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Coronavirus - Sport und Gesundheit

"Bleiben Sie aktiv!"

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Immun ist per se keiner gegen das Coronavirus - bei einer Infektion aber lautet die Frage: Wi e stark ist das Immunsystem? Der Gießener Sportwissenschaftler Prof. Dr. Karsten Krüger gibt Antworten.

Das Coronavirus beschäftigt auch den Gießener Sportwissenschaftler Prof. Dr. Karsten Krüger derzeit enorm - für die zweite Auflage seines Buches "Geben Sie Bakterien und Viren keine Chance!" verfasst der in Kleinlinden wohnende Krüger gerade ein gesondertes Kapitel zu Covid-19.

Der 42-Jährige weiß, wie man sein Immunsystem und die Abwehrkräfte stärkt - das hilft dem Körper, mit einer möglichen Infektion gut umzugehen. "Das Coronavirus scheint so infektiös zu sein, dass wir alle davor nicht geschützt sind. Entscheidend ist dann aber, was passiert, wenn wir infiziert sind. Da hat das Immunsystem entscheidenden Einfluss."

Verläuft die Krankheit milde, gar unbemerkt, oder ist der Körper mit dem Virus zunehmend überfordert? Regelmäßige, moderate Bewegung ist einer der Hauptfaktoren für ein funktionierendes Immunsystem. "Wenn die Menschen nun vornehmlich zu Hause bleiben sollen, ist das keine Aufforderung, inaktiv zu sein. Wenn wir nichts tun, schaden wir unserer Gesundheit", sagt der Leiter der Leistungsphysiologie und Sporttherapie an der JLU.

Risikogruppen weisen häufig ein geschwächtes Herz-Kreislauf-System oder Lungenvorerkrankungen auf - um diese zu vermeiden bzw. Verbesserungen zu erzielen, helfe Bewegung enorm. Karsten Krüger hat deshalb viele praktische Tipps zur Stärkung des Immunsystems.

?Was hat entscheidenden Einfluss auf mein Immunsystem?

Vier Faktoren spielen aus Sicht des Sportwissenschaftlers eine gewichtige Rolle: Erstens, eine ausgewogene Ernährung: "Wer eine allgemeine Mischkost mit frischen, pflanzlichen Zutaten aufnimmt, ist medizinisch betrachtet auf Dauer zu 100 Prozent versorgt und weist keine Mängel auf." Zweitens: guter Schlaf. "Das reflektiert sich im Immunsystem. Wer wenig und schlecht schläft, hat eine erhöhte Infektanfälligkeit." Drittens: Regelmäßige sportliche Aktivität: Immunzellen werden mobilisiert "Sie schwimmen im Blut und wandern in Organe und Gewebe ein. Wie eine Art Polizei sind sie auf der Suche nach Eindringlingen, sprich Bakterien und Viren." Viertens: Das Vermeiden von zu viel Stress: Bei chronischem Stress wird Cortisol ausgeschüttet, der Körper schaltet in ein Notprogramm, mobilisiert Reserven, entzieht dem Immunsystem Energie. "Wer dauerhaft überarbeitet ist, ist dann in einem ähnlichen Zustand wie ein Marathonläufer auf den letzten Metern."

?Wie stärke ich meine Abwehrkräfte durch regelmäßiges Sporttreiben?

Durch kontrollierte Bewegung, wie bei einer einstündigen Radtour oder einem kurzen Jogging-Gang, wird der Körper stimuliert, die Herzfrequenz erhöht, Muskeln aktiviert - was die Freisetzung von Adrenalin mit sich bringt. Das wiederum regt unter anderem die Durchblutung der Schleimhäute an, die unsere Körperöffnungen auskleiden und die erste Barriere für Bakterien und Viren darstellen.

?Welchen Effekt hat Sporttreiben auf die durch das Coronavirus besonders gefährdete Lunge?

Wer sich bewegt, beginnt stärker zu ventilieren. Die Lunge wird von einer hohen Luftmenge mit Fremdstoffen durchströmt. In Räumen wie Fitnessstudios, in denen sich Menschen tummeln, gelangen mehr Keime in die Lunge als beim alleinigen Jogging-Gang durch den Wald. "Wir sind es gewohnt, in einem bestimmten Umfeld Sport zu treiben", weiß Krüger. "Aber wir müssen derzeit alle improvisieren. Viele Kurse werden mittlerweile über technische Geräte angeboten, sodass von zu Hause aus Sport getrieben werden kann." Generell gilt: Durch Sporttreiben wird die Lunge durchlüftet und durchblutet - was die Leistungsstärke erhöht.

?Sollten sich auch ältere Menschen jetzt bewegen?

Wenn sie keine Symptome verspüren: ja, in moderater Form. Eine Studie der Justus-Liebig-Universität aus diesem Jahr, die Krüger selbst begleitete, habe gezeigt: "Wenn ältere Menschen drei- bis fünfmal pro Woche Nordic Walking betreiben, sterben erschöpfte Immunzellen ab und im Knochenmark bilden sich neue, leistungsfähigere Zellen. Das Immunsystem wird also verjüngt." Auch auf den Umgang mit Impfstoffen habe regelmäßige Bewegung positiven Einfluss. "Es gibt also viele gute Gründe, aktiv zu bleiben."

?Was gilt, wenn ich Erkältungssymptome verspüre?

"Im Falle von Symptomen, auch wenn sie schwach sind, würde ich intensives Sporttreiben absetzen", sagt Krüger. Überanstrengung sollte vermieden werden. Wer infiziert ist und Sport treibe, schwäche seine Abwehrkräfte, "der Infekt kann sich festsetzen und von den oberen Atemwegen in den Bereich der Lunge vordringen. Sobald ich mich wieder fit fühle, spricht aber nichts gegen die Wiederaufnahme von Bewegung. Wer sich gut fühlt, sollte also auch präventiv Sport treiben."

Um die Verbreitung des Virus einzudämmen, ist es notwendig, dass alle ein Bewusstsein dafür entwickeln, wo die Ansteckungsgefahr am größten ist: Beim direkten Kontakt mit Mitmenschen, vornehmlich beim Händeschütteln, an Türklinken in öffentlichen Gebäuden oder an Griffen in öffentlichen Verkehrsmitteln. Prof. Dr. Karsten Krüger: "Wichtig ist, dass man sich nach diesen Kontakten zügig die Hände wäscht: Einseifen, 30 Sekunden einwirken lassen. Seife ist ein Fettlöser, Krankheitserreger sind in einer Fettschicht gebunden. Das kann man sich wie beim Spülen und dem Einweichen vorstellen."

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