geeigneten Personen aus den Vereinen zumeist bereits ausgelastet sind und den anderen die Erfahrung fehlt für diese Position, für die man ja auch einiges mitbringen sollte. Ich hoffe, dass wir diesen Posten besetzen können, da wir nach der neuen Geschäftsordnung für die Kreise nur noch fünf feste Vorstandsämter brauchen. Und für die Beauftragten, wie sie dann heißen werden, haben wir genügend Kandidaten.

Wie sieht es beim Schulsport aus?

Dombrow: Da hatte sich Diethelm Göbeler gekümmert, sodass wir jetzt einen neuen Schulbeauftragten finden müssen. Das Hauptproblem sind dabei nicht einmal die Schulen, sondern die Trainer, die die entsprechende Zeit am Nachmittag haben müssen.

Wie gelingt der Übergang der Jugendlichen in den Erwachsenenbereich?

Dombrow: Die Überalterung schreitet leider schneller voran als Jugendliche nachkommen. Das liegt daran, dass der Übergang zu den Herren sehr schwerfällt, speziell für die Jugendlichen, die nur Kreisniveau erreichen. Bei ihnen werden dann schnell Abstriche gemacht beim Sport, auch weil die Belastungen in der Schule immer weiter ansteigen und die Zeit zum Lernen immer mehr Raum einnimmt. Da fällt der Tischtennissport dann schnell herunter. Man sieht, es bleibt eine schwierige Zeit, aber die Tatsache, dass viele Vereine gemerkt haben, dass es ohne Jugendarbeit nicht weitergehen kann, macht mich doch sehr zuversichtlich. (Foto: pv)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare