Boxabend

Box-Rückkehr nach Wetzlar fest geplant

Der Boxabend in Wetzlar hatte einiges zu bieten – nicht nur den Auftritt von Weltmeister Tyron Zeuge. Doch die Zuschauerresonanz war dürftig. Trotzdem will Veranstalter Sauerland zurückkehren.

Der Kampfabend in Wetzlar hielt, was er versprach. "Es war ein wunderbarer Abend mit interessanten Fights", sagte Manager Kalle Sauerland freudestrahlend, nachdem Supermittelgewichtler Tyron Zeuge in der Nacht auf Sonntag seinen Weltmeistertitel eindrucksvoll verteidigt hatte. Es war aber auch ein Abend, den nur wenige Zuschauer besuchten. Knapp 2500 Fans sahen den Hauptkampf, die (durchaus ansehnlichen) Vorkämpfe verfolgten deutlich unter 2000 Fans. "Da ist noch Luft nach oben", sagte Wendelin Müller, Sportamtsleiter der Stadt Wetzlar. Beim ersten Sauerland-Kampfabend am 23. September 2006 hatten ebenfalls unter 3000 Fans die legendäre Ringschlacht von Ex-Weltmeister Arthur Abraham gesehen. Trotzdem versprach Kalle Sauerland um weit nach Mitternacht, "dass wir wohl nicht wieder elf Jahre warten, um nach Wetzlar zurückzukommen."

Nur rund fünf Wochen hatte die Stadt und Veranstalter Sauerland Event um Vorfeld Zeit, um die Werbetrommel zu rühren. Erschwerend hinzu kam, dass man sich ein schwieriges Wochenende ausgesucht hatte, da am vergangenen Donnerstag Fronleichnam war. "Im Nachhinein muss man sagen, dass der Termin rund um ein langes Wochenende ungünstig war", sagte Wetzlars Oberbürgermeister Manfred Wagner, der den Kampfabend von der ersten Reihe aus verfolgte. Zu sehen bekam er unter anderem einen gelungenen Auftritt von Lokalmatador Emir Ahmatovic, der seinen Kontrahenten nach nur zwei Minuten und 47 Sekunden K.o. schlug. "Jetzt ist der Druck endlich weg", freute sich der 30 Jahre Cruisergewichtler, der vor seinem Debüt in der Heimat einen nervösen Eindruck gemacht hatte.

Als er gegen 21.40 Uhr die Arme in die Höhe reißen durfte, strahlte er über das ganze Gesicht und genoss die Aufmerksamkeit. Ahmatovic posierte für zahlreiche Selfies, winkte immer wieder ins Publikum, drückte viele Freunde und Bekannte – und wurde im Ring mit Urkunde und Anstecknadel für seine Leistungen als Olympischer Boxer geehrt. Während Ex-Weltmeister Jack Culcay (Superweltergewicht) den Kampfabend ungestört auf der Tribüne verfolgte, konnte sich Arthur Abraham (Supermittelgewicht) dem Trubel nicht entziehen.

Das langjährige Zugpferd des deutschen Boxens hatte vorsorglich einen Stapel Autogrammkarten mitgebracht, die er schnell los war. "Ich komme mit einem guten Gefühl nach Wetzlar, obwohl meine linke Backe immer noch taub ist", sagte Abraham, der sich im Herbst 2006 in der Rittal-Arena einen Kieferbruch zugezogen hatte.

Unter den Gästen am Ring war auch Ex-Profi Axel Schulz, der sich im Vorfeld des Hauptkampfes auf seinen Einsatz als Fernsehexperte vorbereitete. "Aufgeregt bin ick nicht. Ich find’s eher schade, dass wir am Mikro so wenig Zeit zum Quatschen haben", sagte Schulz am Rande in seiner unnachahmlichen Berliner Art.

Als dann Tyron Zeuge um kurz vor halb zwölf in den Ring stieg, war die Stimmung im Publikum am Siedepunkt angelangt. Und während der folgenden zwölf Runden wurde sie sogar noch besser. Das lag an der starken Leistung des Hauptkämpfers, am reibungslosen Ablauf der Veranstaltung – und auch an den hübschen "Nummerngirls", die Sauerland Event in den Ring schickte. Der Kampfabend am Samstagabend in Wetzlar machte alle Beteiligten stolz. Nur die Zuschauerresonanz könnte beim nächsten Mal besser sein.

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